- VonMarcel Sowaschließen
Das drohende Aus der Zwieselalm beschäftigt viele Reichenhaller. Auch die Politik schaltet sich ein, doch die Zeit drängt: Der Herbst und damit das Ende der Hüttensaison rückt immer näher. Inhaber Andi Potschacher schildert, was ihm wirklich helfen würde und wann er eine Entscheidung darüber trifft, ob und wie es mit der beliebten Alm weitergeht.
Bad Reichenhall - Die Nachricht der Familie Potschacher, mit neuen Öffnungszeiten das drohende Aus der Zwieselalm abzuwenden, sorgte bei vielen Reichenhallern für eine Überraschung. In den Wochen danach zeigte sich nicht nur auf Social Media, dass viele auf einen Weiterbetrieb der Hütte hoffen: Inhaber Andi Potschacher berichtete von verständnisvollen, aber auch vereinzelten kritischen Reaktionen. In der Zwischenzeit gab es Gespräche mit politischen Vertretern, um eine mögliche Lösung zu finden.
Oberbürgermeister Christoph Lung erwähnt, dass bereits im Mai in Zusammenarbeit mit unter anderem dem Grundeigentümer (Bayerische Staatsforsten) „ganz praktische Hilfe bei der Wegerneuerung vereinbart“ wurde. Den Vorwurf, dass die Behörden keine Unterstützungen leisten würden, weist Lung zurück. „Im Gegenteil, es haben ausnahmslos alle Beteiligten eine hohe Sympathie für die Wirtsleute und den Weiterbetrieb der Zwieselalm erkennen lassen.“
Lung wegen Fahrweg sehr skeptisch
Dort, wo die Stadt helfen könne, werde sie es auch weiterhin tun. Mit Potschacher, der hauptberuflich bei der Stadt arbeitet, befinde man sich im ständigen Austausch. Der Oberbürgermeister macht aber klar: „Einige der angesprochenen Probleme wie Personalmangel, zu anspruchsvolle Gäste oder Preissteigerungen entziehen sich von vorneherein einer Einflussnahme.“
Aufgrund der bisherigen Gespräche ist Lung jedoch „sehr skeptisch, ob es gelingen kann, einen Fahrweg auf die Zwieselalm zu bekommen“. Forst- und naturschutzrechtliche Vorgaben lassen dies sehr schwierig erscheinen, ganz abgesehen von der Frage der Finanzierung.
Stadt will sich für Erhalt einsetzen
Der Rathauschef betont, dass die Stadt weiterhin ein hohes Interesse daran habe, die Alm als Ausflugsziel für Einheimische und Gäste zu erhalten. Die hohe Bedeutung für die Einwohner zeige sich auch an der Existenz eines Vereins, der sich speziell für die Belange der Zwieselalm einsetze und „den wir bei unseren Bemühungen an unserer Seite wissen“. Lung macht klar: „An uns kann und wird es nicht scheitern: Wir unterstützen die Zwieselalm weiterhin, wo immer wir können.“
Auch Inhaber Potschacher bestätigt, dass ihn die Stadt unterstütze und mehrere Gespräche geführt wurden. Die Wegerneuerung sei ein kleiner positiver Beitrag, doch für ihn ist klar: „Das ändert nichts Entscheidendes an der Gesamtsituation.“
Dass in einem Gespräch mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber eine Materialseilbahn ins Spiel gebracht wurde und die Politikerin beteuerte, sich für ihn und die Alm einsetzen zu wollen, freute ihn sehr. Doch die Bahn sei aus wirtschaftlichen Gründen uninteressant. „Selbst wenn die Baukosten komplett übernommen werden: Was ist mit den laufenden Kosten? Was ist mit der Versicherung? Für das Geld kann ich den Helikopter vermutlich sehr oft im Jahr fliegen lassen. Das macht keinen Sinn“, erklärt Potschacher.
Spürbare Erleichterung dank neuer Öffnungszeiten
Konkret helfen würden ihm vereinfachte Genehmigungsverfahren und weniger Bürokratie. „Warum werde ich so behandelt wie Gaststätten im Tal?“, fragt er sich mit Blick auf Schadstoffgutachten des Quelleinzugsgebietes und Wasserkontrollen. Es ärgere ihn, dass es immer wieder neue Vorgaben gebe und diese dann sofort umgesetzt werden müssten. „Von Jahr zu Jahr wird es mehr und das alles kostet mich zu viel Zeit und Geld.“
Doch wie geht es jetzt weiter? Laut Potschacher stehen derzeit erstmal keine weiteren Gespräche mehr an. Die neuen, verkürzten Öffnungszeiten helfen ihm und seiner Familie, wie er sagt: „Sie erleichtern uns den Alltag, das spüren wir ganz deutlich. Der Aufwand wird weniger.“
Für eine Entscheidung, ob die Zwieselalm weitermacht oder nach dieser Saison schließt, ist es dem Inhaber zufolge noch zu früh. „Wir hatten auch einige verregnete Wochen, aber in den vergangenen Tagen haben wir ein gutes Geschäft gemacht. Ob wir Entwarnung geben können, wird sich im Herbst zeigen: Dann ziehen wir Bilanz und entscheiden, ob und wie es weitergeht“, so Potschacher. (ms)

