Ein Mitarbeiter der Greilinger Deponie zog einmal ein mysteriöses Heftchen aus dem Abfall. Es stellte sich heraus, dass es sich um ein durchaus interessantes historisches Dokument handelte. Die Spur führt zum Tölzer Verein der Floßleute.
Bad Tölz – Wer mag Heinrich Hilger gewesen sein? Auf einem Mitgliedsausweis aus dem Jahr 1909 steht sein Name und die Berufsbezeichnung: Flößer. Den Ausweis und ein kleines Heftchen „Statuten des Vereins der Floßleute“ hat einst ein aufmerksamer Mitarbeiter der Greilinger Deponie aus dem Abfall gezogen und dem damaligen Chef, Johann Rieger, gegeben. Der hat die zwei historischen Dokumente aufbewahrt und vor Kurzem dem Tölzer Kurier übergeben. Vielleicht sei ja etwas herauszubekommen.
Mathias Mederle sen., der Vorstand des erst 1951 gegründeten Lenggrieser Holzhacker- und Flößervereins, findet auf Anfrage eines gleich bemerkenswert: Dass es nämlich in Tölz um das Jahr 1909 einen organisierten Verein gegeben hat. In Lenggries trafen sich die in der Regel selbstständigen und nicht organisierten Flößler nämlich alle Jahre zur „Floßleitversammlung“ an Montag nach Dreikönig.
Eine Versammlung war wie eine Bruderschaft eine kirchliche Vereinigung. Dementsprechend sind mit die frühesten historischen Spuren der hiesigen „Flosleith“, auf die Mederle verweisen kann, Vermerke in den Lenggrieser Kirchenbüchern, wonach die Flößer für „Beleichtung und Opferwein“ zuständig waren. Das war 1764. Bereits 80 Jahre früher, so steht es in der Glonner-Chronik, brachten Lenggrieser Flößer für Kurfürst Max Emanuel Kriegsmaterial und Proviant auf Isar und Donau bis ins ungarische Buda.
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Zurück zum Tölzer Flößerverein, der im März 1909 von 17 Flößern im „Kolberbräu“ wieder gegründet wurde, wie es im Bericht des Tölzer Kurier heißt. Auch dieser Verein hatte einen kirchlichen Hintergrund. Vereinszweck war zum einen die Erhaltung und Instandsetzung der kirchlichen Fahnen, Statuen und Standarten. Zum anderen wurde festgelegt, dass stets am 16. Mai, Namenstag des Flößerpatrons Johannes von Nepomuk, ein Jahramt gehalten wird. Mit den Mitgliedsbeiträgen (monatlich 30 Pfennig) wurde für jeden verstorbenen Flößer eine Seelenmesse gelesen.
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Zum ersten Vereinsvorsitzenden wurde 1909 Martin Jäger gewählt. Er bat die Anwesenden darum, jedem verunglückten Kamerad zu Hilfe zu kommen, „da das Flößergewerbe so viele Gefahren mit sich bringt und jede Stunde das größte Unglück geschehen kann“. In der Versammlung wurde von den „jungen Wasserratten“ (Tölzer Kurier) mit Freude registriert, dass sich mit den Herren Bernhard, Geisreiter und Krinner auch drei alte Floßmeister eingefunden hatten. Sie versicherten, dass sie zwar nicht für den Verein tätig sein könnten, „aber so lange in treuer Hingabe ausharren werden, bis sie die letzte Fahrt antreten müssen“.
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Was aus dem Tölzer Verein geworden ist, ist unbekannt.
Christoph Schnitzer
