Corona Krise

Große Feste fallen aus: „Das tut schon weh“

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Großveranstaltungen wie etwa das Harley-Treffen wird es heuer in Bad Tölz nicht geben.
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Dass bis zum 31. August keine Großveranstaltungen in Bayern stattfinden dürfen, trifft auch im Tölzer Land die Veranstalter hart. Einiges wird in 2021 verschoben, anderes fällt ganz aus.

Bad Tölz/Lenggries/Reichersbeuern/Benediktbeuern Seit über zwei Jahren laufen die Planungen zu den Festivitäten anlässlich der 1000-Jahr-Feier in Reichersbeuern. Die Festwoche – inklusive Isarwinkler Schützenwallfahrt – sollte vom 15. bis zum 24. Mai stattfinden, man wollte eine Dorfchronik vorstellen und im Juli ein historisches Theaterstück spielen. Am Donnerstagabend entschied der Festausschuss, alles auf 2021 zu verschieben.

Laut Bürgermeister Ernst Dieckmann sei dies die vernünftigste Lösung. Schließlich soll es ein unbeschwertes Fest für Jung und Alt werden. „Das wird erst dann möglich sein, wenn die Pandemie überwunden ist.“ Natürlich seien alle traurig. Aber das Motto „Miteinander, beieinander, füreinander“ werde eben derzeit anders gelebt. „Doch es wird auch wieder eine Zeit kommen, in der wir feiern können“, sagt Dieckmann. Er bittet alle Konzertkartenbesitzer, zu warten, bis die Ersatztermine feststehen.

Auch die Gemeinde Sachsenkam, die heuer ebenfalls 1000-jähriges Bestehen feiert, wird die Feier auf 2021 verschieben. Der Festausschuss trifft sich kommenden Donnerstag, um über Details zu sprechen, sagt Bürgermeister Hans Schneil.

Bereits vergangene Woche abgesagt wurde der Patronatstag der Gebirgsschützenkompanien am 3. Mai in Königsdorf (wir berichteten). Seit Freitag steht auch fest, dass die Tölzer Rosentage zu Pfingsten nicht stattfinden können. Die Festwoche in Lenggries fällt heuer ebenfalls flach. Im August hätte man tausende Besucher erwartet. „Das ist schon bitter“, sagt Festwirt Peter Gascha. Die Absage tue weh, auch finanziell. Einige Sachen habe man schon im Vorfeld bezahlt, für andere Dinge fallen nun Lagerkosten an. Leid tut es Gascha auch für die vielen Bedienungen, für die der Lohn sehr wichtig sei. Einen Nachholtermin wird es heuer nicht geben. Dafür will Gascha 2021 „groß feiern“, dann wird die Festwoche nämlich 20 Jahre alt. Obwohl es ihn auch wirtschaftlich am eigenen Leib trifft, hält Gascha die Corona-Maßnahmen für sinnvoll. „Was Bayern macht, ist richtig. Die Gesundheit geht immer vor.“

Ähnlich äußert sich auch Peter Frech. Der Tölzer ist gleich in mehrerlei Hinsicht von der Krise betroffen: Als Veranstalter, Gastronom („Jailhouse“) und als Chef eines Sicherheitsdiensts, der unter anderem die kompletten Tourneen der „Toten Hosen“ und von „Rammstein“ betreut. In Tölz wird Frech das US-Car-Treffen, das Harley-Treffen und das Trucker-Treffen absagen. Die Großveranstaltungen wird es erst wieder 2021 geben. Wirtschaftlich, sagt Frech, müsse man dieses Jahr abschreiben. „Das ist bitter.“ Von den Veranstaltungen 2019 habe man kein Polster. Den Kulturfonds der Stadt, aus dem Frech heuer eigentlich Zuschüsse bekommen hätte, will er in der jetzigen Situation keinesfalls antasten, „denn das wäre unmoralisch“. Leid tut es ihm auch für die vielen Dienstleister, die an seinen Veranstaltungen mit dranhängen.

Die Unterstützungsgelder, die man jetzt vom Staat bekomme, würden die Verdienstausfälle nicht kompensieren, sagt Frech. In Bezug auf die Gastronomie-Szene rechnet er mit einer Marktbereinigung: „Es werden sich nicht alle halten können.“ Obwohl auch ihn die Corona-Krise wirtschaftlich hart trifft, verteidigt Frech die Maßnahmen der Regierung. Ähnlich wie für Festwirt Peter Gascha hat auch für Frech die Gesundheit oberste Priorität. „Wenn Menschen beim Ausgehen Spaß haben, aber andere dafür sterben, dann ist es das nicht wert“, sagt Frech und meint: „Natürlich ist es nicht einfach für uns. Aber aufgeben darf man auch nicht.“

Noch offen ist, was mit den Maierhof-Konzerten in Benediktbeuern passiert. Mitte Juli stünden hier eigentlich Martina Schwarzmann und LaBrassBanda auf der Bühne. Das Konzertbüro Augsburg kann noch nicht mitteilen, ob die Auftritte verschoben oder abgesagt werden.

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