„Sprungbrettveranstaltung“ des Fördervereins

Geschichte und Geschichten aus dem Gautinger Sommerbad

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Alte Zeiten: Im Bad von Karl Doppelhammer an der Würm konnte man angenehme Nachmittage verbringen. Das Foto wurde um 1930 herum aufgenommen.
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Das Sommerbad öffnet am 26. Mai. Der Förderverein hat sich darauf mit einem historischen Vortrag von Archivarin Regine Hilpert-Greger eingestimmt.

Gauting – Es war eine kleine Sensation für Gauting, als bekannt wurde, dass das Sommerbad als Trainingsstätte für die Olympioniken 1972 in München dienen sollte. Doch dann, oh Schreck, stellte die zuständige Olympiagesellschaft fest, dass das Wasser nicht den Qualitätsansprüchen genügte. Den Athleten, die bekanntlich mehr Wasser schlucken müssen als Otto-Normal-Schwimmer, sei das nicht zuzumuten, hieß es. Bürgermeister Josef Cischeck ließ daraufhin in einer Nacht- und Nebelaktion in das Becken Trinkwasser einfüllen und nahm publikumswirksam einen Schluck zu sich. Das Foto ging durch die Presse, die Olympia-Gesellschaft war beruhigt, das Thema erledigt.

Schon die alten Römer betrieben eine Therme

Diese Anekdote war eine von vielen Geschichten, die Archivarin Regine Hilpert-Greger auf Einladung des Fördervereins Sommerbad am Mittwoch im Walter-Hildmann-Haus der evangelischen Gemeinde hielt. Man stimmte sich ein auf die kommende Saison, die heuer noch ein wenig kürzer dauert als ohnehin: Aus Kostengründen wird erst am 26. Mai eröffnet, Schluss ist am 17. September. Und doch ist die Vorfreude beim Verein extrem groß: „Das Bad ist einfach etwas ganz Besonderes“, sagt der neue Vorsitzende Sebastian Worm-Paradiek. Wo gibt es sonst im Münchner Umland ein 50-Meter-Becken, eine so große Liegewiese, einen beheizten Whirlpool? Da muss man schon weit suchen.

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Baden in und an der Würm war immer schon beliebt. Nachweislich angefangen haben damit die alten Römer, die kurz vor Christi Geburt über den Brenner kamen, Germanien eroberten – und in ihren Siedlungen auf den römischen Luxus nicht verzichten wollten. So errichteten sie in Gauting eine 16,5 mal 8,5 Meter große Therme, die 1936 ausgegraben wurde. Möglicherweise wurde das Würmwasser mit einer Deichelleitung in die Therme geleitet, aber sicher ist das nicht. Fest steht: Die Römer konnten dort kalt und warm baden, Sport treiben und gesellig sein – wie das bei Bädern eben ist. Oder in den Worten von Hilpert-Greger: „Ein Bad ist immer auch ein integrierender Faktor.“

Die Münchner bevölkerten ab 1900 die Würm massiv

Jahrhunderte gingen ins Land. Immer wieder wurde das Wasser der Würm genutzt. Sei es vom Bader am Hauptplatz, der bis 1838 den Gautingern die Zähne zog, sie zur Ader ließ, die Haare schnitt, die Wunden versorgte und ja, auch badete. Oder etwas später für die so genannten Badehütten in Stockdorf und in Gauting, die findige Unternehmer für die Einheimischen bauten. Diese standen halb auf dem Land, ragten ein Stück ins Wasser und bildeten quasi eine natürliche Badewanne. Als Gastronomie hinzukam, war der Boom perfekt. Auch Münchner kamen, von Pasing würmaufwärts – aber eher zum freien Baden.

So kommt man an Jahreskarten

Neuausstellungen, Verlängerungen und Änderungen von Jahreskarten sind nur an der Gemeindekasse im Rathaus möglich. Die Gemeinde bittet die Bürger, zu diesem Zweck unter den Telefonnummern (089) 89 33 71 14, -115 und
-118 einen Termin zu vereinbaren. Mittwochs ist keine Terminvereinbarung nötig, bei der Abholung muss daher mit Wartezeiten gerechnet werden. Voraussetzung für die Neuausstellung, aber auch für die Verlängerung von Familienkarten, ist das Stammbuch oder alle Ausweise. Sie sind ins Rathaus mitzubringen. Bei einer Verlängerung ist die alte Saisonkarte vorzulegen.

1926 entstand das erste öffentliche Freibad in Gauting. Karl Doppelhammer errichtete eine ultramoderne Anlage. Doch genau das wurde ihm zum Verhängnis: Die Investition war zu groß, er ging pleite, 1941 übernahm die Gemeinde das Bad. Die Pächter der darauffolgenden Jahre hatten kein Glück, auch, weil die Sommer durchgehend verregnet waren. Es wurde höchste Zeit für ein neues Bad.

Mark Spitz trainierte nicht in Gauting

Treibende Kraft bei dem Vorhaben war Josef Cischeck. Man kann davon ausgehen, dass ihm sein Einsatz für das Gautinger Sommerbad die nötigen Stimmen für das Bürgermeisteramt einbrachten. Die offizielle Eröffnung fand am 25. Juni 1966 statt, unter anderem mit einem lustigen Wettschwimmen in Opas Badekostüm, die Blaskapelle Stockdorf spielte auf, und die Zeitung sprach vom „Kleinod Gautings“. Was damals niemand wusste: Praktisch zeitgleich erhielt München den Zuschlag für die Olympischen Spiele 1972. Das hatte Folgen.

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Denn München alleine konnte das Großereignis nicht schultern und verlegte manches ins Umland. So kam Gauting zu der Ehre, als Trainingsstätte zu dienen, und zwar für Japaner, Franzosen, Dänen, Isländer und Österreicher. Die vorgeschriebenen Bauten wie eine beheizte Umkleide spendierten die Münchner, da hat Gauting ein gutes Geschäft gemacht. So manch junger Bursche holte sich damals Autogramme, etwa Bootsbauer Wolfgang Meiler, der ganz in der Nähe des Bads wohnt und sie alle noch daheim in einem Album hat. Das erzählte er am Rande der Veranstaltung. Lediglich ein Gerücht ist, dass der legendäre Mark Spitz in Gauting trainiert hat. „Die Amerikaner waren im Dantebad“, so Hilpert-Greger.

Schwimmen macht stark: Schatzmeister Franz Jaquet mit dem T-Shirt des Fördervereins.

Ganz so glorreich wie die Vergangenheit schaut die Gegenwart nicht aus, das wurde in der Diskussion deutlich. Von 27 Grad Wassertemperatur, wie sie einst üblich war, können die Besucher heute nur träumen. Im Sommer 2023 bleibt es aus Kostengründen bei kühlen 22 Grad. Ein dringender Wunsch des Vereins besteht darin, die Anschaffung von Jahreskarten zu vereinfachen. Dass man extra ins Rathaus gehen und einen Stammbaum mitbringen muss, schreckt vor allem viele Auswärtige aus Krailling und Neuried ab, die eigentlich gerne kommen.

„Für 2024 sollten wir versuchen, ein neues Kassensystem einzuführen“, sagte Worm-Paradiek. Erfreulich ist hingegen, dass die Mitgliederzahl steigt und steigt. Waren es in der Jahresversammlung Anfang März noch 62, sind es jetzt schon über 100. Diesen Trend findet der neue Vorsitzende gut. „Wir brauchen viele Mitglieder, damit wir gehört werden“, sagte er. „Eine Schließung wäre eine Katastrophe.“

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