Jede Menge Arbeit trotz bevorstehender Werksschließung

HAP in Penzberg: Eine Million Euro Verlust pro Monat - müssen Arbeitnehmer um Abfindungen bangen?

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Im April machten die Arbeitnehmer von HAP ihrem Unmut über die Schließung des Penzberger Werks Luft.

Kurios präsentiert sich derzeit die Lage bei der „Hörmann Automotive Penzberg GmbH“ (HAP). Wie berichtet, will der „Hörmann“-Konzern das Werk zum 30. Juni 2020 stilllegen. Aber wie Daniela Fischer von der IG Metall  mitteilt, arbeiten die rund 600 Mitarbeiter trotzdem weiter am Anschlag.

Penzberg – Seit Bekanntwerden der Werksschließung habe der Hauptkunde MAN mehr seiner bestellten Teile abgerufen. Das bedeute, dass sich die Produktionsmenge erhöht habe. Es sei jedoch unklar, so Fischer, ob MAN die Produktionsmenge nur kurzfristig erhöht habe, um vorzeitig aussteigen zu können, oder ob es sich um zusätzliche Aufträge handele.

Auch wie lange die Auslastung andauere, könne sie nicht sagen. Wie die Bevollmächtigte weiter mitteilt, seien vom Arbeitgeber bisher auch noch keine Kündigungen ausgesprochen worden. Fischer vermutet aber, dass es noch im Laufe des Julis soweit sein wird, da lange Kündigungsfristen eingehalten werden müssten.

Für alle HAP-Mitarbeiter gelte eine durchschnittliche Kündigungsfrist von 5,6 Monaten. Für Mitarbeiter, die beispielsweise besonders lange im Betrieb beschäftigt gewesen seien, gelte sogar eine Frist von bis zu 7 Monaten. Eigentlich, so Fischer, hätte dem Großteil der Mitarbeiter bis Ende dieses Jahres gekündigt sein sollen, damit das Werk dann bis Ende Juni 2020 geschlossen werden kann.

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Angesichts der derzeitigen Auslastung vermutet Fischer jedoch, dass sich die Schließung nach hinten verlagern könnte. Das sei möglich, da mit dem Arbeitgeber eine Zeitspanne für die Schließung von drei Monaten vereinbart worden sei.

Einige Mitarbeiter hätten bereits von sich aus gekündigt und damit bewusst Abschläge bei der Abfindung in Kauf genommen, so Fischer weiter. Deren Zahl sei aber noch nicht so groß, dass dadurch die Produktion gefährdet sei. Dass ist wichtig für die verbleibenden Mitarbeiter. Denn käme es zum Bandabriss, würde „Hörmann“ gegenüber seinen Kunden schadenersatzpflichtig und hätte kein Geld mehr, um wie vereinbart in das Treuhandkonto einzuzahlen, über das die Abfindungen für die Mitarbeiter abgesichert sind.

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Ende November stehe dieses Treuhandkonto jedoch zur Verfügung. Das bedeute, dann seien die Abfindungen für alle Mitarbeiter gesichert.

Nachgefragt beim „Hörmann“-Konzern in Kirchseeon, bestätigt Geschäftsführer Michael Radke in einer schriftlichen Stellungnahme, dass ersten Kündigungen noch in diesem Monat ausgesprochen werden sollen. Wegen der „notwendigen Vorlauffertigungen im Zusammenhang mit der Verlagerung“ sei HAP derzeit tatsächlich voll ausgelastet.

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Allerdings, so Radke, werde dabei monatlich rund eine Million Euro Verlust erwirtschaftet. Die Verlagerung von Teilen und Maschinen zu anderen Standorten – etwa ins Werk im slowakischen Banovce – sei bereits im Juni angelaufen und werde „in den nächsten Monaten forciert“. Dass sich die Schließung des Werkes verzögern könnte, verneint er. HAP werde „planmäßig“ zum 30. Juni 2020 geschlossen. VON FRANZISKA SELIGER

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