Vor ausverkauftem Haus spielte Günter Grünwald am Mittwochabend sein Programm „Deppenmagnet“. Großteils war‘s lustig - es gab aber auch Schwächen.
Bad Tölz – Da stand zwar ein beleidigter Grantler auf der Bühne, aber der Applaus war lang und laut. Günter Grünwald hatte am Mittwochabend im Tölzer Kurhaus für einen restlos ausverkauften Saal gesorgt. In seinem Programm „Deppenmagnet“ ging er keineswegs zimperlich mit seinen Mitmenschen um. Es war aber auch ein Abend mit Schwächen.
Wenn Grünwalds Ansichten mit denen der Allgemeinheit kollidieren, kann es sehr lustig werden. Seine Abneigung gegen unnötige Schönheitsoperationen stellte er urkomisch dar: Er sei als junger Mann so gut aussehend gewesen, dass er eine Rolle als James Bond hätte haben können. Um seinen Traumberuf Komiker zu erreichen, habe er sich aber hässlich machen lassen – mit „Muskelabsaugen, Faltenanbau und Penisverkürzung“. Sein Hauptopfer unter den operierten Showgrößen war Costa Cordalis, aber auch Schauspieler Fritz Wepper („der Depp vom ,Derrick‘“) bekam sein Fett weg, weil er sich seine Mimik habe wegliften lassen. Dabei habe Wepper als sehr junger Schauspieler eine „anbetungswürdige Leistung“ geboten, nämlich im Film „Die Brücke“, lobte Grünwald. Der Vorlagenroman stammt übrigens vom langjährigen Redaktionsleiter des Tölzer Kurier, Gregor Dorfmeister.
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Einer von Grünwalds „Lieblingsdeppen“ ist TV-Koch Tim Melzer. „Bei ihm muss immer alles lustig und easy sein“, schimpfte der Kabarettist. „Warum ist die Vinaigrette für den Salat schon vorbereitet, wenn ich doch wissen will, wie ich sie mache?“ Was er auch nicht mag, sind „siebeng’scheide Saubrackl mit zwölf Jahren“. Die kuriert Grünwald, indem er ihnen „glei eine aufbetoniert“, und freut sich dann, dass er Kindern noch etwas beibringen kann.
Grünwald bewegte sich immer hart an der Grenze zur Ernsthaftigkeit bei der Darstellung seiner „Deppen“. Dabei wurde er oft gnadenlos. Und manches gelang einfach nicht. Als großer Fan eines Abflussreinigungsgeräts, dessen Wirkung er urkomisch schilderte, setzte er es sogar zur Lebensrettung ein: Ein Freund drohte an einer Fischgräte und zwölf nachgestopften Kartoffeln zu ersticken. „Sie halten es nicht für möglich, was in so einem Menschen alles drin ist“, meinte der Komiker. Leider war das aber nicht das Ende, sondern eben eine unlustige Bemerkung zu viel: „Ich hab’ ihm das Leben nicht gerettet, aber ich hab’s probiert.“
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Hier wie an anderen Stellen zog der 62-Jährige die Realität gnadenlos heran, was jeglichen Humor leider verdarb. Sein Verwirrspiel über die Maler Dali und Rembrandt sowie den Fußballer Ribery („Beim Goldhelm ist ihm die Farbe ausgegangen, die hat der Ribery für sein Steak braucht.“) war zusammenhanglos.
Und unterstes Niveau war die Verbindung des Rechtschreibungsdoppel-S und der SS im Dritten Reich: Ohne „ss“ wäre dem Dritten Reich viel Schrecken erspart geblieben. Gerade dieses schwierige Thema muss man wirklich beherrschen, um auf der Bühne damit bestehen zu können. (Birgit Botzenhart)