Montagsfreunde wollen Schongau barrierefrei machen

Barrieren auch in den Köpfen abbauen

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Zeigten Stolperfallen auf: Der Altenstadter Edi Schieder und der Schongauer Architekt Helmut Vollmann.
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Weg mit den Barrieren, auch in den Köpfen! Das wünschten sich die Schongauer Montagsfreunde. Nicht nur beim geplanten Weg zum Münzgebäude soll nachgebessert werden.

Schongau „Neuer Weg am Münzgebäude bleibt steil: Diskussion ist beschämend“ hatte die Heimatzeitung Ende März berichtet. Der Stadtrat hatte sich nach kontroverser inhaltlicher Auseinandersetzung für jenen Vorentwurf am Adolph-Kolping-Weg entschieden, der deutlich mehr Steigung aufweist und – bei rund 14 Prozent Neigung – für einen Menschen im Rollstuhl nicht allein zu bewältigen ist. Die Vorplanung mit nur sechs Prozent Steigung lehnte der Stadtrat hingegen mehrheitlich ab. Zum einen würde eine lange, beschwerliche Wegstrecke entstehen, zum anderen müsste der direkte Weg mit Stufen gestaltet werden, die nicht nur Barrieren sind, sondern auch Hindernisse etwa für den Winterdienst, hieß es in der Sitzung.

Die Montagsfreunde wollen die Pläne so nicht hinnehmen

„Das wollen wir so nicht hinnehmen“, so Mitinitiatorin Irmgard Schreiber-Buhl. „Es ist wichtig, die Schranken in Gesetzen und Köpfen abzubauen“, hatte sie das – nur kleine – Publikum bei der Infoveranstaltung eingeschworen. Schreiber-Buhl verwies darauf, dass die Barrierefreiheit in Schongau auch im Städtebaulichen Entwicklungskonzept ISEK als Ziel festgeschrieben sei.

„Barrierefreiheit bedeutet mehr als Rampen und Treppen und Aufzüge“, verdeutlichte es Marianne Porsche-Rohrer, es gehe auch um Menschen, die sehbehindert sind oder eine geistige Einschränkung hätten. Die Formulierung der Architektin im Stadtrat nach dem Motto, ganz barrierefrei gehe es nicht, dann sei es auch schon wurst, sei ausgesprochen ungut gewesen. „Der kann man so nicht zustimmen – da ist mir gewaltig der Hut hochgegangen“, so die CSU-Stadträtin und Seniorenbeauftragte des Gremiums. Sie verwies darauf, dass deutlich mehr Menschen betroffen seien, als man glaube. „Das Leben dieser Menschen ist ausgesprochen eng geworden. Und behindert ist man schneller, als man denkt.“ Porsche-Rohrer berichtete in kurzen Worten über ihre eigenen Erfahrungen als Mutter eines Sohnes, der seit zehn Jahren im Rollstuhl sitzt. „Jeder sollte gewappnet sein.“

Keine der Weg-Varianten barrierefrei

Stadtbaumeister Sebastian Dietrich erläuterte noch einmal den Hintergrund der Stadtratsentscheidung. „Beide Varianten sind nicht absolut barrierefrei, weil es an dieser Stelle auch nicht möglich ist.“ Das Gremium habe die Richtung vorgegeben, die Bauamt und Planer nun weiterverfolgen. Wie bei jeder Planung seien der Beirat für Menschen mit Behinderungen wie auch der Seniorenbeirat beim nächsten Schritt miteinbezogen. Elisabeth Wagner, Vorsitzende des Schongauer Seniorenbeirats, bestätigte, dass man im Stadtbauamt sehr offen sei für alle Ideen. „Wenn es vom Stadtrat beschlossen ist, ist es noch nicht in Stein gemeißelt.“ Dietrich versprach, dass Verbesserungen diskutiert würden, auch den Vorschlag von Renate Müller, für Rollifahrer einen Platz zum Verschnaufen zu planen, nahm der Stadtbaumeister mit. Müller, Mitinitiatorin der Montagsfreunde, hatte insgesamt Bedenken, dass man vom erklärten Ziel, Bayern bis zum Jahr 2023 im öffentlichen Raum und im öffentlichen Nahverkehr barrierefrei zu machen, noch weit entfernt sei.

„Menschen sind nicht behindert, sondern sie werden behindert.“ Diese Aussage stellte VdK-Kreisvorsitzende Susann Enders ihrem Wortbeitrag voran. Sie machte nicht nur „Werbung in eigener Sache“ für den Sozialverband, sondern lobte auch den ehrenamtlichen Einsatz von Edi Schieder und Reinhold Nöth. Schieder, ausgebildeter Tourismusberater für barrierefreies Reisen und seit 30 Jahren beim VdK, hatte einige Verbesserungsvorschläge für Schongau im Gepäck.

Behinderten-Toilette im Jakob-Pfeiffer-Haus ist gefährlich 

„Das Problemchen seit Jahren“ sei das Jakob-Pfeiffer-Haus mit seiner Behindertentoilette. Diese sei ohne ausreichenden Sicherheitsabstand zur Treppe gelegen, Rollstuhlfahrer könnten diese rückwärts hinunterstürzen. Unzählige Beispiele gebe es in Schongau, veranschaulichte Schieder in einem Kurzvortrag. Auch Architekt Helmut Vollmann, Sachverständiger für barrierefreies Bauen, hatte diverse Beispiele im Gepäck, angefangen von Stolperfallen am Eingang, unüberwindbaren Stufen zu Arztpraxen bis hin zu unlesbaren Schildern. Schieder bot der Stadt eine Begutachtung an. „Wir sollten nicht gegeneinander arbeiten, sondern miteinander, dann kommt etwas raus dabei.“

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