Ablehnend reagierten die meisten Anwohner, als im Juni die Hotelpläne eines Münchner Investors in Altjoch am Kochelsee bekannt wurden. Als im Zuge des Landtagswahlkampfs der SPD-Angeordnete Florian von Brunn vor Ort vorbeischaute, machten die Altjocher noch einmal klar, dass sie das Vorhaben verhindern möchten.
Kochel am See – Mit großer Sorge reagierten die Anwohner des Kochler Ortsteils Altjoch vor einigen Wochen auf die Pläne des Münchner Immobilien-Moguls Rainer Beck, der eine Hotelanlage auf einer landwirtschaftlichen Fläche am Kochelsee errichten will.
Nun lud Florian von Brunn, Umweltexperte der SPD-Landtagsfraktion und SPD-Betreuungsabgeordneter für den Landkreis, die Anwohner zu einem Ortstermin. Dass sie den Plänen für eine Hotelanlage mit sogenannten Erd-Lodges überhaupt nichts abgewinnen können, daran ließen die rund 14 erschienen Anwohner keinen Zweifel. „Wir brauchen hier kein neues Leuchtturm-Projekt. Wir haben es schon“, betonte etwa Christine Weikert. Das Leuchtturmprojekt ist für die Anwohnerin die rund 26 000 Quadratmeter große Wiese am See, auf der an diesem Tag friedlich die Kühe grasten. Schon jetzt, so beklagten die Anwesenden, seien Kochel und Altjoch an schönen Tagen von Ausflüglern überschwemmt, die ihre Autos wild abstellten, unerlaubt Feuer machten und ihren Müll in der Natur entsorgten. Durch ein Hotel würde die jetzt schon katastrophale Verkehrssituation mit den langen Staus am Wochenende noch einmal verschärft.
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Und, so fragten sie sich, braucht Kochel noch ein weiteres Hotel, obwohl das Verdi-Grundstück nach wie vor brach liegt, und andere Hotels im Ort ihre Zimmer mittlerweile an Arbeiter vermieten statt an Urlauber. Dazu äußerten Anwohner die Sorge, keinen freien Zugang zum See mehr zu haben, wenn die Hotelanlage erst steht. Dann werde der derzeit noch öffentlich zugängliche Strand sicher gesperrt. Und das, so Klaus Barthel von der Kochler SPD, obwohl der Kochelsee wegen seiner topografischen Lage sowieso nur wenige Zugänge habe.
Weitere Sorgen bereitet den Anwohnern der diffuse Ruf, der dem Investor vorrauseilt. Was die Anwohner außerdem kritisierten: Dass sie so gut wie keine Informationen zum geplanten Bauvorhaben bekommen. Ihr Bemühen um einen Gesprächstermin sei bisher erfolglos geblieben, so Anwohnerin Irene Gall. Bekannt sei etwa, so Weikert, dass die Parkplätze für die Anlage hinter der denkmalgeschützten Kapelle entstehen sollen – für die Altjocher absolut nicht akzeptabel. Friedl Krönauer, Ortssprecher beim Bund Naturschutz, kritisierte die massive Flächenversiegelung. Die werde auch durch begrünte Erdhügel nicht weniger schlimm.
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Für die Anwesenden war klar. Sie wollen das Projekt verhindern. „Welche Handlungsoptionen haben wir also?“, wollte Anwohner Rüdiger Köhn vom Landtagsabgeordneten von Brunn wissen. Der Politiker zeigte Verständnis für die Sorgen der Bürger. Er fände es gut, „das Projekt in der Gemeinde ganz transparent zu behandeln“. Die „Ultima Ratio“ sieht er in einer Petition an den bayerischen Landtag. Dabei bot er seine Hilfe an. Außerdem versprach er, sich zu erkundigen, ob das Projekt überhaupt mit dem bayerischen Naturschutzgesetz vereinbar sei. Darin sei festgeschrieben, dass der freie Zugang zu den Naturschönheiten sichergestellt sein müsse. Außerdem informierte er darüber, dass die Anwohner über das sogenannte bayerische Umwelt-Informationsgesetz Auskunft zu umweltrelevanten Themen einfordern können. Auch Akteneinsicht sei möglich. Anwohner Josef Allgäuer brachte die Idee eines Bürgerbegehrens ins Spiel, die aber nicht weiter diskutiert wurde.
Franziska Seliger