Blick in die Geschichte

Helden in der Winterluft: Erinnerungen an die legendäre Skisprungschanze in Benediktbeuern

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Auf einer Schneise mitten im Wald am Windpässel ging es steil bergab. Dieses Bilder zeigt Georg Hundegger beim Sprung, aufgenommen damals von „Photo Thoma“. Rechts sieht man noch den Kampfrichterturm am Waldrand.
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Heute wie damals ist Skispringen die Königsdisziplin im Wintersport. Die Springer, die mutig eine steile Schanze hinabfahren, gelten als Helden. Benediktbeuern war einst eine Hochburg dieser Sportart.

Benediktbeuern – Die Ausstellung über 33 ehemalige Skisprungschanzen im Oberland im Tölzer Landratsamt ist in der Region auf breites Interesse gestoßen – und dabei wurde so manche Erinnerung wach. Auch in Benediktbeuern gab es damals eine Sprungschanze, die weit über die Region hinaus bekannt war.  Alfred Hundegger aus Benediktbeuern besitzt noch ein altes Fotoalbum mit Aufnahmen von seinem 1999 verstorbenen Vater Georg. Dieser war einer der Sprung-Pioniere im Klosterdorf.

Die Bilder, die Hundegger jetzt dem Tölzer Kurier gezeigt hat, haben Seltenheitswert und dokumentieren die Anfänge des Skispringens im Tölzer Land. Heute ist von der Schanze fast nichts mehr zu sehen.

Der Wintersport war einst der Grundstock des im Dezember 1923 gegründeten Vereins, geht aus dessen Chronik hervor. Und das Interesse war groß, schon nach zwei Wochen konnte man 76 Mitglieder verzeichnen. Die erste Veranstaltung im Januar 1924 war ein Rodelrennen, aber Skispringen und Langlauf standen damals im Mittelpunkt.

Nach sich lange hinziehenden Verhandlungen mit dem Staatlichen Forstamt und einigen Grundbesitzern konnte der Verein 1929 mit großem finanziellem Aufwand mit Planung und Bau der Sprungschanze am Windpässel beginnen, heißt es in der Chronik zum 75-jährigen Vereinsjubiläum 1999. Es mussten 1100 Kubikmeter Erdreich bewegt werden – ohne Planierraupe, versteht sich. Im Januar 1931 war die „Schanze in Naturbauweise“ endlich fertig und wurde eingeweiht.

Weitester Sprung betrug über 40 Meter

In den Jahren vor und nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Schanze bis zirka 1969 ihre schönsten Jahre. Martin Auer, Hans Rest, Georg Eberle und Josef Oppacher waren damals die „Stars“ unter den Springern, dann folgte die jüngere Generation mit Johann und Benedikt Zerluth, Karl Meier, Benedikt und Georg Stempfel, Otto Thalhuber, Benedikt Guggemoos und Georg Hundegger. „Für meinen Vater war es das Höchste“, erinnert sich Alfred Hundegger.

Die Ski ans Motorrad geschnallt: So ging es damals zum Springen nach Hausham. Weitere historische Bilder sehen Sie in der Wochenend-Ausgabe des Tölzer Kurier.

Regelmäßig gab es Springen am Windpässel, das Zuschauerinteresse – das zeigen die Bilder – war recht groß. „Springer kommt!“, schallte es durch den Wald. Heutzutage ist es unvorstellbar, dass die Skispringer zwischen den Bäumen hindurch sausen. Der weiteste Sprung am Windpässel soll 43 Meter betragen haben.

Die Kampfrichter saßen damals in einem Turm aus Holz und beobachteten die Springer. 1933 gab es sogar einen „Dreikampf“ aus Abfahrtslauf, Langlauf und Skisprung.

Damals gab es in Benediktbeuern noch die Ski-Manufaktur Eberle, deren „Eberle-G’schoße“ sehr populär waren. Die Sieger fuhren meistens deren Fabrikate. Das Familienunternehmen gab es bis 1989. Die Ski waren damals 2,50 Meter lang und aus Holz, häufig aus Esche.

Springer der deutschen Nationalmannschaft zu Gast 

Dass die „Springer-Szene im Oberland“ gut vernetzt war, machte die Ausstellung im Landratsamt deutlich. Auch Alfred Hundegger kann berichten, dass sein Vater mit Freunden zum Springen bis nach Hausham fuhr. Die langen Ski legten sie einfach übers Motorrad. „Das muss man sich heute mal vorstellen“, sagt Hundegger. Was die Springer damals geleistet hätten, sei „wahnsinn gewesen“. Über schwere Unfälle sei so gut wie nichts überliefert. „Ich weiß nur, dass sich ein Heilbrunner mal beide Beine gebrochen hat.“ In den 1950er- und 1960er-Jahren waren mehrmals bekannte Skispringer in Benediktbeuern zu Gast, in der Chronik werden Edi Heilingbrunner von der deutschen Nationalmannschaft sowie Roger und Bernard Dion vom amerikanischen Nationalteam genannt. 1967 wurden am Windpässel die Werdenfelser Jugendmeisterschaften in der Nordischen Kombination veranstaltet (Skisprung und Langlauf). In den 1970er-Jahren begann der sogenannte Aufsprunghang abzurutschen, es fanden immer weniger Springen statt, und folglich sank das Interesse bei Springern und Zuschauern.

Der Verein war da schon längst in anderen Bereichen gewachsen. Bereits 1932 hatte man sich aus organisatorischen Gründen mit dem Turnverein und mit Bichl zusammengeschlossen, sodass der Verein seither Turn- und Sportverein Benediktbeuern-Bichl heißt. Angeboten werden heute die Sparten Fußball, Judo, Schwimmen und Turnen sowie Ski und Mountainbike. 

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