Auf der Lenggrieser Festwoche

„Versager“ und „Schulabbrecher in Rudelstärke“: Aiwanger rechnet mit Bundesregierung ab

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Hubert Aiwanger hielt am Dienstagabend eine Rede auf der Lenggrieser Festwoche.
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Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger hat die Bundesregierung scharf kritisiert. In einer Bierzelt-Rede hatte er es vor allem auf die Grünen abgesehen.

Lenggries – Es war das erwartete Heimspiel für Hubert Aiwanger: Am Dienstagabend war der stellvertretende bayerische Ministerpräsident und Wirtschaftsminister auf der Lenggrieser Festwoche zu Gast. Der Kreisverband der Freien Wähler und Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FWG) hatten zum politischen Abend eingeladen. Zahlreiche Lokalpolitiker waren dazu erschienen, darunter Landrat Josef Niedermaier (FW) und der Kochler Bürgermeister und CSU-Landtagskandidat Thomas Holz.

Gegen „Politik für Minderheiten und schräge Gestalten“: Hubert Aiwanger im Wahlkampf-Modus

Klaffenbacher eröffnete die Veranstaltung mit einer Abrechnung mit der Bundespolitik. Berlin stelle die Kommunen vor „nahezu unlösbare Aufgaben“. Die „augenscheinlich planlose Flüchtlingspolitik“ bereite ihm genauso Sorgen wie das geplante Heizungsgesetz. „Dieser Gesetzentwurf ist ein einziger, massiver Insolvenztreiber“, schimpfte Klaffenbacher. Klimaschutz sei wichtig, doch der Bürger müsse ihn sich auch leisten können. „Wir brauchen in der Landesregierung eine starke Mitte“, so Klaffenbacher.

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Dann schlug die Stunde für Hubert Aiwanger, der im prall gefüllten Lenggrieser Bierzelt von rund 1300 Besuchern jubelnd empfangen wurde. Er freute sich über „vernünftige und anständige Leute“. Die Eckpfeiler „Leistung, Eigentum, Heimat und Familie“ stellte er in seiner Rede einer „Politik für Minderheiten und schräge Gestalten“ gegenüber.

Lenggrieser Festwoche: Hubert Aiwanger verteidigt Landwirte

Die Landwirtschaft in Bayern stecke in einer tiefen Krise, erklärte Aiwanger, selbst Sohn eines Landwirts und studierter Agraringenieur. „In den 1990er-Jahren gab es in Bayern noch knapp 300 000 Milchviehhalter, jetzt sind es noch 20 000 bis 25 000“, sagte Aiwanger.

In den 1990er-Jahren gab es in Bayern noch knapp 300 000 Milchviehhalter, jetzt sind es noch 20 000 bis 25 000.

Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger

„Bei den Schweinen ist es genauso: Da hatten wir vor 30 Jahren noch 100 000 Schweinehalter, heute sind es noch 5000.“ Reglementierung und schlechte Preise machten es den Landwirten schwer. „Selbstversorgung“ statt „Stilllegung“ sei der richtige Weg, ansonsten müsse das Fleisch aus Spanien und China importiert werden.

Hubert Aiwanger: Beim Heizungsgesetz redet sich der Freie-Wähler-Chef in Rage

Beim Heizungsgesetz redete sich der stellvertretende Ministerpräsident in Rage. Man könne nur mit dem Kopf schütteln, „welche Versager hier solche Gesetze in Umlauf bringen“. Schon die Neandertaler hätten gewusst, „dass man mit Holz einheizen kann“, und „die in Berlin“ wüssten es bis heute nicht.

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„Schul-, Berufs- und Studienabbrecher“ seien „in Rudelstärke da oben“, weshalb es „gesunden Menschenverstand aus Bayern“ brauche. Die meisten Häuser in der Region könnten – ohne sich „zu Tode zu sanieren“ – mit einer Wärmepumpe schlichtweg nicht betrieben werden. Das Heizungsgesetz sei eine „Finanzfalle“. Es brauche eine „Energiepolitik der Vernunft, nicht der Brechstange“.

Aiwanger fordert Steuerentlastungen und schnellere Abschiebungen

Aiwanger forderte eine Entlastung für die Bürger über die Abschaffung der Erbschaftssteuer, Einkommen bis 2000 Euro im Monat steuerfrei und Entlastungen für Rentner. Migranten sollten schneller in den Arbeitsmarkt integriert, abgelehnte Asylbewerber abgeschoben werden.

Rund 1300 Besucher waren zu Hubert Aiwangers Auftritt bei der Lenggrieser Festwoche erschienen.

Der Tourismus in der Region solle gestärkt werden, etwa durch die Beibehaltung der gesenkten Mehrwertsteuer in der Gastronomie, die zum Jahresende auslaufen soll. „Wir können noch mehr im Tourismus verdienen“, meinte Aiwanger und bekannte sich zur Beschneiung und dem Seilbahnbetrieb in Bayern. Auch für das Handwerk und die Schützenvereine ergriff der 52-Jährige Partei.

Aiwanger bekennt sich zur Koalition mit der CSU: „Will keine Grünen in der Landesregierung sehen“

Aiwanger, der im Isarwinkel noch eine Spur bairischer und heimatverbundener auftrat als sonst, präsentierte sich in seiner Rede als Anwalt der Landbevölkerung. „Redet uns nicht überall rein, sonst werden wir narrisch“, sagte er an die „Ideologen“ und „Klimakleber“ gerichtet. Sein Ziel sei es, „die heile Welt auf dem Land zu erhalten“.

Bayern von oben: 10 eindrucksvolle Aufnahmen, die den Freistaat von seiner schönsten Seite zeigen

Dieses Bild zeigt den Großen Ostersee im Fünfseenland. Eindrucksvoll zu sehen sind das paradiesische Wasser mit seiner prächtigen Farbe und die vielfältige Umgebung rund um den See. Nicht umsonst ist Bayern auch für seine teils atemberaubende Seenlandschaft bekannt.
Dieses Bild zeigt den Großen Ostersee im Fünfseenland. Eindrucksvoll zu sehen sind das paradiesische Wasser mit seiner prächtigen Farbe und die vielfältige Umgebung rund um den See. Nicht umsonst ist Bayern auch für seine teils atemberaubende Seenlandschaft bekannt. © Peter Widmann / IMAGO
Die Fränkische Schweiz in Oberfranken begeistert mit malerischer Natur, atemberaubenden Burgen und Ruinen. Sie ist eine Tourismusregion, die Jahr für Jahr zahlreiche Menschen in ihren Bann zieht. Ob man mit der historischen Dampfbahn die Landschaft erkundet oder Gößweinstein mit Burg und Wallfahrtskirche zur Heiligen Dreifaltigkeit (im Bild) besucht – die Leute schwärmen von der Gegend und den vielfältigen Möglichkeiten.
Die Fränkische Schweiz in Oberfranken begeistert mit malerischer Natur, atemberaubenden Burgen und Ruinen. Sie ist eine Tourismusregion, die Jahr für Jahr zahlreiche Menschen in ihren Bann zieht. Ob man mit der historischen Dampfbahn die Landschaft erkundet oder Gößweinstein mit Burg und Wallfahrtskirche zur Heiligen Dreifaltigkeit (im Bild) besucht – die Leute schwärmen von der Gegend und den vielfältigen Möglichkeiten. © imagebroker / IMAGO
Eine Luftaufnahme, die gleich vier bayerische Markenzeichen in sich vereint: Im Vordergrund das weltberühmte Schloss Neuschwanstein, dahinter der malerische Alpsee und im Hintergrund dann die bayerischen Alpen. Und das alles umgeben von Bäumen in den unterschiedlichsten Farben – für Naturliebhaber und Wanderer ist der Freistaat ein Ort der unbegrenzten Möglichkeiten.
Eine Luftaufnahme, die gleich drei bayerische Markenzeichen in sich vereint: Im Vordergrund das weltberühmte Schloss Neuschwanstein, dahinter der malerische Alpsee und im Hintergrund dann die bayerischen Alpen. Und das alles umgeben von Bäumen in den unterschiedlichsten Farben – für Naturliebhaber und Wanderer ist der Freistaat ein Ort der unbegrenzten Möglichkeiten. © Action Pictures / IMAGO
Der Bayerische Wald, hauptsächlich in Niederbayern gelegen, ist Teil eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Europas. Kategorisiert ist er als Mittelgebirge, das sich auf etwa 100 Kilometer an der Grenze zwischen Bayern und Tschechien erstreckt. Innerhalb des Bayerischen Waldes liegt der Nationalpark Bayerischer Wald, der Besucher mit zahlreichen Wanderwegen und Informationszentren zum Erkunden einlädt.
Der Bayerische Wald, hauptsächlich in Niederbayern gelegen, ist Teil eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Europas. Kategorisiert ist er als Mittelgebirge, das sich auf etwa 100 Kilometer an der Grenze zwischen Bayern und Tschechien erstreckt. Innerhalb des Bayerischen Waldes liegt der Nationalpark Bayerischer Wald, der Besucher mit zahlreichen Wanderwegen und Informationszentren zum Erkunden einlädt. © Alexander Rochau / IMAGO
Die Alpen: Ein weiteres Markenzeichen des Freistaats. Das Hochgebirge zieht sich durch acht Länder, auch Alpenstaaten genannt: Frankreich, Monaco, Italien, Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Österreich und Slowenien. Der höchste Berg der Alpen ist der französisch-italienische Mont Blanc mit 4808 Höhenmetern, gefolgt von der Dufourspitze und der Zumsteinspitze. Davon ist die Zugspitze, der höchste Berg Deutschlands, mit „nur“ 2.962 Metern Höhe, sehr weit von entfernt.
Die Alpen: Ein weiteres Markenzeichen des Freistaats. Das Hochgebirge zieht sich durch acht Länder, auch Alpenstaaten genannt: Frankreich, Monaco, Italien, Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Österreich und Slowenien. Der höchste Berg der Alpen ist der französisch-italienische Mont Blanc mit 4808 Höhenmetern, gefolgt von der Dufourspitze und der Zumsteinspitze. Davon ist die Zugspitze, der höchste Berg Deutschlands, mit „nur“ 2.962 Metern Höhe, sehr weit von entfernt. © Westend61 / IMAGO
Die bayerische Landeshauptstadt München ist auch eine Stadt der Gegensätze. „München ist ein Dorf“ lautet ein geflügeltes Sprichwort, und es verdeutlicht diesen gelebten Widerspruch: Einerseits versteht man sich als Weltmetropole mit Großereignissen wie dem Oktoberfest und der Sicherheitskonferenz, andererseits als familiäre Stadt, die ihren Wurzeln und Bräuchen treu geblieben ist und wo sich die meisten Einwohner schon mindestens einmal über den Weg gelaufen sind. Diesen Gegensatz spiegelt auch die Luftaufnahme wider – findet sich dort die Theresienwiese, die einmal pro Jahr Millionen von Menschen beherbergt, ein Hochhaus sucht man aber vergebens.
Die bayerische Landeshauptstadt München ist auch eine Stadt der Gegensätze. „München ist ein Dorf“ lautet ein geflügeltes Sprichwort, und es verdeutlicht diesen gelebten Widerspruch: Einerseits versteht man sich als Weltmetropole mit Großereignissen wie dem Oktoberfest und der Sicherheitskonferenz, andererseits als familiäre Stadt, die ihren Wurzeln und Bräuchen treu geblieben ist und wo sich die meisten Einwohner schon mindestens einmal über den Weg gelaufen sind. Diesen Gegensatz spiegelt auch die Luftaufnahme wider – findet sich dort die Theresienwiese, die einmal pro Jahr Millionen von Menschen beherbergt, ein Hochhaus sucht man aber vergebens. © Action Pictures / IMAGO
Regensburg hat mit dem Dom und der Steinernen Brücke nicht nur zwei überregional bekannte Wahrzeichen, die ganze Stadt ist ein Wahrzeichen – denn sie ist offiziell UNESCO-Welterbe. Sie gilt „deutschlandweit als am besten erhaltene mittelalterliche Großstadt“, schreibt auch das Stadtportal stolz auf der eigenen Website. Heute gilt Regensburg auch als Studentenstadt, rund 30.000 junge Menschen sind in Regensburg immatrikuliert.
Regensburg hat mit dem Dom und der Steinernen Brücke nicht nur zwei überregional bekannte Wahrzeichen, die ganze Stadt ist ein Wahrzeichen – denn sie ist offiziell UNESCO-Welterbe. Sie gilt „deutschlandweit als am besten erhaltene mittelalterliche Großstadt“, schreibt auch das Stadtportal stolz auf der eigenen Website. Heute gilt Regensburg auch als Studentenstadt, rund 30.000 junge Menschen sind in Regensburg immatrikuliert.  © Alexander Rochau via www.imago-images.de
Nürnberg in Mittelfranken ist die zweitgrößte Stadt Bayerns. Mit der malerischen Altstadt und zahlreichen Sehenswürdigkeiten, wie dem Christkindlesmarkt, der Kaiserburg und der Stadtmauer, begeistert die „Spielzeugstadt“ Einwohner und Touristen gleichermaßen.
Nürnberg in Mittelfranken ist die zweitgrößte Stadt Bayerns. Mit der malerischen Altstadt und zahlreichen Sehenswürdigkeiten, wie dem Christkindlesmarkt, der Kaiserburg und der Stadtmauer, begeistert die „Spielzeugstadt“ Einwohner und Touristen gleichermaßen.  © Westend61 / IMAGO
Der Blick auf den Forggensee und den Bannwaldsee sowie deren Umgebung im bayerischen Allgäu zeigt eindrucksvoll die Vielfältigkeit der Landschaft in Bayern. Wälder, Dörfer, Wiesen und Äcker, dazu ein blauer Himmel mit weißen Wolken – aus der Luft betrachtet kann der Freistaat fast wie ein zu bunt geratenes Brettspiel aussehen. Das aber tatsächlich der Realität entspricht und geradezu auffordert, die Wanderschuhe anzuziehen und loszumarschieren.
Der Blick auf den Forggensee und den Bannwaldsee sowie deren Umgebung im bayerischen Allgäu zeigt eindrucksvoll die Vielfältigkeit der Landschaft in Bayern. Wälder, Dörfer, Wiesen und Äcker, dazu ein blauer Himmel mit weißen Wolken – aus der Luft betrachtet kann der Freistaat fast wie ein zu bunt geratenes Brettspiel aussehen. Das aber tatsächlich der Realität entspricht und geradezu auffordert, die Wanderschuhe anzuziehen und loszumarschieren. © imagebroker / IMAGO
Diese Montage zweier Luftaufnahmen zeigt einen Wald in Bayern, einmal im Sommer (links) und einmal im Winter (rechts). Mit den immer deutlicher auftretenden Auswirkungen des Klimawandels ändern sich auch die Jahreszeiten im Freistaat: Die Winter fallen durchschnittlich wärmer und trockener aus, die Sommer heißer und trockener. Darunter leidet die bayerische Natur immer mehr.
Diese Montage zweier Luftaufnahmen zeigt einen Wald in Bayern, einmal im Sommer (links) und einmal im Winter (rechts). Mit den immer deutlicher auftretenden Auswirkungen des Klimawandels ändern sich auch die Jahreszeiten im Freistaat: Die Winter fallen durchschnittlich wärmer und trockener aus, die Sommer heißer und trockener. Darunter leidet die bayerische Natur immer mehr. © Panthermedia / IMAGO

„Ich will im Herbst in Bayern mit der CSU weiterregieren“, sagte Aiwanger, „und ich will keine Grünen in der Landesregierung sehen“. Vom Lenggrieser Publikum bekam er dafür frenetischen Applaus. Beinahe konnte man vergessen, dass die Freien Wähler und Aiwanger selbst seit 2018 in landespolitischer Verantwortung stehen. (vfi)

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