Antrag der SPD

„An Dreistigkeit kaum zu überbieten“: Rathaus-Zoff um günstige Miet-Wohnungen in München

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In einem Antrag will die SPD sicherstellen, dass auch arbeitende Münchner oder Rentner an Sozialwohnungen kommen. Das stößt im Rathaus auf Kritik.

München - Die SPD will die Vergabepraxis für städtische Wohnungen gerechter und sozial ausgewogener gestalten. In einem Antrag fordert die Fraktion, dass künftig insbesondere arbeitende Menschen, Rentner sowie Haushalte mit mittleren Einkommen bei der Wohnungsvergabe verstärkt berücksichtigt werden. Das stößt im Stadtrat nicht überall auf Verständnis – auch nicht beim Koalitionspartner.

Viele Menschen suchen eine Wohnung in München. Das Angebot ist rar und entsprechend teuer.

Günstige Mieten in München: Amt für Wohnen und Migration vergibt jedes Jahr 4000 Bleiben

Jedes Jahr vergebe das Amt für Wohnen und Migration knapp 4000 Wohnungen, heißt es in einer Mitteilung der Genossen. Aktuell ginge etwa die Hälfte der Wohnungen an wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Haushalte. SPD-Chefin Anne Hübner sagte, die Münchner Mischung sei eines der Erfolgsmodelle der Stadt. Sie sorge dafür, dass in jedem Viertel Menschen unterschiedlicher Alters- und Einkommensgruppen zusammenleben. „Doch die Vergabepraxis des Wohnungsamts und der Münchner Wohnen muss angepasst werden, damit auch Menschen, die arbeiten oder schon in Rente sind, aber keine 20 Euro pro Quadratmeter zahlen können, eine Chance auf eine bezahlbare Wohnung bekommen.“

Natürlich gebe es zu wenig bezahlbaren Wohnraum, sagte Grünen-Vize Clara Nitsche. Der Vorschlag der SPD berge aber Risiken, denn er schließe Menschen aus. „Alleinerziehende oder diejenigen, die wegen Krankheit oder Behinderung nicht, oder zumindest vorübergehend nur wenig arbeiten können, würden dann keine Wohnung mehr bekommen.“

Ähnliche Worte von Linken-Chef Stefan Jagel: „Mit dem Antrag werden Wohnungslose gegen Arbeitende ausgespielt.“ Alle litten schließlich unter der Mietenkatastrophe. „Jetzt aber auf Erwerbslose und Wohnungslose runterzutreten, ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten.“

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Günstige Mieten in München: CSU-Chef will Flüchtlingen verstärkt Wohnungen außerhalb anbieten

CSU-Chef Manuel Pretzl verwies auf ähnliche Anträge seiner Fraktion aus Februar 2024: „Die Vergabe der Sozialwohnungen ist in vielen Punkten ungerecht. Das kritisieren wir regelmäßig. Menschen, die schon lange hier leben und arbeiten, haben keine Chance, eine günstige Wohnung zu erhalten.“

Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass es in München schlicht zu wenig Sozialwohnungen gebe – und zu viele Personen, die als wohnungslos gelten und dadurch Vorrang bei der Vergabe haben, sagte Pretzl. „Dazu gehören die vielen anerkannten Asylbewerber, die aus den Unterkünften raus müssen, hier aber noch kein Einkommen haben und sich in München keine Wohnung leisten können. Wir haben deshalb vorgeschlagen, diesen Menschen verstärkt auch Wohnoptionen außerhalb Münchens aufzuzeigen, zum Beispiel über einen deutschlandweiten Wohnraumfinder für Geflüchtete.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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