Unten Einkaufen, oben Wohnen

Grünes Licht unter einer Bedingung: Welcher neue Supermarkt nach Bad Aibling kommt

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Von außen lässt sich derzeit noch sehr schwer erahnen, wie es hier in den kommenden Jahren aussehen könnte. Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) spricht über den Stand der Dinge.
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Bad Aibling ist einem besonderen Bauvorhaben, bei dem Wohnungen auf einem Supermarkt errichtet werden sollen, ein großes Stück nähergekommen. Doch das Projekt ist an eine heikle Bedingung geknüpft. Was dahinter steckt und welcher Markt nach Aibling kommen soll.

Bad Aibling – Es ist eine neue Form des Bauens in Bad Aibling: unten Supermarkt, darüber Wohnungen. Diese besondere Kombination wird seit Längerem im Rathaus diskutiert. Nun ist man dem Vorhaben ein großes Stück näher gekommen – unter einer wichtigen Bedingung. Konkret hatte die Oberbayerische Hausbau GmbH den Neubau eines Lebensmittelmarktes im Erdgeschoss mit darüberliegendem barrierefreiem Wohnungsbau sowie Tiefgarage und Außenstellplätzen auf einem Areal in der Ellmosener Straße 32 beantragt. Nicht abschließend geklärt war bislang, welcher Supermarkt dort ansiedeln soll und wie genau die Verkehrssituation, die sich durch einen neuen Markt weiter verschärfen dürfte, geregelt werden kann.

Neuperlach-Flair“, ein „Klotz“, ein „Spielplatz auf dem Dach mit Alibifunktion“, „viel zu intensive Wohnbebauung“ – der Aiblinger Stadtrat hatte zuletzt auch nicht immer mit gehöriger Kritik an dem Projekt gespart. Ein großes Thema war zudem stets der noch zu schließende städtebauliche Vertrag, der nach Angaben der Stadt ausschlaggebend für die Sicherung der Erschließung im entsprechenden Gebiet sei. „Der städtebauliche Vertrag ist im Grunde ein Erschließungsvertrag“, erklärt Aiblings Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) gegenüber dem OVB. Im Kern gehe es darin um den seitens der Stadt angestrebten Bau eines Kreisverkehrs an der angrenzenden viel befahrenen Kreuzung. Demnach könne man nur mit jenem Verkehrskreisel auch den steigenden Anforderungen des Verkehrs dort gerecht werden.

Weg frei für einen Kreisverkehr?

„Wir wussten ja aus dem Verkehrsgutachten, dass wir hier eine Veränderung brauchen“, sagt Schlier. Er und der Stadtrat hätten sich für einen Kreisel ausgesprochen, wenngleich laut Gutachten auch eine Ampel denkbar gewesen wäre. „Uns geht es eben um eine echte Verbesserung der Verkehrssicherheit.“ Doch genau dieses Thema war lange ein Streitpunkt, da der Stadt nicht alle benötigten Grundstücksflächen gehörten. Doch auch hier vermeldet der Rathauschef Vollzug.

Von außen lässt sich derzeit noch sehr schwer erahnen, wie es hier in den kommenden Jahren aussehen könnte.

„Es hängt mittlerweile nicht mehr vom Einverständnis der verschiedenen Grundstückseigentümer ab. Uns ist es gelungen, uns mit ihnen zu einigen, und wir haben den notwendigen Grunderwerb getätigt“, so Schlier. Da die Stadt nun auch notariell beglaubigt Eigentümer sei, stehe dem Bau eines Kreisverkehrs diesbezüglich nichts mehr im Wege. Doch genau hier kommt die Bedingung der Stadt an den Antragssteller des Supermarkt-Kombi-Projektes ins Spiel. Denn die Baugenehmigung soll seitens der Kommune nur unter der Bedingung erteilt werden, wenn der Antragsteller und die Stadt Bad Aibling einen Erschließungsvertrag abschließen. Eine Art Absicherung also, die die Stadt hier als Klausel festgesetzt hat.

Bauausschuss gibt grünes Licht mit Maßgabe

Im städtebaulichen Vertrag soll vor allem der Bau des Kreisverkehrs geregelt werden, also etwa wer in welcher Form baut und bezahlt oder wie der Zeitplan aussieht. Unter dieser Maßgabe stimmte das Gremium nun in der jüngsten Sitzung des Aiblinger Bauausschusses auch zu – mit 8:3 Stimmen. Auch vom Landratsamt Rosenheim habe man grünes Licht für das Vorhaben signalisiert bekommen, da es sich schließlich um einen Bau auf einer Kreisstraße handelt, erklärt Schlier. Ist nun also der Weg frei für das Bauprojekt samt Kreisverkehr?

So sah die Planung für den neuen Verbrauchermarkt mit darüberliegenden Wohnungen an der Ellmosener Straße in Bad Aibling zuletzt aus.

Noch nicht ganz: „Als Erfolg kann man es erst dann verbuchen, wenn es hundertprozentig sicher ist“, betont Bürgermeister Schlier. Jedoch stehe man in seinen Augen „kurz vorm Ziel“, er sei „sehr zuversichtlich, dass wir uns einigen“. Wenn alles klappt, würden sich laut Schlier drei Vorteile ergeben: Einerseits sei der Bau notwendig für das „Heiznetz Nord“, dessen Hauptabnehmer dann Supermarkt und die darüberliegenden Wohnungen wären. Andererseits könnte der besagte Kreisverkehr die angespannte Situation vor Ort erheblich entspannen. Denn unklar ist, ob oder wann die Stadt alleine einen solchen Verkehrsumbau finanziell hätte stemmen können. Zu guter Letzt böte der Neubau vielen Aiblingern eine wichtige Einkaufsmöglichkeit, da sich die meisten anderen Anbieter örtlich abgelegen konzentrieren. „Der neue Markt würde dort sicherlich von vielen dankend angenommen“, ist sich Schlier sicher.

Welcher Supermarkt soll nach Aibling kommen?

Doch welcher Anbieter soll denn jetzt in der Ellmosener Straße ansiedeln? Rathauschef Schlier verrät, dass es sich in diesem Fall um einen Netto-Markt handeln wird. „Damit sind zwar nicht alle glücklich. Aber wir hatten zuvor festgelegt, dass es Einzelhandel sein soll. Jetzt sollte man sich dann nicht über die Art des Marktes beschweren.“

Das Areal, auf dem der Verbrauchermarkt mit 56 neuen Wohnungen errichtet werden soll.
Auf dieser Aiblinger Baustelle soll künftig ein Supermarkt mit darüberliegenden Wohnungen entstehen.

Klar ist, dass sich das Bebauungsplanverfahren nun auf der Zielgeraden befindet. Die Stadt hat unter der Kreisel-Maßgabe zugestimmt, was nun noch am Erschließungsvertrag hängt. Dann fehlt nur noch die Absegnung des Landratsamtes, wobei Schlier „keine Probleme“ erwartet. Die letzten Unwägbarkeiten machen eine konkrete zeitliche Prognose dennoch derzeit noch nicht möglich. „Durch die Bedingungen ist der Zeitplan noch nicht ganz sicher zu beurteilen“, sagt Schlier und ergänzt: „Die Antragssteller möchten aber so schnell wie möglich anfangen, eigentlich sofort“, was offenbar auch mit vertraglichen Abmachungen mit dem Netto-Konzern zusammenhänge. Schlier rechnet damit, dass noch in diesem Jahr mit dem Bau begonnen wird. Planer Klaus Kunze hatte jedenfalls zu Beginn des Jahres betont, dass der Markt Ende Oktober 2026 fertig sein sollte.

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