Investitionen in Millionenhöhe sind nötig

Gautinger Sommerbad steht erneut auf dem Prüfstand

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Ein teurer Spaß: Das Gautinger Sommerbad hat im vergangenen Jahr ein Minus von gut 200 000 Euro gemacht. Nächstes Jahr stehen Investitionen von 500 000 Euro an. Und wenn das Bad für die nächsten 20 Jahre ertüchtigt werden soll, braucht es noch viel mehr Geld.
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Wie geht es weiter mit dem Sommerbad? Fest steht: Wenn die Gemeinde das Bad erhalten will, kostet das vier Millionen Euro - mindestens.

Gauting – Ein Bad zu betreiben, ist eine der berühmten „freiwilligen Leistungen“ einer Gemeinde. Das heißt: Die Kommune kann, sie muss aber nicht. Das Sommerbad in Gauting ist so eine freiwillige Leistung. Wenn die Gemeinde das Bad an der Würm den Bürgern mittelfristig – also für die nächsten 20 Jahre – weiter anbieten will, muss sie richtig investieren. Experte Dirk Hartisch von der Firma Moeller und Meyer sprach am Dienstag im Gemeinderat von insgesamt 12,4 Millionen Euro, die nötig seien. Die gute Nachricht: Die Förderungen sind derzeit hoch. „Einen derartigen Hebel gab es noch nie“, sagte er. Im günstigsten Fall bleibt für die Gemeinde ein Betrag von etwa vier Millionen Euro übrig.

Das hat auch damit zu tun, dass seit dem Jahr 2017 die Baukosten um 67 Prozent gestiegen sind. „Davor können wir nicht die Augen verschließen“, sagte Hartisch. Die Alternative lautet: nichts oder nur das Nötigste reparieren. Das hätte zur Folge, dass irgendwann das Bad zugemacht werden müsse. „Die Ausfallwahrscheinlichkeit steigt mit jedem Jahr“, sagte Christian Ruhdorfer vom Bauamt der Gemeinde. „Dann ist eben eines Tages plötzlich zu.“

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Schon jetzt stehen massive Kosten ins Haus, wenn das Bad im nächsten Frühjahr wieder öffnen soll. „Ich gehe von einer Investitionssumme von 500 000 Euro aus“, sagte Ruhdorfer. Dringender Handlungsbedarf besteht insbesondere an den Filteranlagen, dem undichten Flachdach (das mit einer PV-Anlage bestückt werden soll) sowie einem neuen Kassensystem. Allein letzteres kostet aktuell 150 000 Euro – eine Summe, die den Gemeinderäten den Atem stocken ließ. „Es ist unvorstellbar, wie die Hersteller derzeit hinlangen“, sagte Hartisch. Die Gemeinde wird aber wohl kaum darum herumkommen, denn das alte Kassensystem funktioniert nicht mehr.

Daniel Gryzik von EEP Consulting riet der Gemeinde von einer energetischen Sanierung der Gebäudehülle ab. „Das macht keinen Sinn, der Ertrag wäre zu gering.“ Er plädierte dagegen für die Stilllegung des Heißwasserbeckens, das so viel Energie frisst wie der Rest des Bades. Das aber dürfte unpopulär sein, die allermeisten Kinder (in diesem Jahr waren es 990) lernen dort das Schwimmen. „Wir brauchen auch ein Attraktivitätsmerkmal“, so Ruhdorfer.

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Die Bilanz der Sommerbads lautet heuer wie folgt: Insgesamt wurden 58 234 Besucher gezählt, im Jahr davor waren es 53 448. An zehn Tagen waren es mehr als 1000 Besucher, an 38 mehr 500 Besucher, an 62 Tagen unter 500. Die Nutzer waren nicht nur Privatpersonen, die sich ein paar schöne Stunden machen wollten, sondern auch die Kindergärten, die Schulen, die Schwimmschule des GSC, die Schwimmschule Pilz, die Tauchschule Seaworld sowie das EKP Stockdorf. Die Einnahmen beliefen sich auf 195 013 Euro, die Ausgaben auf 402 963. Das Defizit für das vergangene Jahr beträgt somit rund 207 000 Euro.

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