- VonPeter Herrmannschließen
Mit bitterbösen Spitzen brillierte Helmut Schleich auf dem Geretsrieder Kulturherbst. Sein Spott traf Rhabarbersaftschorle-Trinker, SUV-Fahrer und Markus Söder.
Geretsried – Über ein ausverkauftes Kulturzelt freuten sich die Festival-Organisatoren Ingrid Hammerschmied und Günter Wagner am Samstagabend. Kein Wunder, kam mit Helmut Schleich doch ein mehrfach ausgezeichneter und aus dem Fernsehen bestens bekannter Kabarettist nach Geretsried. Sein aktuelles Programm mit dem provozierenden Titel „Kauf, du Sau!“ wollte auch eine Delegation aus der mit Geretsried befreundeten österreichischen Gemeinde Nickelsdorf sehen.
Schleich spannte zunächst einen weiten Bogen vom aktuellen Dieselskandal über überzogene Manager-Gehälter bis hin zur Waffendebatte in Amerika. Der gebürtige Schongauer stellte in diesem Zusammenhang die Frage, wie eine Bewaffnung von Jesus Christus die Geschichte verändert hätte. „Dann hätte er sich nicht kreuzigen lassen, sondern wäre als Terrorist verhaftet worden“, mutmaßte Schleich.
Noch überzeugender waren indes seine dialektgeprägten Wortspiele. So entlarvte er unter anderem das bayerische Lebensmotto „Mia san mia“ als widersprüchlich. Denn im Russischen bedeutet „Mir“ „Frieden“. „Das ist mit Bayern und den weltweit verkauften Patronen aus Bavaria nicht vereinbar“, folgerte er.
Welche Verbindung er zu Geretsried hat, verrät Helmut Schleich im Interview.
Doch sein Spott traf auch die Verfechter des vermeintlichen zeitgenössischen Life-styles: zum Beispiel die Rhabarbersaftschorle-Trinker, die anderen das Rauchen im Biergarten verbieten. Oder die Autofahrer, die mit dem SUV vor dem Spezialitätengeschäft Dallmayr parken wollen, um sich schnell ein Gläschen „kandierte Langustenhoden“ zu kaufen.
Seine Paradenummer – die Rolle des verstorbenen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß – bringt Schleich erst am Ende des über zweistündigen Programms. Mit seinen Nachfolgern geht der wiederauferstandene Politiker hart ins Gericht. Vor allem Markus Söder bekommt viel Häme ab: „Es ist nicht gut, wenn ein Ministerpräsident aus den Kolonien kommt: Die Engländer wählen auch keinen Kenianer zum König.“
Der Kulturherbst punktet mit einer Ausstellung, einem Kunsthandwerkermarkt und einem umfassenden Programm. Wir waren bei der Eröffnung dabei.
In der geforderten Zugabe parodiert Schleich mit hoher Stimme die beiden Ratzinger-Brüder. Dass der ehemalige Papst dabei an unbekleidete Damen aus dem Privatfernsehen spendet, mag die religiösen Gefühle einiger weniger Besucher verletzt haben. Dennoch dürfte der abschließende donnernde Applaus des Publikums weit über die Grenzen des Festareals zu hören gewesen sein. Schleich war von dem Auftrittsort ohnehin angetan: „Das ist ein tolles Festival, auf dem einiges geboten ist“, lobte er.
ph