Es war bis jetzt eine freiwillige Leistung des Bauhofs

Gemeinde besteht auf Räumpflicht für Anwohner des Münchner Bergs

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Räumproblem: Jürgen Schulz (l.) und Friedrich Mai sollen den Gehweg am Münchner Berg im Winter räumen. Dabei ist der Fußweg von ihrem Grundstück aus gar nicht zugänglich. Und extrem steil ist der Hang noch dazu.

Die Bewohner am Eremitenweg müssen heuer erstmals den Fußweg am Münchner Berg räumen. Dass dieser hinter einer Leitplanke liegt, spielt keine Rolle.

Gauting – Viele Jahrzehnte haben die Arbeiter des Gautinger Bauhofs die schmalen Gehsteige beidseitig der Staatsstraße am steilen Münchener Berg geräumt. Doch dieser Service gehört der Vergangenheit an. Stephanie Pahl (MiFü) wies am Dienstag im Gautinger Gemeinderat darauf hin, dass den Grundstückseigentümern am Eremitenweg sowie am Leo-Putz-Weg im Mai ein Schreiben der Gemeinde ins Haus geflattert sei: Demnach seien die Anwohner dazu verpflichtet, die Gehwege ab sofort selbst zu räumen. Sie brach eine Lanze für die Anwohner: „Die Bewohner vom Eremitenweg haben eine Hangneigung von 34 Prozent“, sagte sie. Außerdem hätten sie wegen der Gartenzäune und einer Leitplanke „keinen direkten Zugang“. Weil jetzt am Wochenende die ersten Schneeflocken fielen, bitte sie um eine „zeitnahe Lösung“ des Problems.

Die Anwohner müssten einen Umweg gehen

Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger (CSU) bestätigte, dass die Gemeinde einen solchen Brief verschickt habe. Hintergrund sei, dass der Gemeinderat die freiwilligen Leistungen des Bauhofs gestrichen habe. Das heißt: „Der Bauhof kann nicht mehr räumen.“ Die Anwohner am Eremitenweg müssten eben die Leitplanke durchtrennen und ein Gartentörchen in den Zaun setzen. Denn nach der Gautinger Satzung müssten Anwohner den angrenzenden Gehsteig räumen. „Im Falle Eremitenweg müssen wir prüfen“, räumte sie ein. Aber die Anwohner am gegenüberliegenden Leo-Putz-Weg seien in der Pflicht. Geschäftsleiter Dr. Michael Groth ergänzte, dass laut örtlicher Satzung für Grundeigentümer „Reinigungs- und Verkehrssicherungspflicht“ auf dem angrenzenden Gehsteig bestehe – und zwar das ganze Jahr.

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Diese Argumentation leuchtete nicht jedem ein. Dritter Bürgermeister Markus Deschler (FDP) widersprach: „Wenn es wie beim Eremitenweg aus betrieblichen Gründen keinen Zugang gibt, kann die Gemeinde ihre Satzung auch nicht anwenden“, sagte er. Das sah die Bürgermeisterin anders. Die Grundeigentümer aus dem Eremitenweg könnten auch außen herum über den steilen Gehweg neben der Münchener Straße gehen, um zu räumen, erklärte sie in der Sitzung. „Das tut zwar weh, aber der Gemeinderat hat die Einsparungen der freiwilligen Leistungen so beschlossen.“

Wie Jürgen Schulz (83), Anwohner am Eremitenweg, dem Starnberger Merkur mitteilte, hat der Gautinger Bauhof am Mittwoch damit angefangen, die Leitplanken zu demontieren. Diese seien in den 1970er-Jahren nach drei schweren Unfällen installiert worden. In einem Fall sei auf der oberhalb liegenden Staatsstraße ein Auto ins Schleudern geraten und direkt vor der Wohnzimmerscheibe seines Nachbarn gelandet. Eine weitere Anwohnerin, Kasta Schulz (79), ist der Meinung, dass der Aufwand unzumutbar ist. „Unser Grundstück ist zu steil, selbst wenn ein Türchen hinkommt“, sagt sie. „Wir kommen da nicht hoch.“ Der Umweg würde 400 Meter betragen.

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Am Donnerstag wurde die Demontage kurzfristig wieder gestoppt, und zwar nach einem Veto des Staatlichen Bauamts Weilheim. „Gegen den Abbau hatte Gebietsinspektor Jacob Eberle Einwände“, teilt der Sprecher der Behörde Michael Meister mit. „Anschließend gab es eine Besprechung mit Vertretern der Gemeinde“, so Meister weiter. Doch „eine abschließende Entscheidung liegt noch nicht vor.“ Bis dahin wird die noch vorhandene Schutzplanke stehen bleiben.

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