VonChristina Jachert-Maierschließen
Das ehemalige Verwaltungsgebäude auf dem Bergwerksgelände in Marienstein wird zum Asylbewerberheim. 40 Menschen sollen dort untergebracht werden. Der Waakirchner Bauausschuss stimmte der Nutzungsänderung im Gewerbegebiet zu – mit viel Unbehagen.
Waakirchen – Das frühere Berg- und Zementwerksgelände ist heute das Gewerbegebiet Marienstein West. Alleinbeauftragter der Abwicklung – das Zementwerk schloss 1998 – war Ferdinand Linsmayer, der dort Flächen erwarb. Um die Dinge für seine Erben zu ordnen und an diese Stelle Wohnen zu ermöglichen, kämpfte er darum, einen Teil des Gewerbegebiets zum Mischgebiet zu machen. 2019, Linsmayer war 86 Jahre alt, erteilte ihm der Gemeinderat eine Abfuhr. Das Gremium wollte den Bebauungsplan fürs Gewerbegebiet nicht antasten und keine Wohnnutzung zulassen. Betroffen war das Grundstück, auf dem das alte Verwaltungsgebäude steht.
Eigentümer bieten Landratsamt Haus als Unterkunft an
Als Bauherrengemeinschaft haben die Eigentümer das Haus jetzt dem Landratsamt als Asylbewerber-Unterkunft angeboten. Von der Behörde sei das Gebäude geprüft und für vermietbar erklärt worden, berichtete Bürgermeister Norbert Kerkel (FWG) im Bauausschuss. Der Umbau zur Asylbewerberunterkunft bedeute nicht, dass Wohnen dort künftig erlaubt sei, so Kerkel. Die Nutzung sei auf drei Jahre begrenzt.
Ein Beschluss des Gremiums war gefragt, doch dabei war klar: An der Zustimmung führt kein Weg vorbei. „Aber eigentlich müsste man ablehnen, was ich auch tun werde“, wetterte Rudi Reber (ABV). Was ihn bewegt, ist der Ärger auf die Bundesregierung und die Angst, dass Straftäter einziehen. „Das überrollt uns“, meinte Reber. Auch Günther Jeske (FWG) beklagte die Situation: „Die Regierung ist nicht in der Lage, die Probleme zu lösen.“
„Besser als in der Turnhalle“
Der anhaltende Flüchtlingsstrom besorgt auch Erwin Welzmiller (CSU). Letztlich sei es aber besser, dieses Gebäude zu belegen als die Turnhalle, merkte er an. Von der Lage her halte er die Unterbringung in Marienstein aber für schwierig: „Da gibt es keine Infrastruktur. Die Leute können sich nicht mal ein Stück Brot kaufen.“
Für die Mobilität bleibe wohl nur der Bürgerbus, meinte Reber. Der biete aber wenig Platz. Er fürchte auch, dass die Situation die ehrenamtlichen Fahrer des Kleinbusses überfordere und am Ende das gerade aufgebaute System wieder kaputtmache. „Das zieht einen Rattenschwanz nach sich.“ Gut wäre es, so Reber, wenn die Gemeinde erreichen könne, dass Familien und nicht nur junge Männer in Marienstein untergebracht werden.
Gemeinde hat keinen Einfluss auf die Belegung
Darauf habe die Gemeinde absolut keinen Einfluss, erwiderte Bürgermeister Kerkel. Auch er hält die Lage in Marienstein für „nicht optimal“. Damit man sich vorbereiten könne, habe er den Helferkreis bereits informiert. „Zum Glück haben wir etwas Vorlauf“, so Kerkel. Denn zunächst steht der Umbau des Hauses an. Einen Termin für den Bezug gibt es noch nicht.
Umbau nötig
Wie das Landratsamt auf Nachfrage mitteilt, müssen für die Nutzung als Asylbewerber-Unterkunft unter anderem der Brandschutz ertüchtigt und die sanitären Einrichtungen erweitert werden. Die Kosten dafür seien grundsätzlich Sache des Eigentümers. Der Freistaat Bayern beteilige sich aber an der Finanzierung, nachdem der Umbau explizit für die Nutzung als Asylbewerberunterkunft erfolge.
Cornelia Riepe (Grüne) trat der Kritik an der Regierung im Gremium entgegen: „Das ist die globale Situation.“ Gemeinsam stehe man vor einem großen Problem: „Ich kann nur appellieren, dass wir alle zusammenhalten.“
