Stadtrat behandelt viele Stellungnahmen

Lorenz-Areal in Geretsried: Diese Bedenken haben Anwohner, Polizei und Unternehmen

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Nadelöhr: Zu Stoßzeiten müssen sich die Autofahrer an der Einmündung Elbestraße/Blumenstraße schon jetzt in Geduld üben. Nach Fertigstellung des Neubaugebiets auf dem Lorenz-Areal rechnen Experten mit rundherum 3725 Fahrten pro Tag mehr – zu viel für einen Kreisverkehr, wie ursprünglich von der Stadt angedacht.

Anwohner befürchten eine „Trabantensiedlung“, die Polizei warnt vor Verkehrsproblemen, ein Unternehmen vor Ärger wegen Gewerbelärm: Die geplante Wohnbebauung auf dem Lorenz-Areal ist heikel.

Geretsried – 32 Seiten mit Einwendungen sind bei der Stadt wegen der Siedlung mit 783 Wohnungen, die auf dem ehemaligen Lorenz-Gelände an der Banater Straße entstehen soll, eingegangen. Der Entwicklungs- und Planungsausschuss befasste sich ausführlich damit im Rahmen der Änderung des Flächennutzungsplans von einem Gebiet für Einzelhandel in eine Wohnbaufläche. Bei einer Gegenstimme (Dominik Irmer, Freie Wähler), wurde die Änderung beschlossen.

Das Landratsamt spricht in seiner Stellungnahme von einem „problembehafteten Vorhaben“, weil es direkt an das Gewerbegebiet grenzt. Die Befürchtung, dass es wegen Lärmbelästigung zu Konflikten mit den Bewohnern kommt, äußert auch der benachbarte Kompressorenhersteller. Er kritisiert, dass die erforderlichen Ermittlungen und Beurteilungen der Stadt zum Immissionsschutz „an der Oberfläche verbleiben“. Die Belastung werde „unterschätzt“. Vorprogrammierten Ärger wegen Lärms sieht die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK) auf Geretsried zukommen. Die Stadt verweist auf das Schallschutzgutachten und die befürwortende Stellungnahme der Unteren Immissionsschutzbehörde am Landratsamt.

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Drei Familien fragen in ihrem Einspruch, ob der Stadtrat Geretsried „zu einer Trabantensiedlung“ verkommen lassen wolle. Die Anwohner der Egerlandstraße kritisieren die geplanten Hochhäuser mit sechs Stockwerken, warnen vor einem Verkehrschaos und vor einem Aufstau von Grundwasser durch die großflächige Versiegelung. Die Stadt entgegnet, Hochhäuser (per Definition über 22 Meter) würden nicht entstehen. Auswirkungen auf das Grundwasser sind laut Gutachten kaum zu erwarten.

Die Stadt Wolfratshausen weist auf den zunehmenden Verkehr hin, der über die B11 auch die Loisachstadt betreffen werde. Aus Sicht der Geretsrieder Polizei sind bereits jetzt die Elbestraße, Blumenstraße und B11 „völlig überlastet“. Die Polizei regt an zu prüfen, ob im Zuge der geplanten B11-Verlegung eine weitere Anschlussstelle auf Höhe der Elbestraße/Banater Straße kreuzungsfrei geschaffen werden könnte. Sie denkt an eine Lösung wie die Holländerrampe in Waldram.

Zur Verkehrsentwicklung hat die Stadt eine Studie erstellen lassen. Diese kommt zu dem Schluss, dass der Verkehr am Knotenpunkt Elbestraße/Blumenstraße am besten durch eine Ampel entzerrt werden kann. Diese soll mit der Ampel an der B11 koordiniert werden. Laut Gutachten würden sich die Autos ohne Lichtsignalanlage 500 Meter von der Einmündung der Elbestraße auf die Blumenstraße zurückstauen. Mit Ampel wären es bis zur nächsten Grünphase nur 100 Meter. Ein Kreisverkehr, wie von der Stadt ursprünglich einmal angedacht, würde nach Einschätzung der Fachleute nicht funktionieren. Wenn das Neubaugebiet fertiggestellt ist, rechnet man rundherum mit 3725 Fahrten pro Tag mehr.

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Grünen-Stadträtin Beate Paulerberg, selbst Anwohnerin der Elbestraße, berichtete, schon jetzt komme man mit seinem Fahrzeug aus der Elbestraße nur schwer hinaus. Paulerberg möchte den Verkehr über die Banater Straße bis zur Böhmerwaldstraße und von dort Richtung Blumenstraße ableiten.

Vize-Bürgermeister Hans Hopfner (SPD), der die Sitzung in Vertretung von Bürgermeister Michael Müller leitete, meinte, es werde sich ohnehin so einspielen, dass die Autofahrer den schnellsten Weg wählen würden. Der Punkt Verkehr blieb trotzdem eine Sorge des Gremiums. Tanja Lühr

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