Entscheidung steht an

Debatte um Hochhäuser an der Paketposthalle – Grüne wollen Bürgerentscheid

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Die Grünen im Münchner Stadtrat wollen über die Bürger über die Hochhäuser an der Paketposthalle abstimmen lassen. Und das trotz der Einschätzung der städtischen Juristen, die das für rechtlich unzulässig halten.

München – Trotz der rechtlichen Unsicherheit wollen die Grünen im Münchner Stadtrat die Bürger über den Bau der Hochhäuser an der Paketposthalle abstimmen lassen. Die Fraktion hat dazu einen Änderungsantrag gestellt, über den der Stadtrat am Mittwoch (30. April) entscheidet – ebenso wie über die Frage, ob das Bürgerbegehren zulässig ist.

Eine Visualisierung zeigt die Pläne für das Paketpost-Areal.

Hochhäuser an der Paketposthalle in München: Bürgerbegehren will 155 Meter hohe Türme verhindern

Wie berichtet, sollen an der Paketposthalle zwei 155 Meter hohe Hochhaustürme entstehen. Die Gegner des Projektes, das Bürgerbegehren „Hochhaus-Stop“ will das verhindern und hat über drei Jahre genügend Unterschriften gesammelt, um einen Bürgerentscheid zu initiieren. Allerdings hält die juristische Abteilung der Stadtverwaltung die Fragestellung des Bürgerbegehrens für unzulässig. Grund: Sie verstößt gegen das sogenannte Abwägungsgebot, demnach eine Kommune selbst entscheidet, wo sie und in welchen Ausmaßen sie baut.

Auf Antrag der Grünen soll die Stadtverwaltung nun rechtskonforme Wege aufzuzeigen, wie ein solcher Bürgerentscheid durchgeführt werden kann. Die Fraktion stehe seit Langem auf dem Standpunkt, dass über die Hochhausfrage nicht anhand eines einzelnen Projekts entschieden werden soll.

Denn 2004 haben die Münchner eine generelle 100-Meter-Grenze eingezogen. Die Grünen sind davon überzeugt, dass es auch die Bürger selbst sein müssen, die diese wieder aufheben. Natürlich müsse vorab geprüft werden, ob es eine Fragestellung gibt, mit der das rechtssicher möglich ist.

Jeder hat eigene Wahrzeichen: München teilt sich in 25 Stadtbezirke, die sehr unterschiedlich sind

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Im Herzen von München liegt der Marienplatz, wo Besucher auch das Rathaus finden. Für viele womöglich überraschend: der Stadtbezirk Altstadt-Lehel ist flächenmäßig der kleinste Münchens.  © IMAGO/Michael Nguyen
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Kein Wahrzeichen, auf das die Bewohner immer stolz sind: der Hauptbahnhof ist Teil des Stadtbezirks Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber
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Kunstinteressierte kommen im Museum Brandhorst auf ihre Kosten. Es liegt in der Maxvorstadt, die zwischen Odeonsplatz und Stachus unmittelbar an die Altstadt angrenzt und im Osten durch den Englischen Garten begrenzt wird. © IMAGO/imageBROKER/Werner Dieterich
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Der neu gestaltete Elisabethmarkt in Schwabing-West. Mit 151 Einwohnern je Hektar (Angabe der Landeshauptstadt) weist er die höchste Einwohnerdichte aller Bezirke auf.  © IMAGO/C3455 Robert B. Fishman
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1000 Kilometer nach Bordeaux: das sogenannte „Franzosenviertel“ befindet sich im Stadtbezirk Au-Haidhausen. Die beiden Vorstädte sind im Jahr 1854 eingemeindet worden. © IMAGO/STL Studio Liebhart
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Erholungssuchende aus Sendling kommen gerne an den Flaucher, um sich zu erfrischen. Zentrum des Wirtschaftslebens im Stadtbezirk 6 ist die Großmarkthalle. © IMAGO/Ulrich Wagner
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Eine kurze Auszeit an einem sonnigen Wintertag: Auf diesem Foto genießt sie ein Münchner im Westpark, Teil des Stadtbezirks Sendling-Westpark. © IMAGO/S.Gottschalk
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Der Quartiersplatz auf der Schwanthalerhöhe. „Der Stadtbezirk weist sowohl die zweithöchste Einwohnerdichte als auch den zweithöchsten Ausländeranteil unter allen Münchner Bezirken auf“, heißt es vonseiten der Stadt.  © IMAGO/STL
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Was fürs Auge: Schloss Nymphenburg, die mit Abstand bekannteste Sehenswürdigkeit im Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg. © IMAGO
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1924 bis 1929 nach den Plänen von Bernhard Borst erbaut: die Borstei in Moosach.  © IMAGO/C3455 Robert B. Fishman
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Das Olympische Dorf bei Nacht; es gehört zum Stadtbezirk 11 (Milbertshofen- Am Hart).  © IMAGO/POSS ROLF
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Abendlicher Autoverkehr auf der Leopoldstraße. Sie ist die wohl renommierste im Bezirk Schwabing-Freimann. © IMAGO
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Wacht über Bogenhausen: der beeindruckende Friedensengel. Zum Bezirk gehören auch Oberföhring, Johanneskirchen, Englschalking, Denning, Daglfing und Zamdorf.  © xChristoph_Lischetzkix via imago
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Berg am Laim gehört zu den kleineren Stadtbezirken Münchens. Hier im Bild ist das unweit des Ostbahnhofes gelegene Werksviertel zu sehen.  © IMAGO/Wolfgang Maria Weber
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Ein Sommertag am Buga-See. Hier baden Bewohner des Bezirks Trudering-Riem. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
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Der Pfanzeltplatz (Stadtbezirk Ramersdorf-Perlach) hat sich seinen dörflichen Charakter bis heute bewahrt. © Imago
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Auf der Tegernseer Landstraße bewegen sich vornehmlich Menschen, die im Bezirk Obergiesing-Fasangarten leben. © Jens Hartmann
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Wie es beim TSV 1860, der seine Heimspiele im städtischen Stadion an der Grünwalder Straße austrägt, läuft, treibt viele Menschen in Untergiesing-Harlaching um. © imago sportfotodienst
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Ein Surfer vergnügt sich an der Floßlände; in einem Stadtbezirk mit nicht unkompliziertem Namen: Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln. © STL via www.imago-images.de
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Abendstimmung am Klinikum Großhadern. Der 20. Stadtbezirk Hadern bildet den südwestlichen Stadtrand Münchens.  © IMAGO/STL Studio Liebhart
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Ja, auch Pasing hat seinen Marienplatz. Gemeinsam mit Obermenzing bildet das Viertel seit 1992 einen Bezirk. © Imago
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Blick auf den Langwieder See, Teil des westlich gelegenen Stadtbezirks Aubing-Lochhausen-Langwied. © IMAGO/Sachelle Babbar
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Ländliche Atmosphäre an einem winterlichen Tag in Allach-Untermenzing. © xmeinzahnx via imago-images.de
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Sehr divers: der Bezirk Feldmoching-Hasenbergl; hier im Blick ist der Blick auf die Feldmochinger Kirche zu sehen. © Copyright: xDreamstimexMolly100x
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Gerade wird viel gebaut in Laim; die Fürstenrieder Straße gilt als Lebensader des Viertels.  © Marcus Schlaf

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Juristen der Stadt halten Bürgerbegehren in Hochhausfrage für unzulässig

Man wolle den städtischen Juristen in ihrer Einschätzung nicht prinzipiell widersprechen, heißt es in einer Mitteilung der Ökopartei. Allerdings erkenne die Fraktion an, dass auch den Gegnern rechtliche Einschätzungen vorliegen, die der der Stadtverwaltung entgegenstehen. Ganz grundsätzlich sei es wichtig, Bürgern Beteiligung zu ermöglichen.

Sei es durch Workshops, wie bei der Paketposthalle geschehen, aber eben auch durch Abstimmungen. Deswegen plädieren die Grünen trotz der Einschätzung der städtischen Juristen dafür, das Bürgerbegehren für die Paketposthalle zuzulassen – obwohl die Fraktion einen generellen Entscheid über die Frage, wie hoch in München generell gebaut werden darf, für zielführender hält.

„Die Münchner haben die 100-Meter-Grenze beschlossen“, sagt Bürgermeister Dominik Krause. „Die Frage, ob diese Grenze heute noch zeitgemäß ist, sollten deshalb wieder die Münchner beantworten. Deshalb plädieren wir Grüne seit langem für ein Ratsbegehren mit Gültigkeit für die gesamte Stadt.“ Der Bau von neuen Hochhäusern werde München für die nächsten Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte prägen. „So eine weitreichende Entscheidung muss deshalb breit legitimiert werden.“

Grünen-Chef rechnet mit Gerichtsentscheid zu Hochhäuser an der Paketposthalle

Grünen-Fraktionschef Sebastian Weisenburger ergänzt, dass es bei mehreren Juristen unterschiedliche Rechtsauffassungen über die Zulässigkeit der Fragestellung gäbe. „Wir müssen ehrlich sein: Ob über die Paketposthalle abgestimmt wird, werden am Ende nicht wir entscheiden, sondern die Gerichte.“

Die Grünen sähen das Paketpost-Projekt völlig anders als die Initiatoren des Bürgerbegehrens. „Ohne die Türme würde an der Paketposthalle eine schnöde Gewerbefläche entstehen, kein Wohnraum, keine öffentlich zugängliche Halle.“ Die Hochhaus-Gegner seien mit purem Populismus, mit unseriösen Angst-Bildern auf Stimmenfang gegangen. „Das ist verwerflich. Aber ich bin sicher, die Bürger sind klug genug, das zu erkennen und in einer Abstimmung die richtige Entscheidung zu treffen.“

Grünen-Vorschlag zu Hochhäusern an Paketposthalle: CSU hält Bürgerentscheid für unzulässig

Ob es so kommt, ist offen. Die SPD war am Dienstag (29. April) noch nicht zu einer finalen Einschätzung gekommen. Die CSU derweil lehnt den Vorschlag der Grünen ab. Fraktions-Chef Manuel Pretzl sagte, die Rechtsabteilung sowie diverse Gutachten seien zu dem Ergebnis gekommen, dass das Bürgerbegehren unzulässig ist. „Dem werden wir folgen. Bürger- und Ratsbegehren zum Thema Hochhäuser wurden inzwischen zigfach geprüft. Wir wollten bereits vor drei Jahren die Bürger zur Paketposthalle befragen lassen. Damals wurde festgestellt, dass eine allgemeine Fragestellung zu Hochhäusern heute unzulässig wäre.“

Rubriklistenbild: © Herzog & de Meuron

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