VonVolker Ufertingerschließen
Am Dienstag wurde dem Gemeinderat Bericht über den Sachstand bei der Geothermie erstattet. Auch der von Bürgern gewünschte Zeitplan lag nun vor.
Gauting – Fließt in den Tiefen des Unterbrunner Holzes Wasser – so viel und so heiß, dass davon ganz Gauting nach und nach mit Erdwärme versorgt werden kann? Dr. Bernd Schulte-Middelich, Geschäftsführer der Asto-Gruppe, ist extrem optimistisch. „Wir investieren in die Bohrungen 25 Millionen Euro. Sie können sicher sein, dass wir das nicht leichtfertig tun“, sagte er am Dienstag im Gemeinderat. Der Zeitplan sei akkurat abgestimmt. „Ich gehe davon aus, dass ab der Heizperiode 2025 Lieferbereitschaft ab Bohrloch besteht.“ Der Unternehmer lobte die Kooperation mit den Behörden, die das Projekt so sehr beschleunigten, wie es in ihrer Macht stehe. „Man merkt, da geht was voran.“
Die vielen Zuhörer bei der Sitzung erwarteten mit Spannung, wie weit die Planungen der Gemeinde für den Ausbau des Wärmenetzes sind. Standortförderer Dr. Fabian Kühnel-Widmann berichtete, dass die Gemeinde zusammen mit KWA Contracting, einem Tochterunternehmen der Stadtwerke Schwäbisch Hall, im März dieses Jahres das Unternehmen Geothermie Gauting gegründet habe. Bislang lägen 200 Interessensbekundungen vor, vor allem aus dem Westen der Gemeinde. „Das kommt uns entgegen“, sagte er. Schließlich liegt auch das Bohrloch im Westen.
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Im Laufe der nächsten Jahre werde ganz Gauting erschlossen, schwerpunktmäßig in der Reihenfolge, in der sich Interessenten meldeten. „Das wird sich im Lauf der Zeit immer weiter konkretisieren.“ Die Gemeinde selbst werde die Vorreiterrolle bei der Nutzung einnehmen, sämtliche ihrer Liegenschaften sollen über kurz oder lang mit Erdwärme versorgt werden, vom Handwerkerhof über das Rathaus bis zum Sommerbad. „Ich gehe davon aus, dass die erste Wärmelieferung an die Kunden im zweiten Quartal 2026 erfolgen kann.“ Das „Nadelöhr“ bilde die S-Bahn, unter der man durchmüsse.
Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger warnte davor, den vorgelegten Zeitplan für verbindlich zu nehmen. So könne niemand sicherstellen, ob in den nächsten Jahren genügend Fachkräfte vorhanden seien und ob eventuell Lieferschwierigkeiten aufträten. „Das wissen wir alles nicht.“ Jetzt schon mit dem Bau des Netzes anzufangen, ohne zu wissen, ob wirklich genügend heißes Wasser gefunden werde, sei nicht vertretbar. „Das kann sich Gauting nicht leisten.“
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Stephanie Pahl (MiFü) wollte wissen, was die Bürger, die Interesse an Erdwärme haben, jetzt tun können. „Wie sollen sie vorgehen?“, fragte sie. Kühnel-Widmann erwiderte, dass jeder Interessent aufgerufen ist, sich bei der Gemeinde zu melden, am besten per Mail an post.geothermie@gauting.de. „Das hilft uns bei der Planung.“ Daraus ergäben sich für die Bürger keine Verpflichtungen. Wer sich früher melde, komme nicht zwingend als Erster an die Reihe. „Das ist kein Windhundrennen.“
Matthias Ilg (Grüne) wunderte sich darüber, dass Unterbrunn bei den Planungen noch nicht berücksichtigt sei, obwohl das Bohrloch nicht weit entfernt sei. „Wie erklärt sich das?“, fragte er. Schulte-Middelich sagte, dass es aktuell noch mehrere Trassenpläne für die Verbindung von der Bohrstelle nach Gauting gebe. „Aber wenn sich genügend Interessenten aus Unterbrunn melden, werden wir sehen, was möglich ist“, sicherte er zu. „Ich bin Kaufmann und will ja, dass unser Produkt zum Kunden kommt.“
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Heiko Braun (Grüne) ging das Ganze nicht schnell genug. „Wenn nächstes Jahr gebohrt wird, warum kann dann erst 2025 geliefert werden?“, fragte er. „Warum dauert das so lange?“ Dafür gibt es einfache Erklärung: Das Wasser muss erst noch in einem Testbecken langwierigen Untersuchungen unterzogen werden, die Schulte-Middelich für sinnvoll erklärte. „Es ist wichtig, dass wir alle Vorschriften einhalten.“ Auch in diesem Punkt zeigte er sich zuversichtlich. „Es handelt sich um Thermalwasser, wie es etwa in der Therme Erding verwendet werde. „Da dürfte es keine Probleme geben.“ Der Geschäftsmann appellierte an die Bürger, nicht ungeduldig zu werden. „Niemand sollte jetzt einen Ölkessel kaufen, weil er denkt, zu mir kommt das eh nicht.“ Es gebe praktikable Interimslösungen.
Jens Rindermann (Grüne) zeigte sich hocherfreut darüber, dass jetzt so etwas wie ein Fahrplan vorliegt. „Es gibt jetzt für die Bürger einen Zeithorizont, das ist enorm wichtig“, sagte er. „Wenn das Ding mal da ist, wird eine Riesendynamik reinkommen, das hat man in Pullach gesehen.“ Sein Fazit des Abends: „Das war jetzt ein großer Schritt.“
