Mit einem vielfältigen Festwochenende feiert der Heilbrunner Trachtenverein Buchbergler ab Donnerstag sein 100-jähriges Bestehen.
Bad Heilbrunn – Vielerorts in Bayern wurden im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert Trachtenvereine gegründet. Sie folgten dem Beispiel des Bayrischzeller Trachtenvereins, der 1883 als erstes Verbündnis dieser Art aus der Taufe gehoben worden war, um „die kleidsame Volkstracht“ und „den alten Gebirgs-Volks-Gesang“ vor dem Verschwinden zu bewahren. Nach dem Stillstand in den trüben Jahren des Ersten Weltkriegs suchten viele Menschen neuen Auftrieb für ihren Lebensalltag – es entstanden erneut Trachtenvereine, nicht zuletzt auch, um wieder Geselligkeit einkehren zu lassen.
Der Bad Heilbrunner Gebirgstrachtenerhaltungsverein „D’ Buchbergler“ ist eines der Verbündnisse, die sich 1919 konstituierten und somit heuer ihren 100. Geburtstag feiern. Es waren die Brüder Andreas, Johann und Josef Rest, die damals den Grundstein für die Formation legten und ihr den Namen „Die lustigen Zwieselalmer“ gaben. Drei Jahre später fand die Umbenennung in „D’ lustigen Buchbergler Enzenau“ statt – der Anlass dafür ist nicht überliefert.
Das erste große Ereignis für den Verein war 1923 die Weihe einer Fahne. Deren Anschaffung habe ein großes Loch in den Etat gerissen, ist in der Chronik nachzulesen: 350 000 Reichsmark mussten dafür aufgewendet werden. Dazu kamen noch Ausgaben in Höhe von 330 000 Reichsmark für den Kleiderstoff der Trachtengewänder der Madln. Da war es natürlich im weiteren Verlauf umso erfreulicher, dass man mit Schuhplattlerabenden, Almhoagascht, Waldfesten und Theateraufführungen nicht nur ein aktives Miteinander pflegen, sondern auch Einnahmen generieren konnte. Der auflebende Kurbetrieb ließ es nicht an Publikum mangeln. Nachdem der Ausschuss einen Beitritt zum Loisachgau zunächst abgelehnt hatte, kam es 1933 doch zu diesem Schritt – „wahrscheinlich auf Druck der Nationalsozialisten“, ist in den Aufzeichnungen vermerkt.
Während des II. Weltkriegs kam das Vereinsleben völlig zum Erliegen. Der Neubeginn, den ein paar der verbliebenen Mitglieder am 4. Mai 1946 in die Wege leiteten, war alles andere als einfach: Um ein öffentliches Auftreten des Vereins mit Fahne genehmigt zu bekommen, musste etwa bei der amerikanischen Besatzungsmacht in Bad Tölz eine Bürgschaft geleistet werden. Zudem fehlte es an jungen Leuten zur Einübung der Schuhplattler und Trachtentänze. Allmählich ging es wieder aufwärts, 1950 entstand aus dem Trachtenverein heraus die Musikkapelle Bad Heilbrunn. Inzwischen ist vieles anders als seinerzeit, als für die Fahrten zu auswärtigen Trachtenfesten noch ein Lkw benutzt wurde.
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Bis heute beibehalten hat der Verein die jährliche Messe am Bergkreuz auf dem Stallauer Eck, das er 1952 zum Gedenken an die Gefallenen und Vermissten der Gemeinden Bad Heilbrunn und Oberbuchen errichtet und 1986 erneuert hat. Relativ früh ersetzt werden musste auch die Fahne – die Weihe des neuen Exemplars wurde 1959 in Verbindung mit dem 40-jährigen Gründungsfest und dem Loisachgaufest groß gefeiert. Stolz waren die Aktiven, als es dann 1974 gelang, eine Jugendgruppe aufzubauen.
Mit dem zweiten örtlichen Trachtenverein „Reindlbachtaler“ hatte es seit jeher eine gute Zusammenarbeit gegeben. Mitgliederschwund, Nachwuchsmangel und vakante Vorstandsämter führten dazu, dass dieses Brauchtumsverbündnis sich 2014 bei den Buchberglern eingliederte.
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Anton Lindmair, seit 2006 Vorstand der Buchbergler, schaut angesichts des 100. Gründungsjubiläums zuversichtlich in die Zukunft: „Wir sind gut aufgestellt. In der Vorstandschaft läuft es bestens, wir haben drei engagierte Jugendleiter und eine starke Nachwuchsgruppe. Tracht kommt in der Gesellschaft wieder gut an.“ Für die am Donnerstag beginnenden Festtage wünschen sich die Organisatoren, „dass die Bürger und die Bevölkerung rundherum zahlreich mitfeiern und unsere Veranstaltungen im Zelt besuchen“. (Rosi Bauer)
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Internet: www.Festwoche-BadHeilbrunn.de
