VonAndreas Steppanschließen
Nach dem Wintereinbruch im Karwendel waren Wanderer von einer Lawine verschüttet worden, andere saßen in Berghütten fest. Die Einsätze von Polizei und Bergrettung sind nun beendet.
Hinterriß – Die Bergrettung Achenkirch hat am Donnerstag (19. September) den Wanderer, der am Samstag nahe der Binsalm von einer Lawine verschüttet wurde, tot geborgen. Das teilt Sandro Huber, Obmann der Bergrettung Achenkirch auf Anfrage des Tölzer Kurier mit. Zuvor war die Suche nach dem Mann wegen der prekären Wetterverhältnisse und der Eigengefährdung, die ein Einsatz für die Retter bedeutet hätte, seit Samstagnachmittag unterbrochen.
Bergrettung nimmt Suche nach Lawinenopfer wieder auf
Huber zufolge wurde die Suche nach dem Mann am Donnerstagmorgen um 7 Uhr wiederaufgenommen. „Nach kurzer Zeit hatten wir einen Fund.“ Der Körper des 72-jährigen Mannes sei mittlerweile wieder teilweise an der Oberfläche sichtbar gewesen. Mitglieder der Bergrettung hätten ihn dann vollständig ausgegraben. Der Körper sei anschließend per Hubschrauber geborgen worden.
Die Lawine war am Samstag im Gemeindegebiet Vomp (Bezirk Schwaz) auf dem Sommerweg zwischen dem Gasthof Eng und dem Niederleger der Binsalm auf rund 1500 Meter Höhe abgegangen. Dort war eine rund 30-köpfige Wandergruppe auf dem Abstieg von der Binsalm in die Eng unterwegs. Die Lawine riss einen 72-Jährigen rund 100 bis 150 Meter über steiles, felsdurchsetztes Gelände in die Tiefe und verschüttete ihn. Zwei weitere Wanderer wurden teilverschüttet, konnten sich aber selbst befreien.
Hubschrauber-Evakuierung von Tölzer Hütte abgesagt
Abgeschlossen sind derweil auch die anderen Einsätze in Folge des frühen Wintereinbruchs des vergangenen Wochenendes. Die zunächst angekündigte Evakuierung per Hubschrauber von zehn Bergwanderern, die auf der Tölzer Hütte am Schafreiter festsaßen, sagte das Land Tirol allerdings kurzfristig ab. Letztlich organisierten die Hüttenwirte und Mitglieder der DAV-Sektion Tölz, der die Hütte gehört, dass die Gäste am Dienstag sicher ins Tal gebracht wurden.
Diskussionen hatte zuvor ausgelöst, dass die Tiroler Polizei am Sonntag zehn Wanderer aus Deutschland und den Niederlanden von der Lamsenhütte auf Kosten des Landes Tirol per Helikopter evakuierte. Die Polizei hatte die Aktion mit „Gefahr in Verzug“ begründet.
Bergwacht: Beurteilung der Gefahrenlage ist entscheidend
Wann aber ist es wirklich angezeigt, Menschen auf Kosten der Allgemeinheit von verschneiten Berghütten auszufliegen? „Das kann man so pauschal nicht beantworten“, sagt auf Anfrage Georg Aininger, Pressesprecher der Lenggrieser Bergwacht und Einsatzleiter nach dem Lawinenunglück an der Binsalm. Es hänge von verschiedenen Faktoren ab. „Unsere Aufgabe ist es, Menschen in Sicherheit zu bringen. Und bei der Beurteilung kann es sehr wohl eine Rolle spielen, ob die große Gefahrenlage über viele Tage anhält und die Betroffenen deshalb womöglich in Versuchung geraten, auf eigene Faust ins Tal abzusteigen.“ Das gelte es natürlich zu verhindern: „Grundsätzlich trifft in Bayern die Bergwacht die Entscheidung, ob ein Hubschrauber zum Einsatz kommen soll, den dann je nach Verfügbarkeit Polizei, Luftrettung oder Bundeswehr bereitstellen.“
Hätte er selbst genauso entschieden, wie man es in Tirol im Falle der Lamsenhütte gehandhabt hat? „Auf jeden Fall“, betont Aininger. Die Entscheidung über mögliche Kostenübernahmen liege allerdings nicht bei der Bergwacht. (ast/rbe)
