Aktionstag am 7. April

Gmund wird autofrei - für ein paar Stunden

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Autoverkehr im Zentrum von Gmund.
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Gmund wird autofrei. Nicht komplett und auch nur für ein paar Stunden. Der Arbeitskreis Energie tüftelt an einem Aktionstag im Rahmen des landkreisübergreifenden „Klimafrühlings Oberland“.

Gmund – Blechlawinen überrollen regelmäßig das Tegernseer Tal. Warum nicht hin und wieder die Autos ausbremsen? Das wünschen sich in jüngster Zeit immer mehr Bewohner. Zuletzt war bei der Tegernseer Bürgerversammlung der Antrag für einen autofreien Sonntag aufgetaucht. Während die Idee auf unterschiedliche Resonanz stößt, arbeite man im Landratsamt bereits an der Umsetzung dieser Idee, wie Peter Schiffmann, SPD-Stadtrat und zugleich Fachsbereichsleiter Mobilität am Landratsamt, bei der Versammlung verriet.

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In Gmund wird diese Idee jetzt tatsächlich umgesetzt – wenn auch nicht gar so rigoros, sondern nur für ein paar Stunden. Der Arbeitskreis Energie tüftelt gerade an einem Aktionstag, der für Sonntag, 7. April, im Rahmen des „Klimafrühlings Oberland“ geplant ist. Von 14. März bis 7. April beteiligen sich die Landkreise Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen sowie die Stadt Penzberg an der Aktionswoche der Energiewende Oberland (EWO).

„Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass man sich nicht immer ins Auto setzen muss“, erklärt Johann Schmid, SPD-Ortsvorsitzender und Fraktionssprecher im Gemeinderat sowie Sprecher des Arbeitskreises Energie und Umwelt. Neun Mitglieder gehören ihm an: Neben den SPD-Gemeinderäten Schmid, Barbara von Miller und Michael Huber sind das Kaminkehrermeister Helmut Jaki, Klimaschutzmanagerin Veronika Halmbacher, EWO-Stiftungsbeirat Manfred Weber sowie die Gmunder Richard Westerberger, Elisabeth Bachheibl und Helmut Karnehm.

Jeden ersten Montag eines ungeraden Monats treffen sich die Mitglieder, um Aktionen zu planen. Etliches wurde schon auf den Weg gebracht: Die Solaranlage und das Mieterstrommodell auf dem Gemeinde-Wohnhaus an der Hirschbergstraße wurde vom Arbeitskreis angestoßen; Überzeugungsarbeit für das Energiecoaching-Programm, das die Gemeinde wahrnimmt, wurde geleistet; am 15. Februar, um 19.30 Uhr rückt das Thema Plastikmüll in den Ozeanen bei einem Filmvortrag in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule im Neureuthersaal in den Mittelpunkt des Interesses.

Das nächste Treffen findet außerplanmäßig schon am Montag, 4. Februar, statt. Konkret geht’s um den autofreien Sonntag in Gmund. So viel steht fest: Zwischen 10 und 16 Uhr wird die Bundesstraße zwischen Bahnhof und Kaltenbrunn für den Autoverkehr gesperrt. „Wir können die Autos natürlich nicht ganz ausbremsen, aber mit einer gewissen Behinderung für den Durchgangsverkehr ein Zeichen setzen“, findet Schmid.

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Alles, was nichts mit Autos zu tun hat, rückt in den Fokus: Fahrradhändler werden am Bahnhofsplatz Alternativen zum Auto präsentieren, ein Radlflohmarkt ist geplant, die Sportfreunde Gmund werden zum Lauftreff animieren, die Pläne der Gemeinde zur Umgestaltung des Bahnhofsareals sollen gezeigt werden. Für Essen und Trinken ist gesorgt – mit nachhaltigen Schmankerln örtlicher Biobetriebe. E-Mobilität wollen die Initiatoren bewusst ausklammern. „Solange der Strom für ein E-Auto nicht von der eigenen Photovoltaikanlage kommt, ist das in keiner Weise umweltfreundlich“, glaubt Schmid.

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Das wurde sonst noch zum Klimaschutz beschlossen:

Im Gemeinderat ging es gleich um mehrere Punkte rund um das Thema Klimaschutz. Bürgermeister Alfons Besel (FWG) warb in diesem Zusammenhang für den Arbeitskreis Energie: „Er könnte weitere Mitstreiter brauchen“, fand Besel. Konkret ging es um Beschlüsse, die in der talweiten Gemeinderatssitzung zum Klimaschutz im November angeregt worden waren. 

Einstimmig schloss sich das Gremium in Sachen Solarpotentialkataster der Empfehlung des Arbeitskreises Tegernseer Tal Energie und Klimaschutz (ATTEK) an. Demnach soll der Landkreis bis 2020 ein Kataster erstellen. 

Was die Benennung eines Klimaschutzbeauftragten betrifft, so soll Johann Schmid (SPD) als Sprecher des bereits aktiven Energie-Arbeitskreises (siehe Haupttext), den Posten des Referenten besetzen. In der Februar-Sitzung soll die Benennung über die Bühne gehen. Man war sich einig, dass Schmid die geeignete Person sei. Eine erneute Suche nach einem Beauftragten erschien Christine Zierer (FWG) sinnlos: „Das hatten wir doch schon, passiert ist nix.“ Auch Barbara von Miller (SPD) versprach sich nicht viel Erfolg von einem erneuten öffentlichen Aufruf. „Der Zulauf wird da nicht so groß sein, weil das Thema nicht so populär ist.“ Zuvor hatte Laura Wagner (Grüne) angeregt, Personen mit fundiertem Wissen zum Thema zu suchen. 

Schließlich fasste der Gemeinderat gegen die Stimme von Bernd Ettenreich (FWG) einen Grundsatzbeschluss zur Erstellung eines Energienutzungsplans (ENP). „Es handelt sich wie bei einem Flächennutzungsplan um eine strategische Planung“, erklärte Besel. Eine Bestandsaufnahme, verbunden mit dem Blick auf den zukünftigen Bedarf, die Entwicklung von Konzepten und Maßnahmen sowie die anschließende Umsetzung seien die wichtigsten Punkte. Der ENP kostet rund 30 000 Euro, wobei 70 Prozent, also 21 000 Euro, vom Staat als Förderung übernommen werden. Den Rest muss die Gemeinde selbst für einen Energienutzungsplan beisteuern. Michael Huber (SPD) hielt das Konzept für wichtig, um vernünftig planen zu können. Er forderte aber, für eine Bestandsaufnahme mit hoher Qualität zu sorgen. Bernd Ettenreich hielt den ENP nicht für das geeignete Instrument, um fundierte Aussagen und Planungen für die nächsten zwei bis drei Jahrzehnte zu ermöglichen.

gr

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