Petrus meinte es gut mit den Jubilaren und den vielen Gästen des Geburtstagsfests. Bei strahlendem Sonnenschein feierten Bauern- und Handwerkerverein gemeinsam das 175-jährige Bestehen. Im Mittelpunkt standen am Sonntag der feierliche Feldgottesdienst und der gelungene Festzug.
Lenggries – Wenn zwei Vereine eines Ortes im selben Jahr ihren jeweils 175. Geburtstag begehen, dann wird das mit Sicherheit groß gefeiert. Doch lässt ein derartiger Anlass auch zurückblicken auf die Gründungszeit und den Werdegang der Verbündnisse. Beides ideal miteinander verknüpft haben am Wochenende der Christliche Bauernverein und der Handwerker- und Gewerbeverein aus Lenggries mit einem Feldgottesdienst und einem Festzug am gestrigen Sonntag sowie mit dem Totengedenken und einem Jubiläumsabend, der bereits am Freitag im Festzelt stattfand.
Prächtige Jubiläumsfeierlichkeiten zweier Lenggrieser Vereine




Vieles hat sich in den gesellschaftlichen und sozialen Strukturen geändert seit damals, in der Mitte des 19. Jahrhunderts, die beiden Vereine aus der Taufe gehoben worden waren. „Das war ein karges Leben in jener Zeit. Landwirtschaft und Handwerk waren fast die einzigen Erwerbsquellen“, schaute Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber in seinem Grußwort zurück. Mit der Gründung von Vereinen habe man versucht, Zusammenhalt, Gemeinschaft und eine stärkere Position gegenüber der Obrigkeit zu erreichen.
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Aber auch im riesigen Wirtschaftssystem der Gegenwart, wie Bürgermeister und Schirmherr Werner Weindl vor Beginn des Gottesdienstes betonte, seien diese beiden Branchen unverzichtbar und „tragende Säulen unserer Gemeinde.“ Mit der Erzeugung gesunder Lebensmittel und der Pflege der Kulturlandschaft unter oft schwierigen Bedingungen sei die Landwirtschaft auch wesentlicher Wegbereiter des Tourismus. „Und unsere Handwerksbetriebe sind bekannt, angesehen und bewährt.“ Sie böten Arbeits- und Ausbildungsplätze auch in konjunkturell schwächeren Phasen, wie Bachhuber feststellte. „Sie sind das Fundament, auf dem die ganze Wirtschaft steht.“ Der stetige Wandel, so Weindl, werde auch künftig Herausforderungen mit sich bringen: Digitalisierung, Strukturwandel und auch der demografische Wandel würden noch manche Anpassungen verlangen.
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Landrat Josef Niedermaier sorgte sich in politischer Hinsicht: Er habe kürzlich bei einem Aufenthalt „in der Mitte der Republik“ den Riss in der Gesellschaft deutlich gespürt. Sein Appell deshalb: „Jeder von uns ist gefordert, dazu beizutragen, dass es keine Eskalation gibt. So wie über die Jahrhunderte hinweg der Zusammenhalt und der Dialog mit der Obrigkeit zu unserem jetzigen Wohlstand geführt haben, sollen sich die Vereine auch weiterhin als Basis für den Dialog betätigen. Und es darf dabei auch unterschiedliche Meinungen geben.“
Einen ähnlichen Aufruf formulierte Pfarrer Peter Demmelmair in seiner Predigt, in der es um die Verinnerlichung der christlichen Werte Glaube, Hoffnung und Liebe ging. „Sie helfen, uns innerlich auszurichten. Aber sie müssen auch gelebt werden. Nur wenn sie gelebt werden, lässt sich Bleibendes schaffen.“
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Nach der Messe, die am „Oberfeld“ unweit der Schule bei sommerlichem Prachtwetter abgehalten wurde und von der örtlichen Musikkapelle klangvoll mitgestaltet worden war, formierte sich der Festzug in Richtung Festzelt. Neben den Jubiläumsvereinen, der Antlaßschützenkompanie Lenggries, den geladenen Gastvereinen und Musikkapellen sowie den Abordnungen der Ortsvereine fand überdies eine Anzahl aufwendig gestalteter Darstellungswägen die Bewunderung der Zuschauer.
Die beiden aktuellen Vereinsvorsitzenden Kaspar Gilgenrainer und Georg Gerg, die bereits am Freitag beim Jubiläumsabend ihre Verbündnisse kurz vorgestellt hatten, freuten sich über den guten Verlauf: „Es war richtig, gemeinsam zu feiern, denn Landwirtschaft und Handwerk sind generell eng miteinander verbunden.“
Rosi Bauer