VonLukas Schierlingerschließen
Seit vier Jahren klafft im Süden von München eine zwölf Meter tiefe Baugrube. Inzwischen ist das „Sendlinger Loch“ mit Wasser vollgelaufen.
München – Loch Ness in Schottland erlangte Berühmtheit, weil ein Ungeheuer in dem Süßwassersee leben soll. Im Sendlinger Loch sind bislang nur Enten heimisch geworden. Die Baugrube im Süden der Stadt gilt vielen als eines der unrühmlichsten Immobilienprojekte Münchens.
Das Areal an der Alramstraße war im Jahr 2017 für fast 75 Millionen verkauft worden. Hochpreisige Wohnungen sollten entstehen, wo früher ein Supermarkt stand. Von Luxus ist heute nicht viel zu sehen. Seit vier Jahren klafft an der Alramstraße eine zwölf Meter tiefe, 4810 Quadratmeter große Baugrube: das „Sendlinger Loch“, wie es im Volksmund inzwischen heißt. Nur eine Projekttafel erinnert an die spektakulären Visionen des Bauherrs M-Concept. Die Fertigstellung war ursprünglich für das Jahr 2025 geplant.
„Sendlinger Loch“ in München: Enten schwimmen in der vollgelaufenen Baugrube
Zu Beginn des Winters hatte Investor M-Concept die Pumpen abschalten lassen. Enten schwimmen jetzt in der mit Wasser vollgelaufenen Baugrube. Tauben machen es sich auf Rohren gemütlich, die aus der Wand ragen. Irgendjemand hat eine Luftmatratze in Krokodilform im Loch versenkt. Plastikmüll dümpelt im Wasser vor sich hin.
Baugrube wird zum Millionengrab: Das „Sendlinger Loch“ in Bildern




„Mein Traum von einer Wohnung am See wird endlich wahr! Im Winter bei Minusgraden kann man schön die Schlittschuhe rausholen. Für den sommerlichen Badespaß sind schon die Kroko-Luftmatratze und die Badeenten da“, schrieb eine Anwohnerin in einer humorigen Google-Rezension.
„Millionengrab“ in München: Aufforderung an die Stadt, Areal zu kaufen
Immer wieder ist das Sendlinger „Millionengrab“ Ziel amüsanter Aktionen. Ernster war es Stadträten der Linken und der Partei im Januar 2024. Sie forderten die Stadt in einem Antrag auf, das Areal an der Alramstraße zu kaufen. Das Sendlinger Loch sei zum Sinnbild des Münchner Immobilienmarktes geworden, schrieben die Stadträte.
Begehrte Areale würden Spekulanten überlassen, die dort teure Luxuswohnungen bauen wollen. „Grund und Boden gehören in öffentliche Hand und nicht in die Klauen einer Immobilienfirma aus Grünwald“, positionierten sich die Stadträte in ihrem Antrag. Stefan Jagel, Fraktions-Chef der Linken erklärte: „Fakt ist, dass es kaum eine Nachfrage nach Luxuswohnungen in Sendling gibt, dafür aber einen sehr hohen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum.“
Mehr News finden Sie in unserer tz-App, jetzt im verbesserten Design mit mehr Personalisierungs-Funktionen. Direkt zum Download, mehr Informationen gibt es hier. Sie nutzen begeistert WhatsApp? Auch dort hält Sie tz.de/muenchen ab sofort über einen neuen Whatsapp-Kanal auf dem Laufenden. Hier geht‘s direkt zum Kanal.
Rubriklistenbild: © ank/lks
