Tegernsee Bahn baut an der Realschule Finsterwald

Spatenstich für Bahnhalt Nummer drei

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Spatenstich für den neuen Bahnhalt: (v.l.): Sepp Hartl, Wolfgang Rzehak, Alfons Besel, Heino Seeger, Tobias Schreiner und Johannes Hagn.
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Drei BOB-Haltestellen in einer Gemeinde – wer hat das schon? Gmund ist in der glücklichen Lage, ab dem kommenden Winter den neuen Bahnhalt Finsterwald anbieten zu können. Am Montag war Spatenstich.

Gmund Kosten, die sich mit 1,6 Millionen Euro entgegen der ursprünglichen Planung verdoppelt haben. Nur 100 Realschüler, die aktuell im Einzugsbereich der Bahn wohnen. Nachbarn, die sich wehren. Und dennoch: Der Bahnhalt Finsterwald kommt. Zwar hätte Ilse Aigner (CSU), Bayerns Verkehrsministerin höchstpersönlich zum Spatenstich nach Finsterwald zur Realschule kommen und dem Projekt auch von staatlicher Seite auf die Beine helfen sollen. Aigner ließ sich aber entschuldigen. „Sie liegt krank im Bett, und das hat nichts mit den politischen Turbulenzen vom Wochenende zu tun“, verkündete Heino Seeger, Geschäftsführer der Tegernsee Bahn Betriebs GmbH (TBG), ehe es richtig losging.

Also griffen alle maßgeblich Beteiligten ohne Ilse Aigner zur Schaufel und ließen symbolträchtig Baustellen-Sand wirbeln: Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne), Gmunds Bürgermeister Alfons Besel (FWG) und Tegernsees Stadtchef Johannes Hagn (CSU) als die drei Gesellschafter der Bahn. Tobias Schreiner, der mit seiner Realschule in den nächsten Monaten Leidtragender der Baustelle, danach aber wichtigster Nutznießer des Bahnhalts sein wird, Waakirchens Bürgermeister Sepp Hartl (FW), durch dessen Gemeindegebiet die Tegernsee Bahn großteils fährt und Heino Seeger selbst.

Unter den Gästen war auch Altbürgermeister Georg von Preysing (CSU). „Du hat alles angerichtet“, scherzte Seeger. Tatsächlich war es Preysing, der das Projekt Bahnhalt stets in einem Paket mit der Realschule sah und gegen viele Widerstände vorantrieb. Selbst als die Kostenexplosion Tatsache wurde, trieb er die Realisierung voran. Seeger gab zu bedenken, dass dieser Haltepunkt mit 120 Meter langem Bahnsteig, einem Wetterschutzhäuschen und ausreichender Beleuchtung kein einfacher sei: Er liege in einem Gleisbogen, der zunächst über den Übergang an der Tölzer Straße und dann hinunter Richtung Tegernsee führe und eine Veränderung der Signalisierung notwendig mache. Dann befinde sich die Baustelle auf schwierigem Untergrund aus Seeton. Seeger bat alle Nachbarn, dass sie während der Bauzeit „die Nerven behalten“.

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Rzehak bezeichnete den Bahnhalt als wichtigen Etappensieg für den Öffentlichen Nahverkehr. (ÖPNV). „Er wird viel Verkehr von der Straße holen“, hoffte der Landrat schon jetzt. Und dem Gmunder Rathauschef gratulierte er dazu, bald drei Haltestellen in der Gemeinde und damit das beste Netz im Landkreis zu haben.

Dass sich die Investition in den Landkreis als Bildungsregion lohne – der Landkreis ist mit 20 Prozent Gesellschafter der TBG, Tegernsee und Gmund jeweils mit 40 Prozent – betonte nicht nur Rzehak, sondern auch Alfons Besel. „Es ist die beste Dividende, wenn wir im sozialen Bereich, in Schule und Bildung investieren“, sagte der Rathauschef mit Blick auf die aufstrebende Realschule, die ohnehin ein „Leuchtturm in der Schullandschaft“ und daher jeden Euro wert sei. Der Bahnhalt, findet Besel, sei für die Realschule jedenfalls ein „Sahnehäubchen“. Er bat die Baufirmen, den Schulbetrieb so wenig wie möglich zu beeinträchtigen und wünschte allen Beteiligten Gelassenheit, Glück und gutes Gelingen.

Dass sich die Chorklasse für die kleinen Feier unter anderem den Song „Troublemaker“, also Unruhestifter, ausgesucht hatte, mag an diesem sonnigen Morgen ein Zufall gewesen sein.

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gr

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