Expertin gibt Tipps

Immer mehr heiße Tage im Chiemgau: „Ein Hitzeschutzkonzept kommt allen zugute“

+
Der Wendelsteinplatz in Prien wird immer wieder genannt, wenn es um Maßnahmen für Hitzeschutz in der Marktgemeinde geht.
  • schließen

Die Zahl der Hitzetage in der Region nimmt nachweislich zu. Das ist nicht nur unangenehm, sondern birgt auch Gesundheitsrisiken. Katrin Posch von der Gesundheitsregion plus erklärt, warum Prävention für Gemeinden jetzt entscheidend ist und wie schon kleine Maßnahmen die Lebensqualität für alle steigern können.

Prien am Chiemsee – Gebäude, Raumplanung oder Hitzewarnsystem sind nur drei von vielen Aspekten, die als Punkte für Hitzeschutz in Kommunen vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit auf der Webseite „Klima-Mensch-Gesundheit“ auflistete. Auch Katrin Posch, Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregion plus im Landkreis Rosenheim, sieht viele Vorteile in Präventitionsmaßnahmen in Gemeinden: „Prinzipiell würde ich sagen, dass ein Hitzeschutzkonzept allen Menschen zugutekommen kann.“ Für die Gesundheitsregion plus ist Posch quasi die Schnittstelle zwischen dem Landkreis und Klimaschutzmanagern der Gemeinden.

Jede Gemeinde müsse erstmal für sich selbst abwägen, wie sie dazu stehe, sagt die Gesundheitsexpertin. „Allgemein können wir sagen, dass definitiv auch in unserer Region die Hitzetage zunehmen. Das ist faktisch nachweisbar.“ Das allein sei ein wesentlicher Grund, um sich zumindest mal mit der Situation in der jeweiligen Gemeinde genauer zu beschäftigen. „Prävention ist immer besser als Nachsorge. Und wir können sehen, dass es eine klare Tendenz zu weiteren Zunahme von Hitzelagen in den nächsten Jahren geben wird.“

An der Messstation des Deutschen Wetterdiensts in Chieming wurden bis Ende Juli 2025 bereits elf heiße Tage und 41 Sommertage registriert, in Trostberg gar 14 bzw. 31. Ab 25 Grad Celsius ist es laut Deutschem Wetterdienst ein Sommertag, ab 30 Grad ein heißer Tag.

Entwicklung der Hitzetage in Deutschland

Besonders stark würden ältere Menschen, Kinder, Säuglinge und Menschen mit Vorerkrankungen von Hitzeschutzmaßnahmen profitieren, aber auch bestimmte Berufsgruppen, „die vermehrt draußen arbeiten, auch unter Hitzebelastung“, wie Bauarbeiter, Gärtner oder in der Post und Paketzustellung. Außerdem weist Posch auf Betroffene hin, die „eine gewisse soziale Einschränkung haben, Menschen ohne Wohnung zum Beispiel. Da denke ich, tragen wir auch eine gewisse Verantwortung.“ Zudem findet die Fachfrau, „profitiert die Gesamtbevölkerung in dem Sinne davon, dass ein gutes Hitzeschutzkonzept auch die städtische Infrastruktur in gewisser Weise entlasten kann“. Dabei denkt sie insbesondere an weniger Stromspitzen, wenn durch einen effizienten Hitzeschutz weniger Klimaanlagen benötigt werden.

Mögliche direkte Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit des Körpers sind Hitzeschläge, Sonnenstiche, Dehydration und auch starke Erschöpfung. Dazu zählt Posch indirekte Effekte auf: „Schlechter Schlaf bei dauerhaften Hitzeperioden kann den Körper und das Immunsystem schwächen. Wir wissen auch, dass bei Hitze die psychische Belastung höher ist, das kann zu einem erhöhten Unfallrisiko führen, auch aufgrund des größeren chronischen Stresses auf den Körper.“ Und dann nennt Posch im OVB-Gespräch noch weitere Punkte, die bei Hitze Folgen auf unsere Gesundheit haben können: Lebensmittelhygiene, Lebensmittelsicherheit und Wasserhygiene.

Handlungsempfehlungen der Expertin

„Auch das sind Aspekte, wenn Trinkwasser lange unter Hitzeeinfluss stand, dass sich da Bakterien möglicherweise vermehren können. Oder wenn wir versehentlich verdorbene Lebensmittel verzehren, ist das natürlich auch nicht gesundheitszuträglich.“ Ein maßgeblicher Anteil der Bevölkerung habe zudem irgendwelche Vorerkrankungen, Herz-Kreislauf-Schwäche, erhöhter Blutdruck oder Probleme mit den Atemwegen oder der Lunge. Dazu sind wir alle irgendwann mal älter und uns wird die zunehmende Hitze früher oder später allen zu schaffen machen.

Hitzeschutz-Serie

Im Rahmen einer kleinen Mini-Serie beleuchten wir mögliche Hitzeschutzmaßnahmen für Prien. Sie haben Anmerkungen oder Ideen? Schreiben Sie uns gerne an redaktion@chiemgau-zeitung.de!

Auch deshalb können laut Posch erstmal „alle bei sich selbst schauen, welche unmittelbaren und direkten Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen“. Dies fange bei ganz banalen Sachen wie ein bestmöglich durchlüfteter Wohnraum, Beschattung oder sportliche Aktivität in der Früh oder am Abend abhalten. Aber auch den versiegelten Vorgarten entsiegeln und begrünen sind mögliche Hitzeschutzmaßnahmen, ebenso wie kleine Wasserstätte für Vögel, Igel und Insekten bereitstellen. Darüber hinaus sei die demokratische Beteiligung eine Möglichkeit, aktiv zu werden: Sich in den Gemeinden nach Konzepten und Maßnahmen zu erkundigen und Ideen im Gemeinderat einbringen.

Ein Hitzeschutzkonzept von Gemeinden könne laut Posch auf verschiedene Arten die Bevölkerung gesundheitlich schützen. Gerade die akuten Risiken wie Hitzeschlag, Sonnenstich und Dehydrierung können durch „gute gemeindliche kommunale Konzepte vermindert werden“. Darüber hinaus gebe es langfristige gesundheitliche Effekte: „Wenn ich aufgrund meines Lebensumfelds meine Schlafqualität gut ist, hilft das, genauso wie wenn mein Wohnraum angemessen gekühlt ist. Weniger Hitzespitzen bedeutet weniger chronischen Stress für den Körper, was definitiv positive gesundheitliche Effekte hat.“

Hitzeschutz steigert Lebensqualität

Dieser indirekte Effekt sei nochmal größer, wenn die gemeindlichen Umweltbedingungen verbessert sind. „Also Grünflächen, Bäume, Wasserflächen, aber auch Entsiegelung von Flächen, bauliche Gestaltung des öffentlichen Raums, bei dem weniger dunkle Materialien genutzt werden und mehr helle oder reflektierende Oberflächen verwendet werden“, nennt die Expertin mögliche strategische Maßnahmen. Gerade bei Baumaßnahmen im gemeindlichen Gebiet sei es sinnvoll, dies direkt mitzudenken, damit diese auch den „zukünftigen Herausforderungen bestmöglich gerecht“ werden.

Welchen Effekt Begrünung in einer Stadt hat, zeigt das Beispiel Salzburg: Bäume die Temperatur um 14 Grad, normale Grünflächen um acht Grad. Studien, unter anderem der NASA, belegen, dass eine Erhöhung des Grünflächenanteils um zehn Prozent die Temperaturen um bis zu drei Grad reduzieren kann. Zwar gilt diese Berechnung hauptsächlich für Großstädte, der Effekt ist dennoch auch in Gemeinden spürbar.

Der Nebeneffekt: Dadurch wird die allgemeine Lebensqualität im öffentlichen Raum versucht aufrechtzuerhalten und die Bevölkerung wird nicht nur in Hitzeschutzräume zurückgedrängt. Für Posch deshalb wichtig: „Unsere Lebensumstände bestmöglich auch im Sinne der gesundheitlichen Verträglichkeit gestalten.“

Kommentare