VonVolker Ufertingerschließen
Die Gemeinde bleibt dabei: Die Schutzplanke am Münchner Berg soll weg, damit die Anwohner vom Eremitenweg den Fußweg räumen können. Die Polizei ist entsetzt.
Gauting – Wer von München her Richtung Gauting fährt, kommt irgendwann an den Münchner Berg. Er ist kurvig und weist eine Steigung von acht Prozent auf. Rechter Hand, Richtung Eremitenweg, wird der Hang noch einmal deutlich steiler. Für Autofahrer bildet dies eine nicht zu unterschätzende Gefahrenstelle, weshalb das Staatliche Bauamt Weilheim – die Münchner Straße ist eine Staatsstraße – vor vielen Jahren dort eine Leitplanke installiert hat. Wann genau und warum hinter und nicht vor dem Fußweg: Das lässt sich nicht ermitteln.
All dies bildet den Hintergrund zu der Debatte, die derzeit geführt wird. Vor einiger Zeit hat der Gautinger Gemeinderat nämlich beschlossen, wegen der knappen Kassen die freiwilligen Leistungen des Bauhofs zu streichen – darunter die Räumung der Fußwege. Das sollen von nun, wie anderswo auch, die Bürger selbst erledigen. Nun bildet der Münchner Berg durch seine Hanglage aber einen Sonderfall: Für Anwohner des Eremitenwegs ist der Fußweg, für den sie zuständig sind, nicht zugänglich, weil ein Gartenzaun und eben die Leitplanke im Weg sind. Sie müssten einen Umweg von 400 Metern nehmen. Um das Hindernis für die Räumpflicht zu beseitigen, hat der Bauhof vergangen Woche angefangen, die Planke zu demontieren – wogegen Jacob Eberle, im Staatlichen Bauamt Weilheim Gebietsinspektor für den Landkreis Starnberg, Einspruch erhoben hat.
Lesen Sie auch: Eremitenweg: Gemeinde besteht auf Räumpflicht
Bei einem Termin am Dienstag am Bauhof hat Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger die Argumentation der Gemeinde untermauert: „Wir können bei der Räumpflicht keine Ausnahmen machen.“ Dass diese freiwillige Leistung wegfalle, sei den Bürgern schon im Frühjahr mitgeteilt worden. „Da ist genügend Zeit geblieben, um für diesen Fall vorzusorgen, etwa, indem man gemeinsam eine Firma beauftragt.“ Um den Bürgern am Eremitenweg ein Stück weit entgegenzukommen, werde der Bauhof die Planke, die übrigens auf Gemeindegrund stehe, zumindest teilweise demontieren. „Dann brauchen die Anwohner in ihre Gartenzäune nur noch ein Tür einsetzen, dann ist der Fußweg erreichbar.“ Zudem habe sich bei der Inspektion durch den Bauhof gezeigt, dass die Schutzplanke schon ziemlich in die Jahre gekommen sei und ihre Funktion nicht mehr erfülle.
Lesen Sie auch: Einzigartig in Bayern: Das Hanichlhaus in Stockdorf
Beim Staatlichen Bauamt sieht man das nach wie vor anders. Seit einer Besprechung zwischen Gemeinde und Bauamt am Freitag habe sich kein neuer Sachstand ergeben. „Eine abschließende Entscheidung liegt noch nicht vor, bis dahin bleibt die Schutzplanke stehen“, teilte Behördensprecher Michael Meister am Mittwoch mit.
Der Leiter der Gautinger Polizeiinspektion Andreas Ruch findet: „Die Planke hat absolut ihre Berechtigung.“ Gerade jetzt, wo der Winter bevorsteht, brauche man keine neue Gefahrenstelle in Hanglage. Die Erfahrung lehre, dass gerade da, wo scheinbar sichere Zustände geändert werden, sich Unglücksfälle ereignen. Die Argumentation, dass es wichtiger sei, den Bürgern die Räumpflicht zu ermöglichen, „erschließt sich mir nicht“. Dann müsse man den Bürgern eben zumuten, außenrum zu gehen. Wenn die Schutzplanke nur teilweise entfernt werde, ändere das wenig: „Entweder sie ist als Ganzes da oder eben nicht.“
Starnberg-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser Starnberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Starnberg. Melden Sie sich hier an.
