VonAlois Ostlerschließen
So großes Interesse an einer Gemeinderatssitzung gibt es nur selten. Am Montag standen die Zuhörer sogar auf dem Gang vor dem Sitzungssaal – um die aktuellen Hochwasserschutzpläne mitzubekommen.
Lenggries – Spätestens seit die Ausbaupläne für Dorf-, Hals- und Reiterbach vor gut eineinhalb Jahren erstmals öffentlich vorgestellt wurden, sind die Anwohner sensibilisiert. Den aktuellen Stand der Planungen für die Verbesserung des Hochwasserschutzes stellte Projektleiter Markus Brandtner vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weilheim jetzt im Lenggrieser Rathaus vor. Bürgermeister Werner Weindl hatte den WWA-Ingenieur eingeladen, weil er sich „immer noch nicht vorstellen kann, wie die Gemeinde die Hälfte der auf rund zwölf Millionen Euro veranschlagten Baukosten schultern soll“.
Laut Brandtner ist das Wasserwirtschaftsamt – wie bei der Informationsveranstaltung im Mai vergangenen Jahres angekündigt – in den Dialog mit den Anliegern eingestiegen. Das habe dazu geführt, dass man „einige der geplanten Deiche verschieben oder anflachen konnte“. Und bei den geplanten Bauwerken sei man übereingekommen, statt eines Wildholznetzes einen „Rechen“ einzubauen.
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Trotz einiger Umplanungen und einer laut Brandtner „wirklichkeitsnäheren Berechnung“ bleibt der Hochwasserschutz ein teures Unterfangen: Die aktuellen Berechnungen für die Gesamtkosten belaufen sich auf 12,4 Millionen. Nur so können nach Einschätzung des Wasserwirtschaftsamts die 287 Wohngebäude und die 20 Gewerbebetriebe im Einzugsgebiet der Bäche wirksam geschützt werden. Und: Die drei Gewässer müssen gemeinsam ertüchtigt werden.
Mit den überarbeiteten Berechnungen sei man „viel gescheiter als noch vor einem halben Jahr“ sagte Brandtner. Er will noch vor Weihnachten die Pläne bei der Regierung von Oberbayern einreichen und dann zügig ins Wasserrechtsverfahren einsteigen.
Das geht Bürgermeister Weindl und dem Gemeinderat zu schnell. „Wir haben heute ja nur einen Entwurf gesehen und noch keine einzigen Detailpläne“, sagte der Rathauschef. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie Ende 2019 schon einen Planfeststellungsbeschluss haben“, sagte er zu Brandtner.
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Weindl will nun vielmehr eine neue Varianten-Diskussion, denn „hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit“. Der Bürgermeister berichtete, dass ihm WWA-Chef Roland Kriegsch versichert habe, dass das Genehmigungsverfahren erst dann angegangen werde, wenn eine Übereinstimmung mit der Gemeinde gegeben sei. Davon könne noch keine Rede sein.
Brandtner erinnerte daran, dass der Freistaat die Planungen vorantreiben müsse, „um aus der Haftung rauszukommen“. Denn komme es zu Überschwemmungen an den Wildbächen, müsse der Freistaat nachweisen können, dass er alles getan habe, um die Schäden von den Anliegern abzuwenden. Mit den Anwohnern sei gesprochen worden, sagte Bradnter.
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Über diese Aussage wunderte sich im Nachgang zur Sitzung Günter Radde. der am Ludwig-Thoma-Weg wohnt. „Mir hat niemand erklärt, was da passieren soll“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Auch meine Nachbarn haben keine weiteren Informationen erhalten.“ Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamts hätten sich zwar mal angemeldet, seien aber nie vorbeigekommen.
Das Wasserwirtschaftsamt soll nun neuerliche Untersuchungen der Varianten vornehmen und das Ergebnis im Frühjahr bei einer Infoveranstaltung im Alpenfestsaal vorstellen. Brandtner kündigte schon mal an: „Dann kommen wir mit einer echten Entscheidung auf Sie zu.“
