Die geniale Konstrukteur starb in Gauting

Metall statt Holz: So revolutionierte Hugo Junkers die Luftfahrt

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Wendepunkt der Luftfahrtgeschichte: Als sich die J1 im Jahr 1915 auf einem Flughafen bei Berlin mehrere Meter in die Luft erhob, war klar: Metall kann fliegen. Den Beweis hatte Hugo Junkers erbracht.
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Hugo Junkers hat Anfang des 20. Jahrhunderts die Luftfahrt revolutioniert. Was viele nicht wissen: Der geniale Konstrukteur starb in Gauting.

Gauting – Als es im Juni darum ging, für die neue Straße am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen einen Namenspatron zu finden, fiel in der Debatte sehr bald der Name Hugo Junkers. Das wäre in der Tat eine Option gewesen, wenn es nicht schon eine Straße dieses Namens gäbe, nämlich in der Villenkolonie. Am Ende fiel die Wahl auf die Physikerin Lise Meitner, doch die Episode zeigt: Es ist nicht in Vergessenheit geraten, dass der geniale Konstrukteur eng mit Gauting verbunden ist. Er verbrachte sein Lebensende in der Villa an der Germeringer Straße 30, dort, wo heute das Institut für Jugendarbeit des Bayerischen Jugendrings untergebracht ist. Damals lautete die Postadresse noch Hindenburgstraße 18.

Junkers blieben nur zwei Tage in Gauting

Genau genommen, kam Junkers nur zum Sterben in die Würmtalgemeinde. Seine Anwesenheit ist gerade einmal für zwei Tage verbürgt. „Am 1. Februar 1935 ist er offiziell zugezogen, am 3. Februar 1935, seinem 76. Geburtstag, starb er hier“, erklärt Regine Hilpert-Greger, Archivarin der Gemeinde. Das ergibt sich aus den Akten Sehr viel länger kann er sich auch inoffiziell nicht in Gauting aufgehalten haben, denn auch seine Frau Therese hatte sich erst am 17. Dezember des Vorjahres angemeldet. Die jüngsten drei der insgesamt zwölf Kinder wohnten mit in der Villa. Sie waren zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig.

Hugo Junkers, geboren 1859 in Rheydt (heute ein Ortsteil von Mönchengladbach), geht bereits auf die 50 zu, als er sich dem Flugzeugbau zuwendet. Zuvor hatte er er sich einen Namen als Ingenieur gemacht, unter anderem entwickelte er Haushaltsgeräte, etwa die Junkers-Thermen, ein weltweiter Exportschlager zur Warmwasserbereitung. Jetzt wollte der Professor an der Technischen Hochschule Aachen der Welt beweisen, dass man entgegen der landläufigen Meinung Metall zum Fliegen bringen kann. Tatsächlich bestanden Flugzeuge bis dahin aus Holz, zusammengehalten von Drahtseilen. Weil die dünnen Flügel kaum Auftrieb produzierten, wurden Doppel- und Dreifachdecker konstruiert. Ein effektiver, komfortabler Luftverkehr war damit nicht möglich.

Das erste Junkers-Flugzeug war aus Eisen

Den Beweis für seine These trat der geniale Erfinder 1915 an: Die J 1, bestehend aus Eisen, hob am 12. Dezember am Flugplatz Döberitz bei Berlin ab. Sie schaffte es zwar nur für wenige Sekunden und nur bis zur Höhe des Hallendachs. Dann musste sie ziemlich unsanft landen, worüber Junkers sich ärgerte. Doch die Zeugen des Ereignisses jubelten, und das mit Recht: Dieser Tag markierte einen Wendepunkt in der Luftfahrtgeschichte - und den Start von Junkers‘s Weltkarriere.

Der große Wurf gelang dem Forscher und Unternehmer dann mit der F 13 im Jahr 1919. Es handelt sich um das ersten Ganzmetall-Verkehrsflugzeug der Welt und bestand aus Aluminium-Wellblech. Es bot bereits einen beachtlichen Komfort, die Kabine war mit Heizung und Deckenbeleuchtung ausgestattet. Nicht umsonst sprach man von einer „Luftlimousine“. Damit hatte sich Junkers eine Art Weltmonopol gesichert: Seine Fabrikate flogen nicht nur wesentlich sparsamer, ihre Lebensdauer war auch erheblich höher als die von Holzflugzeugen. Wer eine F13 sehen will: Das Deutsche Museum in München, dem Junkers ohnehin sehr verbunden war, besitzt ein Exemplar, man kann es auf der Museumsinsel in Augenschein nehmen kann.

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Das Jahr 1927 kann mit Recht als das erfolgreichste Jahr angesehen werden: Seine Flugzeuge hielten 33 Weltrekorde, unter anderem den Dauerflugweltrekord mit 62 Stunden. Berühmt wurde insbesondere die W33 mit dem Namen „Bremen“. 1928 gelang es erstmals, mit diesem stabilen Gefährt den Nordatlantik in Ost-West-Richtung zu überqueren. Der Flug dauerte gute 36 Stunden, am Zielort New York feierten die begeisterten Amerikaner mit den Piloten Hermann Köhl, James Fitzmaurice und Günther von Hünfeld eine große Konfettiparade.

Hugo Junkers, Ingenieur, Unternehmer und Flugzeugkonstrukteur .

Mit der auch heute noch bekannten JU 52 schuf Junkers Anfang der 1930er Jahre einen Flugzeugtyp, der zum Standardmodell avancierte, sowohl für Passagiere als auch für Fracht. „Tante JU“, wie sie auch genannt wurde, galt als besonders robust und zuverlässig. Mehr als 400 Exemplare wurden bis 1939 an in- und ausländische Verkehrsgesellschaften geliefert, darunter die Lufthansa. „Die JU 52 stellt den Endpunkt der Flugzeugentwicklung dar, die mit der F13 begonnen hatte“, schreibt Hans Holzer, langjähriger Kurator des Deutschen Museums, in einem Artikel, der 2009 im Magazin „Kultur und Technik“ erschienen ist – zum 150. Geburtstag des Luftfahrtpioniers. Übrigens: Auch die JU 52 ist auf der Münchner Museumsinsel zu sehen.

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Den Nationalsozialisten, die 1933 an die Macht kamen, war Junkers wegen seiner liberalen Einstellung ein Dorn im Auge. „Junkers ist Pazifist. Er ist Demokrat. Er hat stets zu den Marxisten gehalten“, schreibt „Reichskommissar für Luftfahrt“ Hermann Göring, der qua Amt für die Aufrüstung von Nazi-Deutschland zuständig war und deshalb begehrliche Blicke auf dessen Werke in Dessau warf.

Seinen Lebensabend sollte Hugo Junkers in der Villa an der heutigen Germeringer Straße verbringen. Doch schon nach wenigen Tagen starb er dort.

Außerdem weigerte sich der Ingenieur, seine vielen Patente freiwillig und ohne finanzielle Gegenleistung abzutreten. Daraufhin wurde Junkers aus seinem Unternehmen gedrängt, erhielt Haus- und Stadtverbot und musste Dessau verlassen. Unter Bedingungen, die einem Hausarrest ähnelten, lebte er eine Zeitlang in Bayrischzell – und schließlich für zwei Tage in Gauting. Beerdigt ist geniale Erfinder auf dem Münchner Waldfriedhof.

Mit dem Haus an der Germeringer Straße 30 hat es eine besondere Bewandtnis. Es handelt sich um eine der einst beliebten Doppelvillen, im Jahr 1923 errichtet von Bernhard Borst, bekannt als Schöpfer der Münchner Wohnsiedlung „Borstei“. Der Auftraggeber scheint ein Oberregierungsrat gewesen zu sein, der nie in dem Prachtbau gewohnt hat, aber Genaues weiß man nicht. Klaus Junkers, die rechte Hand seines Vaters, entdeckte das Haus 1933, erwarb es und ließ die beiden Trakte zu einem großen Haus verbinden. Dass ihm nach einer schweren Operation nur wenig Zeit bleiben würde, war da nicht abzusehen.

Nach Kriegsende besetzten die Amerikaner die mondäne Villa, Therese Junkers ging zurück nach Bayrischzell. Als sie 1950 bei einem Autounfall ums Leben kam, fiel das Erbe an die zwölf Kinder. Ein Testamentsvollstrecker verkaufte das Anwesen 1952 an den Freistaat für 350 000 Mark. Von Anfang an wurde dort Jugendarbeit betrieben, erst von der Unesco – und jetzt vom Bayerischen Jugendring.

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