Für die Bauherrn wird ein Traum wahr

Das Hanichlhaus von Stockdorf

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Glückliche Bauherrn: Helmut Mayer und seine Frau Ulrike Mayer-Tancic verbringen viel Zeit auf der Baustelle. Die diagonal angeordneten Fichtenstämme machen aus dem Haus optisch etwas ganz Besonderes.
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Hanichl nennt man die Stämme von jungen Fichten. Bei einem neuen Haus in Stockdorf spielen sie eine wichtige Rolle. Es dürfte bayernweit einmalig sein.

Stockdorf – Am Mitterweg in Stockdorf, nur wenige Meter vom Harmsplatz entfernt, entsteht gerade ein ziemlich ungewöhnliches Haus. Kaum ein Passant geht vorbei, ohne den lang gestreckten Bau genauer zu inspizieren, der so gar nichts mit einem Betonhaus der alten Machart zu tun hat. „Es ist schon ein Hingucker“, sagt Ulrike Mayer-Tancic, die sich hier gemeinsam mit ihrem Mann Helmut Mayer ihren Lebenstraum erfüllt.

Was besonders ins Auge fällt, ist die Fassade. Sie besteht aus sogenannten Hanichln. Das sind die Stämme von jungen Fichten, die bei der Waldwirtschaft anfallen und im Normalfall liegen gelassen oder höchstens zu einem Staketenzaun verarbeitet werden. Helmut Mayer hatte eine bessere Idee: Er brachte sie aus seiner Regensburger Heimat, wo die Familie etwas Wald besitzt, mit an die Würm, schälte sie eigenhändig ab und ordnete sie diagonal an. „Ich finde es eine Augenweide“, schwärmt seine Frau.

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Mayer, gelernter Architekt und Mitarbeiter im Kraillinger Bauamt, hat also ein scheinbares Abfallprodukt veredelt. Um die Wirkung noch zu erhöhen, hat er die Hanichl im „goldenen Winkel“ angeordnet, der, analog zum „goldenen Schnitt“, für das Auge besonders angenehm ist. Er liegt bei 32 Grad. Als er vor einigen Wochen die ersten Quadratmeter auf die Fassade platzierte, war er noch skeptisch. „Da schien mir das Ganze zu unregelmäßig.“ Aber das Gegenteil ist der Fall, vor allem von der Straße aus mutet das Ganze fast wie ein Kunstwerk an. Und ein Unikat ist das Hanichlhaus auch noch, wahrscheinlich in ganz Bayern. „Nur in Norwegen habe ich einmal bei einer norwegischen Sauna etwas Ähnliches gesehen“, so der 63-Jährige.

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Doch das ist nicht das Einzige, was das Haus so ungewöhnlich macht. Während viele älter werdende Mitbürger in ihren Häusern so lange wie irgend möglich bleiben, verkleinert sich das Ehepaar ganz bewusst. „Dann muss man auch viel weniger putzen“, sagt die Bauherrin. Aktuell lebt das Paar auf 95 Quadratmetern zur Miete, nach dem Einzug werden es nur noch 69 sein. Dass sich das sogar unterhalb der üblichen Sozialstandards bewegt, stört die beiden nicht. „Ich habe keine großen Ansprüche und kann mich auch von vielem trennen“, so die passionierte Marathonläuferin. Hinzu kommt, dass ihre Mietwohnung im dritten Stock liegt. Das stellt zwar aktuell kein Problem dar. „Aber man weiß ja nie, was passiert.“ In das Untergeschoss (50 Quadratmeter) zieht eine der Töchter ein. Um ein Mehrgenerationenprojekt handelt es sich also auch noch.

Unser neues Reich: Das Paar begnügt sich mit knapp 70 Quadratmetern. Einen Flur wird es nicht geben. Wer reinkommt, steht mitten im Wohnzimmer.

Der Trick am Hanichlhaus vom Mitterweg ist der, dass die Fläche optimal genutzt wird. So gibt es keinen Raumfresser wie einen Flur. „Man kommt rein und steht mehr oder weniger im Wohnzimmer, wie in amerikanischen Häusern“, so Mayer. Das Erdgeschoss teilt sich in zwei Bereiche auf: Auf der einen Seite das Schlafzimmer mit Dusche sowie ein geräumiges Wohnzimmer mit Küche. „Ein schöner, großer Raum, das war die einzige Bedingung, die ich gestellt habe“, sagt die Ehefrau, die an der Baustelle kräftig mit anpackt.

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Die beiden Neu-Stockdorfer lassen andere gerne an dem Projekt teilhaben. Wer sich das Haus anschauen möchte, soll vorbeikommen. Auch Bürgermeister Rudolph Haux hat angekündigt, es dem Kraillinger Gemeinderat nach der Fertigstellung zu demonstrieren, als ein Beispiel für gelungene Nachverdichtung.

Und die Hanichl? Überlässt Helmut Mayer der Natur. „Ich werde den Teufel tun und sie irgendwie mit Chemie behandeln“, sagt er. Das sei auch gar nicht nötig, das Holz werde seinen eigenen Wetterschutz entwickeln. Die Folge dürfte sein, dass die Fassade im Lauf der kommenden Jahre ihre Farbe etwas verändert, mit Tendenz ins Grau-Silberne. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen: Das Stockdorfer Hanichlhaus wird noch einige Bewunderer finden.

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