Ein Gebäude mit besonderer Geschichte

Der Buchendorfer Wasserturm steht zum Verkauf

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Wie ein Pilz ragt der Wasserturm in die Höhe. Ursprünglich war er hohl. Erst Günther Heinrich machte ihn bewohnbar, indem er mehrere Stockwerke einzog.
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Der ehemalige Wasserturm ist das Wahrzeichen von Buchendorf. Jetzt verkauft ihn Eigentümer Günther Heinrich (92). Er kann die Treppen nicht mehr gehen.

Buchendorf – Wer sich Buchendorf nähert, sieht den ehemaligen Wasserturm schon von Weitem. Wie ein gigantischer Pilz ragt er in die Höhe. Bewohnt ist er schon seit einiger Zeit nicht mehr. Günther Heinrich, der dort viele Jahre lebte, ist inzwischen 92 Jahre alt. So rüstig er für sein Alter auch ist – das ewige Treppauf, Treppab schafft er nicht mehr. „Die Knie“, sagt er. Jetzt will er ihn verkaufen.

Heinrich sanierte den Turm von Grund auf

Einst hat der Starnberger den im Jahr 1902 errichteten Wasserturm auf eigene Faust saniert – und ihm zu überregionaler Berühmtheit verholfen. Zeitungen und Magazine standen Schlange, um zu erfahren, wie ihm die Rettung des maroden Gebäudes gelungen ist und was das für ein Lebensgefühl in einem Turm ist – noch dazu einem runden. Die Artikel hat er in einem Ordner aus Holz aufgehoben, darauf, natürlich, der Wasserturm als Motiv. „Das ist alles in meinem Akt drin“, sagt er mit einem Lächeln.

Der Diplom-Ingenieur kann sich genau erinnern, wie er auf die markante Immobilie aufmerksam wurde. „Ich fahre nicht gerne Autobahn“, erzählt er. Also nahm er den Umweg über Gauting, um vom Starnberger See nach München zu kommen. „Er gefiel mir sofort.“ Irgendwann hörte er im Segelclub in Starnberg, dass die Gemeinde Gauting den Turm verkaufen wollte, weil er nicht mehr gebraucht wurde. 1968 waren neue Leitungen des Wasserversorgungssystems Mühltal-Pasing verlegt worden. Heinrich bewarb sich – und erhielt 1982 für 10 000 Mark den Zuschlag.

Günther Heinrich mit dem Wasserturm als Maßkrug. Er hat einige davon zu Hause. Es ist sein Geschenk für ausgewählte Personen.

Damit halste sich der gebürtige Unterhachinger viel Arbeit auf. Aber das war es ihm wert. „Ich bin ein Tüftler, ich mache so was gerne“, sagt er. Nach Feierabend werkelte er an seinem Turm und verwandelte ihn im Laufe von fünf Jahren in ein extrem originelles Wohnhaus. Zunächst musste der Wasserkessel unter der Kuppel entfernt und zerkleinert werden – angesichts der Baufälligkeit des Turms nicht ganz ungefährlich. Dann wurde die dünne Außenwand stabilisiert. Und schließlich ließ Heinrich in den ursprünglich hohlen Turm fünf Ebenen als Stockwerke einziehen, jedes Stockwerk zwölf Quadratmeter groß, insgesamt also 60. Praktisch jedes Möbelstück im Turm ist eine Maßanfertigung des Eigentümers, schließlich sollte jeder Millimeter genutzt werden.

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Günther Heinrich hat im Landkreis drei Wohnsitze: einen in Percha (wo er mit der Familie lebt), einen in Perchting (dort ist sein Büro) und schließlich Buchendorf. Was er dort besonders liebte, war die Nähe zur Natur und das Gefühl von Freiheit. „Es ist ein bisschen wie Zelten“, sagt er. „Man hat einen Wetterschutz über dem Kopf, aber optisch und akustisch lebt man im Freien.“ Das Vogelgezwitscher, der Ausblick auf die Alpenkette, Wind und Wetter vermitteln ein intensives Lebensgefühl. Und wenn man nachts durch die Fenster schaut, die Heinrich eigenhändig eingebaut hat, sieht man die Sterne flimmern. „Das hat mir immer gefallen. Das werde ich vermissen.“

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Mit dem Verkauf betraut ist die Immobilienmaklerin Helga Funer. Im Internet finden sich die Eckdaten: Kaufpreis 549 000 Euro, Garten vorhanden, zu beziehen ab dem 1. Juni 2023. Dusche ist vorhanden, Einbauküche ebenfalls, der Boden besteht aus Fliesen und Parkett. „Am besten geeignet ist der Turm für einen Solisten oder ein Paar“, sagt Heinrich. Für Familien schon auch, „aber dann dürfen die Ansprüche nicht zu groß sein“.

Heinrichs Kinder lieben den Turm – aber darin wohnen wollen sie nicht. Deshalb hat er beschlossen, ihn zu verkaufen und den Gewinn durch drei zu teilen. „In meinem Alter muss man die Dinge regeln“, sagt er. „Und mitnehmen kann ich meinen Wasserturm leider nicht.“

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