VonSebastian Grauvoglschließen
Gesundwerden mit einem gewissen Extra an Komfort: Diese Option bietet ab sofort das Krankenhaus Agatharied auf einer neuen Station. Die Nachfrage ist schon jetzt riesig.
Agatharied – Die Beschreibung klingt wie eine Mischung aus Business-Class im Flugzeug und Wellness-Tempel im Hotel: Mit „exklusiven Pflegeprodukten“, einer „gehobenen Speisenauswahl aus bis zu acht Menüs“, einem „flauschigen Bademantel“ und natürlich inkludiertem WLAN, Telefon und Tageszeitungen wirbt das Krankenhaus Agatharied für seine neue Komfortstation. Sie steht ab sofort Patienten der so genannten „konservativen Fachabteilungen“ – also der Inneren Medizin mit Gastroenterologie, Geriatrie, Kardiologie sowie der Neurologie – zur Verfügung.
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Bei einem Pressetermin hat die Klinikleitung um Vorstand Benjamin Bartholdt die hochwertig ausgestatteten zwölf Ein- und fünf Zwei-Bett-Zimmer mit dem werktags zwischen 7 und 18 Uhr erreichbaren Komfortpatientenservice nun der Öffentlichkeit präsentiert. Auch Landrat Olaf von Löwis machte sich vor Ort ein Bild. „Wer schon mal in einem anderen Krankenhaus war, der weiß, dass man sich in unserer Klinik in allen Zimmern sehr wohl fühlen kann“, betonte Löwis. „Dennoch muss ich zugeben: Die neue Station begeistert mich.“
Hochwertige Zimmerausstattung und eine Lounge
„Helfen, Stärken, Trösten und die Annehmlichkeit des Wohnens“: So interpretiert das Kreisklinik laut Bartholdt das Wort Komfort. Auf diese Werte „besinnen wir uns in der täglichen Versorgung und Unterbringung unserer Patienten“. Einzig das funktionelle Pflegebett und die in Schränken versteckten Pflegeutensilien würden daran erinnern, dass man sich nicht im Urlaub, sondern im Krankenhaus befinde. „Hochwertige Stoffe und Sitzgelegenheiten in warmen Farben“ würden eine „beruhigende, aber gleichzeitig heil bringende Atmosphäre“ verströmen. Hinzu kämen ein „besonders großer TV“ über dem Bett, neu geflieste Badezimmer sowie Oberlichter. Ein separater Loungebereich in der Mitte der Station lade Patienten und Angehörige zum Verweilen ein.
Wer in den Genuss all dieser Leistungen kommen will, sollte entweder eine private (Zusatz-)Versicherung für Hotelleistung abgeschlossen haben – oder bereit sein, sich die wählbare Zusatzleistung“ selbst zu gönnen. Die Preise pro Nacht können es durchaus mit einem Hotel aufnehmen: 170 Euro für ein Einzel- und 75 Euro für ein Bett im Doppelzimmer, teilt Bartholdt auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Auf den Normalstationen läge die Zuzahlung für diese Zimmer bei 120 beziehungsweise 65 Euro.
Investition soll Mehreinnahmen generieren
Andererseits habe sich das Krankenhaus die neue Station auch einiges kosten lassen. 800 000 Euro wurden laut Bartholdt in den vier Monate dauernden Umbau der ehemaligen Station 5 investiert. Da die Ein- und Zwei-Betten-Wahlleistungszimmer hier nur gebündelt wurden, habe sich an der Gesamtbelegungszahl im Krankenhaus nichts verändert. Auch das Personal werde nicht andernorts fehlen, weil es sich um ein spezielles Team an Servicekräften handle, das zusätzlich, aber trotzdem Hand in Hand mit Ärzten, Pflegern und Therapeuten arbeite.
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Das Krankenhaus jedenfalls verspricht sich von der Komfortstation auch eine neue Einnahmequelle, die helfen soll. So erfülle man alle Kriterien, die die private Krankenversicherung für die Wahlleistung Unterkunft definiere. Die so generierten Mehrerlöse würden unmittelbar der „wirtschaftlichen Situation unseres Hauses“ zugutekommen, erklärt Bartholdt. Es sei kein Geheimnis, dass jeder zusätzliche Euro helfe, „weiterhin erstklassige Medizin und Pflege anzubieten – wohlgemerkt für alle Patienten“. Auch deshalb wird die Klinik noch heuer eine weitere Komfortstation eröffnen, diesmal dann für die orthopädisch-chirurgische Fachabteilung. Bartholdt: „Schon jetzt ist die Nachfrage nach Ein- und Zwei-Bett-Zimmer weitaus größer, als wir sie bedienen können.“
sg

