Der Einschlag erschütterte das ganze Würmtal

Gauting gedenkt des Starfighter-Absturzes vor 55 Jahren

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Eine Kerze für Ferdinand Eckert: Stephan Limmer an der Gedenkstelle für den abgestürzten Starfighterpiloten im Königswieser Forst, nahe der Ulrichskapelle.
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Am 17. April 1968 stürzte ein Starfighter bei Königswiesen ab. Daran wird nun mit einer Gedenkveranstaltung im Wald von Königswiesen erinnert.

Gauting – Am 17. April 1968 kurz vor 15 Uhr bebten urplötzlich Gauting und das ganze Würmtal. Stephan Limmer war drei Jahre alt und hielt sich mit seinem Vater, einem Gautinger Polizisten, im Schrebergarten in Stockdorf auf. Kurz nach dem gigantischen Schlag stieg eine schwarze Rauchwolke auf. „Mein Vater musste sofort los“, sagt er. „Er war richtig hektisch.“ Allen war klar: Es ist etwas Schlimmes passiert.

Nach und nach kam die Wahrheit ans Licht. Starfighterpilot Ferdinand Eckert (27) war von Landsberg am Lech aus gestartet und wollte eine Runde drehen. Es ging darum, ob die F-104G nach einer Inspektion wieder funktionierte. Das tat sie nicht. Bei Augsburg verlor Hauptmann Eckert den Funkkontakt, um 14.58 stürzte er aus einer Höhe von gut elf Kilometern mit doppelter Schallgeschwindigkeit in den Wald bei Königswiesen. Nach Augenzeugenberichten kam er wohl aus der Richtung von Oberbrunn. Es versteht sich von selbst, dass weder von Mensch noch Maschine etwas übrig blieb.

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Eine Zeit lang war der Einschlag das beherrschende Thema im Dorf. Man pilgerte an die Einschlagstelle, man stellte ein Kreuz auf, man sammelte Wrackteile. Auch Schauergeschichten kursierten, wonach der Kopf des Unglückspiloten gefunden worden sei – Unsinn. Noch heute finden sich im Umfeld der Absturzstelle Metallteile. „Wenn man hier mit einer Sonde herumgehen würde, würde die permanent ausschlagen“, sagt Limmer.

Der Unterbrunner kam auf das Thema zurück, als er vor vielen Jahren mit der Jugendfeuerwehr die Ulrichskapelle ganz in der Nähe besuchte. „Da habe ich nebenbei den Satz fallen lassen, dass hier ganz in der Nähe ein Starfighter abgestürzt ist.“ Dieser Satz elektrisierte die Jungen. Wo es passierte, ließ sich nicht mehr so ohne Weiteres feststellen, die Einschlagstelle war längst überwuchert. Limmer und seine Schützlinge gaben keine Ruhe, bevor die Stelle nicht identifiziert war. Sie befragten Zeitzeugen, gaben ein Buch heraus– und errichteten am Ort des Unglücks sogar eine Gedenkstelle.

Der Starfighter galt als „Witwenmacher“

Dort findet am Montag, 17. April, anlässlich des 55. Jahrtags eine Gedenkveranstaltung statt. Treffpunkt ist um 14.30 Uhr an der Ulrichskapelle im Königswieser Forst. Die Witwe wird nicht kommen, Kinder aus der Ehe gibt es nicht. „Sie hat nach dem Unglück wieder geheiratet und ein neues Leben angefangen, das ist zu respektieren“, so Limmer. Aus der Bevölkerung ist jedermann eingeladen, der des Piloten gedenken möchte. Ob es stimmt, dass Eckert seinen havarierten Militärjet im Wald hat abstürzen lassen, um Gauting zu verschonen, ist unklar. „Man weiß es nicht, aber es ist durchaus möglich“, so Limmer. Von anderen Starfighterpiloten weiß man, dass sie so gehandelt haben. Wegen ihrer Anfälligkeiten stürzten Ende der 1960er-Jahre einige Starfighter ab, in der Szene trugen sie den Beinamen „Witwenmacher“.

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Nach dem 17. April wird die Gedenkstelle wieder ein Ort der Ruhe und der Kontemplation sein. Es hat sich herumgesprochen, dass hier eine besondere Atmosphäre herrscht. „Immer wenn ich hierherkomme, um die Stelle zu pflegen, sitzt jemand auf der Bank“, erzählt Limmer. In einem Buch kann man notieren, was einen gerade bewegt. Wer darin blättert, findet Sätze wie: „Danke, dass es diesen wichtigen, berührenden Ort gibt.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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