VonJonas Napiletzkischließen
150 Einsatzkräfte kämpften gegen die Flammen: Doch das Gebäude ist nicht mehr zu retten. Familie Huber aus Freigut (Agatharied) hat nach einem verheerenden Brand vor wenigen Wochen ihr Zuhause verloren. Eltern und Kinder mussten erstmal getrennt unterkommen. Wie die Familie damit umgeht.
Agatharied – Es war ein lauter Knall, der die Familie Huber am späten Abend des 10. Mai hochgeschreckt hat. „Es hat sich angehört wie die Kanonen, mit denen man beim Aufwecken schießt“, erinnert sich Thomas Huber (34) Wochen später. Die Familie eilte nach draußen und schaute fassungslos auf ihr eigenes Haus: Flammen züngelten an der früheren Tenne, die Huber erst 2017 in mühevoller Eigenleistung mit seinem Vater und Freunden zur Wohnung ausgebaut hatte. Um 22.40 Uhr setzte er den Notruf ab. Was danach passierte: Rund 150 Einsatzkräfte eilten zum Weiler Freigut bei Agatharied und kämpften bis in die Morgenstunden gegen die Flammen.
Alles ging wahnsinnig schnell
Huber selbst kann sich an diese Nacht kaum noch erinnern. „Es ging alles wahnsinnig schnell.“ Polizei, Feuerwehr, viele wollten mit ihm sprechen, während Huber zuschauen musste, wie sein Zuhause abbrennt. Das Haupthaus, in dem Hubers Eltern wohnen, konnte die Feuerwehr auch dank des Pools im Garten retten, aus dem ein Teil des Löschwassers kam. Der 34-Jährige will den Einsatzkräften für ihre „grandiose Arbeit“ danken. Die Garagen und das Lager in der ehemaligen Tenne und dem früheren Kuhstall brannten trotzdem aus. Auch die Wohnung der Hubers, die durch eine Brandwand eigentlich gut geschützt war, muss abgerissen werden. Ruß, Rauch und das Löschwasser durchs Dach machten das Zuhause und alles, was sich darin befand, unbrauchbar.
Neue Bleibe bereits in Sicht: Aktiv sein zahlt sich aus
Am Tag danach zog Huber mit seiner Frau (36) zurück ins Kinderzimmer im Elternhaus, die eigenen Kinder – vier und sechs Jahre alt – kamen bei Hubers Schwester unter. So wertvoll die schnelle Hilfe ist, so eng wohnt die Familie seitdem zusammen. „Wir werden demnächst woanders unterkommen“, berichtet Huber. Gefunden hat die Familie schon etwas. „Uns war es wichtig, dass wir in Agatharied bleiben können, damit unser Ältester im nächsten Jahr ganz normal im Ort in die Schule gehen kann.“ Die vielen, wirklich ernst gemeinten Hilfsangebote weiß Huber sehr zu schätzen. „Da macht es sich bezahlt, dass man aktiv im Ort ist“, sagt der 34-Jährige, der sich unter anderem als Vorsitzender der Agatharieder Trachtler engagiert.
Wertvolles und Liebgewonnenes verloren
Trotzdem schmerzt die junge Familie der Verlust des Zuhauses sehr. Nicht nur das Gebäude selbst, auch Emotionen und Andenken seien verloren gegangen. In der Wohnung traf es Kinderspielzeug, mit dem Huber selbst noch gespielt hatte, genauso wie Geschenke und Erinnerungsstücke der eigenen Kinder, die nun entsorgt werden mussten. In der alten Tenne, die sein Vater – selbstständiger Küchenmonteur – als Lager genutzt hatte, brannten eingelagerte Küchen und Ersatzteile ab. Besonders schlimm sei für seinen Vater der Verlust eines Oldtimers, den er in den vergangenen Jahren mühevoll hergerichtet hatte. „Das Auto war gerade fertig und sollte demnächst zum TÜV kommen“, sagt Huber. Völlig zerstört wurde außerdem auch ein Fiat 441 – „vor 60 Jahren einer der modernsten Traktoren“, sagt der 34-Jährige. Bis zum Brand war der Traktor zum Holzspalten und für die Landwirtschaft im Nebenerwerb im täglichen Einsatz. Ob die platzenden Reifen, die die Familie aufgeschreckt hatten, von jenem Traktor kamen, darüber lässt sich jetzt nur noch spekulieren.
Versicherung schnell vor Ort
Die Liste der Schäden ließe sich noch lange fortsetzen: Auch ein Lieferwagen, zwei Anhänger, alte Pferdeschlitten mit Geschirr und eine alte Zündapp brannten ab. „Damit sind wir im Sommer immer gerne zum See gefahren“, erinnert sich Huber. „Das Wichtigste ist aber, dass wir alle gesund sind.“ Eine Familie und Kinder könne einem niemand wieder geben. „Alles andere lässt sich ersetzen.“ Zum Glück sei auch die Versicherung schnell vor Ort gewesen. „Bisher kann ich davon nur Positives berichten.“
Gerüchte im Umlauf – und Gaffer vor Ort
Zwei Dinge liegen ihm dann aber doch noch auf dem Herzen: Einerseits will er mit den Gerüchten aufräumen, die es im Ort gibt. So sei die Brandursache – anders als spekuliert – sicher kein Elektroauto gewesen. „Sowas besitzen wir nicht.“ Welcher technische Defekt letztlich zum Brand geführt hatte, sei noch unklar. Und ebenso wenig habe seine Frau einen Schalk aus dem brennenden Haus gerettet, meint Huber kopfschüttelnd zu den Gerüchten. „Es waren mehrere solcher Kleinigkeiten, die man sich erzählt.“ Hubers anderer Punkt betrifft die Schaulustigen: Viele Autofahrer seien an den Tagen danach auf der Straße stehengeblieben, um Fotos zu machen. „Ein Wunder, dass kein Unfall passiert ist.“ Andere seien sogar mit dem Radl auf den Hof gefahren, um zu knipsen. „Das war echt unangenehm.“
