- VonMarcel Sowaschließen
Erst die Zwieselalm, dann das Reichenhaller Haus? Der Deutsche Alpenverein wollte eigentlich 2026 mit der Generalsanierung auf dem Hochstaufen starten. Doch das Genehmigungsverfahren gestaltet sich schwierig, dabei drängt die Zeit. Vorstandsvorsitzender Max Walch gibt Einblicke in die Herausforderungen und macht klar: Es steht tatsächlich ein Ende des Reichenhaller Hauses im Raum.
Bad Reichenhall – Walch zieht einen großen Stapel an Planungsunterlagen hervor und blättert darin herum. Es sind ausführliche Entwürfe zu sehen, wie das Reichenhaller Haus künftig aussehen und fit für die Zukunft gemacht werden soll. Die Krux daran: Obwohl sich der Deutsche Alpenverein (DAV) und die beteiligten Behörden einig darüber sind, dass eine Generalsanierung unabdingbar ist, droht das Projekt zu kippen. Der Reichenhaller Sektion geht so langsam die Zeit aus, von den unklaren Kosten ganz zu schweigen. „Wir können nicht mehr lange so weitermachen“, macht der Vorsitzende deutlich.
Im Herbst soll ein Artenschutzgutachten Klarheit schaffen, im Oktober oder November will der DAV einen geänderten Antrag für eine Baugenehmigung stellen. „Noch wissen wir nicht, ob uns wegen möglicher Brutzeiten von Vögeln Einschränkungen bei den Flugzeiten der Helikopter drohen“, so Walch. „Je kleiner das Zeitfenster für die Bauarbeiten ausfällt, desto schwieriger wird es. Unterm Strich fällt uns mindestens eine Saison weg - wenn wir überhaupt mal bauen dürfen. Doch das ist derzeit noch nicht abzusehen.“
Der Blick geht in Richtung 2027
Bei der Pächtersuche im Frühjahr 2024 ging der Verein eigentlich davon aus, im Herbst 2025 den alten Holzbau abreißen und 2026 mit den Arbeiten für den Neubau starten zu können. Mittlerweile hält Walch einen Abriss 2027 und Neubau im Jahr 2028 für realistisch. „Wir hoffen, bis zur Antragsstellung im Oktober oder November keine neuen Schwierigkeiten bei der Bauausführung zu erhalten, und dass der Bescheid innerhalb von drei Monaten genehmigt wird. Wir brauchen Klarheit.“
Schon seit zehn Jahren bereitet sich der DAV auf die Maßnahme vor, erhebt den Bestand und untersucht die Problemstellen, bei denen Handlungsbedarf besteht. Das beliebte Ausflugsziel auf dem Hochstaufen ist nicht mehr zeitgemäß, eine Betriebserlaubnis nur dank der Ermessensspielräume der Behörden möglich. „Ohne deren Mithilfe müssten wir sofort schließen“, betont Walch.
Weniger Übernachtungsplätze wegen Brandschutzmängel
Die Probleme auf 1750 Metern Höhe sind vielseitig: Zum einen hat das Reichenhaller Haus mit Wassermangel zu kämpfen, weshalb neue Sammelflächen benötigt werden. Ein großes Thema ist der Brandschutz: Weil die alte Pächterwohnung deswegen nicht mehr nutzbar ist, fallen zehn Übernachtungsplätze weg, um den aktuellen Pächtern eine Bleibe bieten zu können. „Wir müssen wieder auf 30 Schlafplätze kommen, mit 20 ist es wirtschaftlich auf Dauer nicht rentabel.“ Auch die Küche soll nach dem Umbau modernen Ansprüchen und Vorgaben genügen. Eine Abwasseraufbereitungsanlage steht ebenfalls auf der Agenda.
Die Bauarbeiten an sich stuft der Vorsitzende als weniger problematisch ein. Neue Fragezeichen könnten jedoch beim Abriss drohen: Nicht wegen möglicher Baustoff-Altlasten, sondern wegen des Untergrunds und möglicher Nacharbeiten, die noch gar nicht in den Planungen mit eingerechnet sind. „Vielleicht müssen wir auch den denkmalgeschützten Steinbau abstützen, da beiden Bauten ineinander greifen.“
Warten auf Baustart nicht mehr lange möglich
Überhaupt macht die Geologie vor Ort dem Haus zu schaffen, da es in den Berg hinein gebaut wurde. „Die Terrasse rutscht uns im wahrsten Sinne des Wortes weg. Und im Inneren brauchen wir Entlüftungsanlagen, die im Winter permanent heizen, damit nicht alles wegen der Feuchtigkeit verfault“, gibt Walch weitere Einblicke in die Herausforderungen.
Bei der Sanierung geht es ihm und dem DAV nicht darum, mehr Gäste aus der Terrasse unterzubringen. „Die Grundfläche bleibt gleich“, schildert er, „aber wir müssen das Reichenhaller auf einen Stand bringen, der genehmigungsfähig ist.“ Die Bauarbeiten wurden viele Jahre aufgeschoben, doch mittlerweile sei ein Punkt erreicht, an dem man nicht mehr länger warten können.
Deshalb stellte der Verein schon im August 2024 den Bauantrag, doch nach Rückmeldung der Behörden mussten größere bauliche und planerische Nachforderungen umgesetzt werden. Dass der Steinbau unter Denkmalschutz steht, macht es bei der Gestaltung des Neubaus nicht einfacher.
Auf Spenden angewiesen
Aktuell rechnet der DAV mit Kosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro. „Wenn wir mit erheblichen Herausforderungen beim Denkmalschutz konfrontiert werden, sich der Baustart noch um zwei oder drei Jahre verzögert und die Kosten für das Bauen und Planen steigen, dann können wir uns das nicht mehr leisten. Wir sind schon jetzt auf Spenden angewiesen“, macht Walch den Ernst der Lage deutlich. Die Reichenhaller Sektion müsste dabei in etwa die Hälfte aus Eigenmitteln bezahlen, die andere Hälfte bezuschusst der Hauptverein, wobei ein knappes Drittel davon in Form eines Darlehens wieder zurückgezahlt werden muss.
Für die Reichenhaller Sektion handelt es sich um die größte Maßnahme seit den 70er-Jahren, als der Holzbau sukzessive an den Steinbau angebracht wurde. Im Worst Case droht das Ende der bewirtschafteten Hütte. „Wenn wir uns nicht im überschaubaren Rahmen einig werden bei der Genehmigung“, fügt Walch hinzu. Er sagt, dass es schon genügend andere Hütten gab, die schließen mussten. Auch am Hochstaufen droht dieses Szenario, so unvorstellbar es für viele Einheimische und Touristen sein mag.
Und dann droht dem Berg, dass die Besucherströme nicht mehr gelenkt werden und die Zustände außer Kontrolle geraten, befürchtet der Vorsitzende. „Wir haben aktuell keine Kläranlage, aber zumindest wird das Abwasser kanalisiert. Und solange die Hütte von Mai bis Mitte Oktober bewirtschaftet wird, kommt niemand auf die Idee, dort zu zelten. Es wäre von der Lage und den Möglichkeiten durchaus attraktiv.“ Schließlich ist das Reichenhaller Haus nicht nur in der Kreisstadt, sondern über deren Grenzen hinaus bekannt. (ms)

