Sonderflughafen Oberpfaffenhofen

Gautinger Gemeinderat lehnt Einstein als Namenspatron für neue Straße ab

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Am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen siedeln sich immer mehr Firmen an. Sie brauchen eine eigene Adresse - und nicht mehr die bisher gültige Sammeladresse.
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Der Gemeinderat hat es abgelehnt, eine neue Straße am Sonderflughafen nach Albert Einstein zu benennen. Lieber wäre dem Gremium eine Frau.

Gauting – Der Sonderflughafen Oberpfaffenhofen hat, postalisch betracht, eine Besonderheit: Es gibt nur eine Adresse. Sämtliche Firmen findet man unter Dornierstraße 1 in 82234 Weßling. Dabei handelt es sich um die Adresse der alten Pforte, nur die Gebäudenummern sind verschieden, die des Gautinger Start-up-Unternehmen Lilium etwa ist die 335. Rein formal liegen sämtliche Firmen also auf Weßlinger Flur – auch wenn sie zu Gilching oder Gauting gehören.

Diese Besonderheit hat sich allmählich überholt. „Wir haben inzwischen eine Vielzahl von Unternehmen, das ist ein gutes Zeichen für die Entwicklung des Flughafens“, erklärt Prof. Christian Juckenack, Sprecher des Eigentümers Bewo. Aus diesem Grund ist die Bewo an die drei Gemeinden, auf deren Gebiet der Flughafen liegt, mit der Bitte herangetreten, Straßen zu benennen. Luftfahrtaffine Vorschläge wurden gleich mitgeliefert. Für Gauting Albert Einstein (1879 - 1955), der die Physik mit seiner Relativitätstheorie revolutionierte.

Albert Einstein, Entwickler der Relativitätstheorie.

Der Gautinger Gemeinderat hat sich am Dienstag mit dem Thema befasst. Genau genommen, ging es um zwei Straßen. Keinen Grund zur Beanstandung gab die Galileostraße direkt hinter dem Flughafenzaun, die bereits so heißt und in Richtung Süden verlängert werden soll. Kontrovers diskutiert wurde hingegen Albert Einstein. Die nach ihm benannte Straße soll von der Galileostraße nach Westen abzweigen. Annette Derksen (Grüne) brachte die Idee ins Spiel, eine Wissenschaftlerin zu würdigen.

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„Es gibt auch viele Frauen, die in diesem Bereich Großes geleistet haben“, sagte sie. Namentlich nannte sie die österreichische Kernphysikerin Lise Meitner (1878 - 1968), die britische Mathematikerin Ada Lovelace (1815 - 1852) und die amerikanische Physikerin und Nobelpreisträgerin Maria Goeppert-Mayer (1906 - 1972). Das Gegenargument der CSU, dass die genannten Frauen mit der Luftfahrt nicht viel zu tun hätten, konterte Dr. Matthias Ilg (Grüne): „Das sehe ich auch bei Albert Einstein nicht.“ Am Ende lautete das Abstimmungsergebnis 12:12, es fand sich also keine Mehrheit pro Einstein. Nun wollen die Grünen eine Alternative erarbeiten. Die Bewo hätte kein Problem mit einer Frau. „Wichtig ist für uns, dass es praktikabel ist“, sagt Juckenack im Gespräch mit dem Starnberger Merkur.

Lise Meitner, Entdeckerin der Kernspaltung.

Die Gemeinde Gauting ist die erste, die sich der Materie angenommen hat. Demnächst wird der Tagesordnungspunkt auch in Weßling verhandelt. Wieder wird es dabei um die Einstein- oder eher Nicht-Einsteinstraße gehen. Denn: Der besagte Straßenzug geht von Gautinger in Weßlinger Flur über. Lässt sich der neue Name einfach übernehmen? Nein, das geht aus verwaltungstechnischen Gründen offenbar nicht. „Uns ist gesagt worden, dass die Straßennamen an der Ortsgrenze wechseln müssen“, sagt Bürgermeister Michael Sturm. „Denn wenn der Name der gleiche bleibt, sich aber die Postleitzahl ändert, wäre die Verwirrung komplett.“

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Gleiches gilt für Gilching. Dort wird der Vorschlag diskutiert, eine Junkersstraße aus der Taufe zu heben, benannt nach Luftfahrtpionier Hugo Junkers (1859 - 1935). Angedacht ist laut Bürgermeister Manfred Walter außerdem, eine weitere Straße nach der populären deutschen Kunstfliegerin Elly Beinhorn (1907 - 2007) zu benennen. Das ist jedenfalls der Wunsch der Bewo. Immerhin – es wäre eine Frau.

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