Nach Dauerregen

Hochwasser in Bayern: „Versorgung sicherstellen“ – Innenministerium kippt spezielles Verbot

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Bayern hat turbulente Tage hinter sich. In den Hochwassergebieten bleibt die Lage weiterhin ernst, auch wenn sich die Situationen in einigen Gebieten langsam etwas entspannt.

Update, 19 Uhr: In einigen Regionen beschäftigt man sich derzeit schon mit den Fragen, wie es nach dem Hochwasser weitergeht. In einer bayerischen Urlaubsregion droht bereits zum kommenden Wochenstart eine Mückenplage in Folge der Überschwemmungen – und das Bekämpfungsmittel fehlt.

Update, 17.45 Uhr: Um die Hilfs- und Aufräumarbeiten nach der Flutkatastrophe zu unterstützen, wurden in Bayern bestimmte Fahrverbote für Lastwagen bis Ende Juli aufgehoben. Das Innenministerium gab bekannt, dass das Sonn- und Feiertagsfahrverbot sowie das Fahrverbot gemäß der Ferienreiseverordnung für Lkw ab 7,5 Tonnen im Kontext von Rettungs-, Hilfs- und Aufräumarbeiten sowie zur Versorgung der Bevölkerung nicht gelten.

„Versorgung sicherstellen“ – Innenministerium gibt Fahrverbot-Pause bekannt

„Nach der schlimmen Hochwasserkatastrophe ist es wichtig, die Versorgung der betroffenen Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen“, betonte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU). „Außerdem geht es darum, Schäden schnellstmöglich zu beseitigen. Der Wegfall des Sonn- und Feiertagsfahrverbots für Lkw unterstützt uns dabei, die Hochwasserfolgen zu beseitigen.“

Hochwasser mit Auswirkungen auf Europa-Wahl – doch die Gemeinden sind findig

Update, 17 Uhr: Nun also doch: Das Hochwasser hat Auswirkungen auf die Europa-Wahl am kommenden Wochenende. Laut BR sorgen die Überschwemmungen zumindest in Schwaben für Probleme bei der Durchführung der Wahl. Wahllokale seien überschwemmt worden, Unterlagen verloren gegangen – doch vor Ort behilft man sich mit kreativen Lösungen. In vielen Gemeinden werden Wahllokale zusammengelegt. Briefwähler sollen ihre Unterlagen laut BR in der provisorischen Verwaltung in Ellgau abgeben. Briefwahlanträge werden seit gestern nachgeholt, wer noch keine Antwort erhalten hat, könne bis zum 8. Juni einen weiteren Antrag stellen, heißt es.

Update, 16 Uhr: Im nördlichen Oberbayern mussten mehrere Personen medizinisch versorgt werden, nachdem sie bei Hochwasser-Aufräumarbeiten mit einer zunächst unbekannten Substanz in Berührung gekommen waren. Diese Substanz trat auf dem Grundstück eines Privathauses in Baar-Ebenhausen aus, wie die Polizei am Nachmittag bekannt gab.

Substanz-Austritt in Hochwassergebiet verletzt mehrere Personen

Einige Personen berichteten von Atemwegsreizungen. Das betroffene Gebiet wurde großflächig abgeriegelt und zahlreiche Rettungskräfte waren im Einsatz. Experten für gefährliche Stoffe der Berufsfeuerwehr München wurden hinzugezogen, um die Substanz zu bestimmen.

Update, 14.45 Uhr: Trotz nur sehr langsam sinkender Wasserstände kommen erste Signale der Entspannung zur Hochwasserlage aus Regensburg. Die Stadtverwaltung teilte am Donnerstag mit, dass die Anwohner der Werftstraße auf der Donauinsel am Freitagnachmittag (14 Uhr) in ihre Häuser zurückkehren können sollen. Für Rad- und Autofahrer bleibe die Straße aber vorerst auch darüber hinaus gesperrt.

Anwohner wurden aufgefordert, bei der Rückkehr in Häuser und Wohnungen die Räume genau zu begutachten und auf mögliche Risse in Wänden und Decken zu achten.

Update, 11.38 Uhr: Gute Nachrichten: In Bayern werden infolge des Hochwassers weniger Menschen vermisst als noch zu Wochenbeginn. Die Zahl der noch als vermisst gemeldeten Menschen habe am Donnerstagvormittag bei drei gelegen, sagte ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Am Dienstag schwankte sie noch zwischen fünf und sieben. „Tendenziell gehen die Fälle zurück“, sagte der Sprecher. 

Bundeskanzler Olaf Scholz, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, Bundesinnenministerin Nancy Faeser im vom Hochwasser betroffenen Reichertshofen.

Unter den weiterhin Vermissten ist demnach ein 22 Jahre alter Feuerwehrmann, nach dem in Schwaben gesucht wird. Er war am Sonntag mit einem Boot der DLRG-Wasserrettung in Offingen gekentert und verschwunden.

Während die Hochwasserlage in der Oberpfalz und Niederbayern angespannt bleibt, entspannt sich die Situation weiter westlich an der Donau zunehmend. Im zwischenzeitlich stark betroffenen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen seien die Pegelstände an der Donau wieder auf Meldestufe drei von vier gefallen, teilte das Landratsamt in Neuburg an der Donau am Donnerstag mit. Der Wasserstand der Paar, die vor einigen Tagen noch massive Probleme in der Region bereitet hatte, fiel demnach sogar auf Meldestufe zwei. 

Nach Angaben des Landratsamts wird am Donnerstag vor allem in Schrobenhausen und Rennertshofen weiter ausgeräumt und Wasser abgepumpt. Die Behörde wolle Betroffenen dazu Container für Sperrmüll bereitstellen.

Update, 10.10 Uhr: Einsatzkräfte wollen auch am Donnerstag weiter nach einem im Hochwasser-Einsatz vermissten Feuerwehrmann in Schwaben suchen. „Wir geben die Hoffnung nicht auf“, sagte ein Sprecher der Polizei am Donnerstag in Kempten. 

Im Laufe des Tages wollten die Retter versuchen, an den Ort zu gelangen, an dem das gekenterte Boot gesichtet wurde, in dem sich der Feuerwehrmann befand. Das war bislang nicht möglich. Der junge Mann war in der Nacht zum Sonntag in Offingen nahe der Grenze zu Baden-Württemberg mit einem Boot der DLRG-Wasserrettung gekentert. Die übrigen vier Einsatzkräfte an Bord konnten sich an Land retten und blieben unverletzt. Der 22-Jährige gilt seither als vermisst.

Update, 9.04 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat in der Debatte um den Bau von Flutpoldern in Bayern erneut das bisherige Vorgehen der Staatsregierung verteidigt. Flutpoldern sind Flächen, die mit Deichen abgegrenzt und bei extremen Hochwasserereignissen geflutet werden können.

Beim aktuellen Donau-Hochwasser haben die bisherigen Schutzmaßnahmen laut Söder ausgereicht. „Das heißt, für das jetzige Geschehen hätten mehr Polder auch nicht die Lage verändert.“ Ähnlich hatte sich zuvor auch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) geäußert.

„Wir setzen insgesamt auf einen umfassenden Hochwasserschutz – mit technischen und natürlichen Maßnahmen. Aber es gibt leider nie eine Garantie für hundertprozentigen Schutz“, befand Söder. „So waren diesmal stärkere Regenereignisse, ein im Vergleich ohnehin hoher Grundwasserspiegel und aufgeweichte Dämme für die Situation in Schwaben ausschlaggebend.“

Update, 8.30 Uhr: Die Wasserstände an der unteren Donau in Bayern bleiben weiterhin hoch. Wie aus Daten des Hochwassernachrichtendienstes (HND) hervorging, verbleiben die Pegelstände in Regensburg, Straubing und Passau weiterhin über der Meldestufe 4.

Seit Tagen kämpfen die Helfer in Bayern gegen die Flut und ihre Folgen – wie hier in Regensburg.

Der Pegel der Donau an der Eisernen Brücke in Regensburg wies um 6.30 Uhr einen Wasserstand von 6,07 Metern auf. Laut Prognose des HND sollte das Hochwasser im weiteren Verlauf leicht abnehmen. An der Donau in Straubing stagnierte der Wasserstand um 6.45 Uhr bei 7,12 Metern bei ebenfalls leicht sinkendem Trend. Im hochwassererprobten Passau verzeichnete der HND um 6.30 Uhr einen Pegelstand von 8,87 Metern. Hier sollte das Hochwasser laut Prognose am Morgen sogar noch leicht zunehmen.

An der oberen Donau bis einschließlich Kelheim nimmt das Hochwasser dagegen weiter ab. Wenngleich die Donau in Kelheim weiter deutlich über der höchsten Meldestufe 4 liegt. Auch die Zuflüsse in diesem Bereich wiesen laut HND zuletzt überwiegend sinkende Pegelstände auf.

Erstmeldung vom 6. Juni, 7.38 Uhr: Bayern - Nach tagelangem Dauerregen herrscht in Bayern inzwischen weitgehend wieder sommerlicheres Wetter. Doch trotz des Sonnenscheins kann von Entwarnung in den Hochwassergebieten keine Rede sein – die Lage bleibt angespannt, außerdem müssen sich Anwohner nun den schrecklichen Folgen des Hochwassers stellen. Zudem fließt das gewaltige Hochwasser an der unteren Donau nur langsam ab. Zwischen Kelheim und Passau ist die Lage weiterhin angespannt – ganz besonders in Regensburg.

Keine Neuigkeiten bei Suche nach Vermissten in Hochwassergebieten

In Passau gingen derweil die Pegelstände zurück, wenn auch zunehmend langsamer. Die Stadt hatte am Dienstag (4. Juni) aufgrund des Ernstes der Lage den Katastrophenfall ausgerufen. Die schwäbischen und oberbayerischen Hochwasser-Landkreise sind ebenfalls noch längst nicht zurück in der Normalität. Bei der Suche nach Vermissten gab es bis zum Donnerstagmorgen keine Neuigkeiten.

In Regensburg richteten sich die Blicke vor allem auf die Werftstraße. Um dort den Druck von den Schutzwänden zu nehmen, verzichtete die Stadt am Mittwoch zeitweise darauf, das durch die Schutzwände fließende Wasser zurück in die Donau zu pumpen. Aus Sorge, dass der weiche Boden versagen und dadurch die Schutzelemente abrutschen könnten, wurde ein gewisser Zufluss zugelassen. 

Straubing: Wasser kann in Kellerräume eindringen

Etwa 45 Kilometer donauabwärts in Straubing dauern die Schutzmaßnahmen ebenfalls noch an. Die Stadtverwaltung verwies auf den dort ebenfalls hohen Grundwasserspiegel und bat die Bürgerinnen und Bürger um Vorsicht und Geduld. „Ein hoher Grundwasserspiegel kann dazu führen, dass Wasser in Kellerräume eindringt“, hieß es in einer Mitteilung.

Flutschäden in Bayern: Fotos zeigen Ausmaß der Zerstörung

Autos laufen voller Wasser: Hier steht ein Auto im Hochwasser der Mindel in einem Wohngebiet.
Autos laufen voller Wasser: Hier steht ein Auto im Hochwasser der Mindel in einem Wohngebiet. ©  Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Teile der Burgruine Falkenstein im oberbayerischen Flintsbach sind nach heftigen Regenfällen abgerutscht.
Teile der Burgruine Falkenstein im oberbayerischen Flintsbach sind nach heftigen Regenfällen abgerutscht.  © David Pichler/dpa
Überflutete Straßen sorgten in Offingen für festgesteckte Lkws und Autos.
Überflutete Straßen sorgten in Offingen dafür, dass Lkws und Autos stecken blieben. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Frank Anschütz räumt vor seinem zerstörten Haus in Offingen auf. Während das Hochwasser in seinem Haus stieg, kam es zu einem Brand in der Küche, die durch das Feuer zerstört wurde.
Frank Anschütz räumt vor seinem zerstörten Haus in Offingen auf. Während das Hochwasser in seinem Haus stieg, kam es zu einem Brand in der Küche, die durch das Feuer zerstört wurde.  © Stefan Puchner/dpa
Frank Anschütz steht in seiner zerstörten Küche, alles wurde zerstört.
Frank Anschütz steht in seiner zerstörten Küche, alles wurde zerstört. © Stefan Puchner/dpa
Zahlreiche Keller liefen in Bayern voll, vielerorts konnte noch nicht abgepumpt werden, die Schäden sind auch für die Statik der Häuser enorm.
Zahlreiche Keller liefen in Bayern voll, vielerorts konnte noch nicht abgepumpt werden, die Schäden sind auch für die Statik der Häuser enorm. © IMAGO
Ein Hof samt Gebäude wurden in Offingen von der Mindel überflutet. Fahrräder und ein Motorrad stehen im Wasser.
Ein Hof samt Gebäude wurden in Offingen von der Mindel überflutet. Fahrräder und ein Motorrad stehen im Wasser. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Baugebiete wie hier im bayerischen Offingen werden geflutet.
Baugebiete wie hier im bayerischen Offingen werden geflutet. © dpa/Karl-Josef Hildenbrand
Aufräumarbeiten dauern vielerorts an, die hinterlassenen Schäden werden oft erst nach Rückgang des Wassers sichtbar. Hier in Pfaffenhofen wurde der Heizungskeller sowie die Garage überschwemmt.
Aufräumarbeiten dauern vielerorts an, die hinterlassenen Schäden werden oft erst nach Rückgang des Wassers sichtbar. Hier in Pfaffenhofen wurden der Heizungskeller sowie die Garage überschwemmt. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber
Überschwemmter Bauernhof im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm: Das Haus und Grundstück samt Ernteacker wurden teils überflutet.
Überschwemmter Bauernhof im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm: Das Haus und Grundstück samt Ernteacker wurden teils überflutet. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber
Eine überflutete Terrasse in Günzburg: Betroffene müssen zahlreiche Möbel aufgrund von Wasserschäden wegwerfen.
Eine überflutete Terrasse in Günzburg: Betroffene müssen zahlreiche Möbel aufgrund von Wasserschäden wegwerfen. © IMAGO/Michael Bihlmayer

Weiter flussabwärts in Passau gingen die Pegelstände an Donau und Inn langsam zurück – allerdings ebenfalls auf hohem Niveau. Am Mittwoch (5. Juni) hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) der dortigen Altstadt einen Besuch abgestattet. Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) richtete den Blick nach vorn: „Die nächsten Tage werden ganz im Zeichen von Aufräumarbeiten stehen.“ Doch wegen des langsam fließenden Wassers bat auch er um Geduld. Ab Donnerstag sollen Schulen und Kindergärten in der Altstadt wieder öffnen.

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In Süddeutschland kamen mindestens sechs Menschen ums Leben

In Schwaben dauert die Suche nach dem Feuerwehrmann an, der bei einem Hochwasser-Einsatz am Sonntag (2. Juni) in Offingen mit seinem Boot gekentert und als vermisst gemeldet worden war. Laut Innenministerium galten weitere Menschen als vermisst. Insgesamt kamen bei dem Hochwasser in Süddeutschland mindestens sechs Menschen ums Leben - allein vier davon in Bayern.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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