VonChristina Jachert-Maierschließen
Die Absicht, eine Asylbewerberunterkunft im Gewerbegebiet Marienstein einzurichten, stößt auf Widerstand. Es läuft eine Petition - und beim Bürgerstammtisch wird viel Zulauf erwartet.
Marienstein – Beim offenen Bürgerstammtisch der ABV in Marienstein am Donnerstag, 31. August, Beginn 19.30 Uhr, wird die geplante Asylbewerber-Unterkunft auf dem früheren Bergwerksgelände Thema sein. Und zum ersten Mal hat ABV-Sprecher Rudi Reber Sorge, dass der Platz im Feuerwehrstüberl nicht für alle reichen könnte. „Da werden viele kommen“, meint Reber. Wie berichtet, stoßen die Pläne im Ort auf Widerstand.
Online-Petition gestartet
Nina Hoffmann, 42 Jahre, Vollzugsbeamtin, hat eine Online-Petition unter dem Titel „Unser Dorf soll sicher bleiben“ gestartet. Bis gestern Nachmittag haben 704 Unterstützer unterzeichnet. Auf dem Portal change.org weist die Initiatorin auf den ABV-Bürgerstammtisch hin. „Eine Teilnahme ist sehr erwünscht“, schreibt die Mutter von zwei Kindern. Sie selbst macht gerade mit ihrer Familie Urlaub in Italien, aber Martina Koch wird als Stellvertreterin beim Stammtisch dabei sein.
Familien in Sorge
Was die Gruppe antreibt, ist die Angst, dass ein Heim mit 40 Asylbewerbern im kleinen Marienstein Gefahr bedeutet. „Das überrollt uns“, fürchtet Hoffmann. In der Petition heißt es: „Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, dass es in solchen Unterkünften immer wieder zu Randalen kommt, und auch eine Delinquenz der Asylbewerber ist nicht ausgeschlossen, sondern sogar eher wahrscheinlich.“ Marienstein biete auch keine Infrastruktur für Flüchtlinge: „Es gibt keinen Supermarkt, Bäcker oder Metzger. Die Anbindung an den ÖPNV ist denkbar schlecht.“
Die Petition richtet sich ans Landratsamt Miesbach, das für den Freistaat Flüchtlinge unterzubringen hat. Die privaten Eigentümer eines ehemaligen Verwaltungsgebäudes haben dem Amt das Haus im Gewerbegebiet als Unterkunft angeboten. Es wurde für geeignet befunden, muss aber noch umgebaut werden.
Wie berichtet, sieht der Bauausschuss des Gemeinderats viele Probleme, kam aber nicht umhin, der Nutzungsänderung zuzustimmen, die auf drei Jahren befristet ist.
Erklärung auf Gemeinde-Homepage
Inzwischen ist auf der Rathaus-Homepage eine Erklärung zu lesen: Die Gemeinde plane keine Asylunterkunft, sondern sei am Verfahren beteiligt worden. Die Zuständigkeit liege beim Landratsamt. Die Gemeinde könne die Aufnahme weiterer Geflüchteter, die über den Bund und das Land den Landkreisen zugewiesen werden, nicht dauerhaft verhindern.
Doch wer auch immer zuständig ist: Nina Hoffmann will sich gegen ein Asyl-Heim in der Nachbarschaft wehren. Wenn zum Beispiel syrische Familien kämen, wäre die Lage anders, meint sie. Aber es würden junge Männer in viel zu hoher Zahl untergebracht. Und das an einem Ort, der sich dafür nicht eigne.
Landratsamt betrachtet Gebäude als geeignet
Am Landratsamt sieht man das anders. Es bestünden fußläufig Einkaufsmöglichkeiten, bei 30 Minuten Gehzeit, sowie eine Bus- und Bahnverbindung, teilte die Behörde unlängst mit. Eine Auskunft, über die Reber den Kopf schüttelt. Drei Kilometer seien es bis zum nächsten Laden in Waakirchen, der RVO-Bus fahre einmal am Tag. „Im Winter sitzen die Männer bei einem Meter Schnee in Marienstein fest und kommen nirgendwo hin“, meint der ABV-Gemeinderat. Das schüre Aggressionen. Er unterstütze die Petition.
Aber: Beim Bürgerstammtisch morgen wolle er eine sachliche Diskussion. Keine Parolen, keine Hassreden, sondern konstruktiv darüber sprechen, was man tun kann. Und auch wenn die Kommune schwer Einfluss nehmen könne, plädiere er dafür, nicht stillzuhalten, sondern als Gemeinde nach anderen Lösungen zu suchen.
