Nach zehn Tagen ist der Geretsrieder Kulturherbst am Sonntag zu Ende gegangen. Stadt, Team und Teilnehmer ziehen eine durchweg positive Bilanz – auch wenn das Minus noch nicht bekannt ist.
Geretsried – Die Zahlen sind das eine. Wie groß das Minus des diesjährigen Kulturherbstes sein wird, weiß die Stadt erst nach dem Kassensturz. Mitte November soll das Ergebnis laut Kulturamtsleiter Werner Rampfel dem zuständigen Fachausschuss vorgelegt werden. „Mit Kultur macht man nie Gewinne“, sagt Bürgermeister Michael Müller. Für ihn war das zehntägige Festival trotzdem in jeder Hinsicht ein Gewinn. Was in Erinnerung bleibt, sind die gute Stimmung, die positive Außenwirkung und der Zusammenhalt.
Fast jeden Abend war der Rathauschef auf dem Festivalgelände. Auf die Frage nach seiner Lieblingsveranstaltung antwortet er am Sonntag, kurz nachdem das letzte Lied der großartigen Band Mnozil Brass verklungen ist, diplomatisch. Man könne Theater nicht mit Kabarett vergleichen, einen Liedermacher nicht mit einem Blechbläserensemble. Die breite Vielfalt, die der künstlerische Leiter Günter Wagner zusammengetragen hat, bot in Müllers Augen „genau die richtige Mischung“.
Lesen Sie auch: Party im Zirkuszelt: Halamek begeistert mit „Musical Moments“ beim Kulturherbst
Wagner selbst freut sich über die ausverkauften beziehungsweise nahezu ausverkauften Abende mit Helmut Schleich, Claus von Wagner, Willy Astor und Konstantin Wecker. Für ihn ein Überraschungserfolg sei die Show „The Magic of Queen“ gewesen. Etwas mehr Besucher hätte er sich beim Auftritt der Oberkrainer erhofft. Dass das Theaterstück „The Lehmann Brothers“ nicht die Massen ansprechen würde, habe er dagegen erwartet. „Aber das macht für mich Kultur aus: dass man nicht nur Bringer bucht, sondern auch mal etwas Anstrengenderes auf die Bühne holt“. Ingrid Hammerschmied, die fürs Kulinarische sowie die Koordination der rund 50 ehrenamtlichen Helfer verantwortlich war, meint am späten Sonntagabend erschöpft und erleichtert zugleich, jetzt werde ihre Familie sie auch mal wieder zuhause antreffen. Die Organisatorin bedankt sich stellvertretend für all die Freiwilligen beim Ehepaar Melanie Kube und Klaus Weißbach für deren Engagement am Getränkeausschank.
Jeden Abend zapfte Weißbach nach seiner regulären Arbeit stets gut gelaunt Bier um Bier. Er lobt die „fantastische, friedliche Stimmung“. Der Kulturherbst 2018, bei dem nichts an Caterer von außerhalb vergeben wurde, sei ein echtes „Geretsrieder Fest“ gewesen, sagt er. Wie viele hundert Kilo Souvlaki auf dem Grill der Griechischen Gemeinde gebrutzelt haben, kann Vorsitzender Evangelos Karassakalidis nicht sagen. Seine Bilanz fällt jedenfalls durchweg positiv aus. „Wir hatten griechisches Wetter, es war wie im Urlaub“, schwärmt er nach zehn Tagen Schuften im Wechsel mit einem Dutzend weiterer Landsleute. Die Puszta-Burger der Deutschen aus Ungarn waren ebenfalls ein Renner. Viele Besucher äußerten am Stand den Wunsch, die Spezialität möge auch auf dem Christkindlmarkt verkauft werden.
Auch interessant: Helmut Schleich beim Kulturherbst: Das hat er gegen Rhabarbersaftschorle-Trinker
Assunta Tammelleo und Andrea Weber vom Kulturverein Isar-Loisach (KIL) blicken begeistert auf den von ihnen organisierten Kunsthandwerkermarkt mit insgesamt 27 Handwerkern zurück. Viele Aussteller wollen 2020 wiederkommen. Tasneem Dustagheer aus St. Heinrich berichtet, sie habe etliche ihrer Mandalas verkauft. Damit hätte sie nie gerechnet. „Die Standgebühr war super günstig, die Künstlerkollegen total nett und das Publikum auch“, lautet ihr Fazit. Engelbert Leichauer ist bis aus dem Elsass angereist, um seine Metallmännchen und -bilder zu präsentieren. Obwohl die Werke nicht billig waren, konnte auch er ein paar an den Mann bringen.
Peter Braun aus Holzhausen bei Münsing war mit hübschen Holzarbeiten vertreten. Eine so schöne Atmosphäre und einen solchen Zusammenhalt kenne er eigentlich nur von Festen aus seiner Heimatgemeinde, meint er: „Kompliment an die Geretsrieder.“ An diesen Kulturherbst könne man in zwei Jahren auf jeden Fall anknüpfen, erklärt Bürgermeister Michael Müller. Tanja Lühr
Lesen Sie auch: Mnozil Brass: Spektakuläre Show zum Abschluss des Geretsrieder Kulturherbsts