VonDoris Schmidschließen
Anlieger haben die Interessengemeinschaft „Pro Egerlandstraße“ gegründet. Sie setzen sich für einen möglichst anliegerfreundlichen Ablauf während der Umbauphase vor ihrer Haustür ein.
Geretsried – Lärm, Staub, Dreck, schlechte Erreichbarkeit und fast keine Parkplätze: Das kommt auf die Anlieger der Egerlandstraße zu, sobald dort die Bauarbeiten beginnen. Gewerbetreibende sehen Umsatzeinbußen auf sich zukommen, Vermieter rechnen mit geringeren Mieterträgen. Nun hat sich die Interessengemeinschaft „Pro Egerlandstraße“ gegründet, die sich für einen möglichst anliegerfreundlichen Bauablauf einsetzen will – notfalls auch mit rechtlichen Mitteln.
An ihrer Spitze steht Frederik Holthaus, Geschäftsführer des Isar-Kaufhauses. „Wir sind eine Gruppe von Immobilieneigentümern, Gewerbetreibenden und Freiberuflern, die zum Teil schon seit Jahrzehnten an der Egerlandstraße wohnen und arbeiten“, berichtet Holthaus. Mit im Boot seien unter anderem der Eigentümer des Isar-Kaufhaus-Gebäudes, Florian Fischer, der Eigentümer und Betreiber der Paracelsus-Apotheke, Eduard Engelhardt, dessen Nachbar Rudi Utzinger, der das Sportgeschäft besitzt, sowie der Eigentümer des Rewe-Supermarkts, Tilman Weide.
Die Straße vor ihrer Ladentür wird sich für zweieinhalb Jahre in eine Baustelle verwandeln. Los geht’s im November. Dann will die Baugenossenschaft mit dem Abbruch ihres Gebäuderiegels an der Egerlandstraße 58 bis 74 beginnen. Es soll wie berichtet durch ein modernes Wohn- und Geschäftshaus ersetzt werden. Gleichzeitig soll in der Egerlandstraße eine öffentlich zugängliche Tiefgarage mit etwa 240 Stellplätzen gebaut werden.
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Ab dem Frühjahr 2020 sollen die Sparten Kanal, Wasser, Gas, Strom, Kabel und Telefon verlegt werden, und zwar unter die Gehsteige auf beiden Seiten der Straße, berichtet Holthaus. Daran würden sich die Bauarbeiten für die Tiefgarage anschließen. Die Interessengemeinschaft verlangt, dass während der Bauphase ausreichend Zufahrten, Zugänge und Ersatzparkplätze gewährleistet werden. Und es müsse mindestens in zwei Abschnitten gebaut werden.
Laut Holthaus hat der Stadtrat im Juli in seinem Aufstellungsbeschluss festgelegt, dass die Tiefgarage verlängert werden soll. Über deren genauen Länge sei bis heute allerdings noch keine Entscheidung gefällt worden, sagt der Geschäftsmann. „Wir fordern, die Einfahrten aus dem Hauptfrequenzbereich an die Ränder zu verlegen.“ Der geplante Kreisverkehr an der Einmündung zum Fasanenweg müsse vermieden und 120 öffentliche Parkplätze erstellt werden. So viele oberirdische Stellplätze hat es laut Holthaus vor der Bauphase im Bereich Karl-Lederer-Platz/Egerlandstraße gegeben. In Zukunft solle es nur noch ein paar oberirdische Kurzzeitparkplätze, etwa zehn schätzt Holthaus, im gesamten Bereich geben.
„Die lange Bauzeit wird alle Anlieger stark beeinträchtigen“, ist sich der Diplom-Kaufmann sicher. Vor allem Gewerbebetriebe und Vermieter müssten mit geringeren Mieterträgen und Umsatzrückgängen rechnen. Die Baugenossenschaft hingegen könne durch die Ausweisung von zusätzlich etwa 130 Stellplätzen unter der öffentlichen Straße mehr vermietbare Flächen auf ihrem Grundstück schaffen und so für Jahrzehnte zusätzliche Mieteinnahmen erzielen, argumentiert die Interessengemeinschaft. „Wir wollen uns dagegen wehren, dass wir Anlieger während der Bauzeit alle Lasten tragen müssen, und die Baugenossenschaft in Zukunft alleine alle Vorteile einstreichen kann“, verdeutlicht der 55-Jährige. Dazu werde die Interessengemeinschaft, falls es mit der Baugenossenschaft nicht doch noch zu einer gütlichen Einigung kommt, rechtliche Mittel einlegen und notfalls versuchen, Ausgleichszahlungen gerichtlich durchzusetzen.
Holthaus betont, dass die Mitglieder der Interessengemeinschaft es grundsätzlich begrüßen, dass das Zentrum durch mehr Wohnungen und Gewerberäume gestärkt wird. „Dennoch will unsere Interessengemeinschaft bei den geplanten Vorhaben die berechtigen Interessen der Anlieger vertreten und durchsetzen.“
Info
Die Interessengemeinschaft „Pro Egerlandstraße“ kommt am Mittwoch, 6. Februar, um 19 Uhr im kleinen Saal der Ratsstuben zu einem Treffen zusammen. Dort wollen die Initiatoren über Aktuelles, den Bauablaufplan und den Stand der Verhandlungen mit der Baugenossenschaft informieren und das weiter Vorgehen besprechen.
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