In der Serie Alltagshelden stellt der Tölzer Kurier Menschen vor, die trotz Corona den „Landen am Laufen halten“. Jens Rösler bringt in der Corona-Krise haufenweise Pakete zu den Kunden.
Bad Tölz/Lenggries – Wenn Jens Rösler dieser Tage seiner Arbeit nachgeht, geschieht das wie bei den meisten Menschen in Zeiten der Corona-Krise: Der 48-Jährige hält viel Abstand. Rösler ist ein sogenannter Verbundzusteller bei der Deutschen Post für den Bereich Bad Tölz. Das bedeutet, dass er nicht nur Pakete ausliefert, sondern auch Briefe zustellt.
Seit nun schon 30 Jahren ist der Lenggrieser in Diensten der Post. Und die Pandemie hat natürlich auch seinen Berufsalltag verändert. War bis vor einigen Wochen noch eine gewisse Nähe zum Kunden bei der Paketübergabe die Normalität, kommt er heute den Menschen nicht näher als zwei Meter. „Wenn ich ein Paket zustelle, dann lege ich es vor der Tür ab, klingel und gehe sofort mehrere Schritte nach hinten“, erklärt er. Denn nur so könne er den Sicherheitsabstand wahren. Und statt einer unterschrift vom Empfänger gibt Rösler nun ein “Q“ in seinen Scanner ein und natürlich sein Kürzel. Das „Q“ steht dabei für Quarantäne.
In der Krise öfter ein „Dankeschön“
Für die Kunden sei das am Anfang schon ungewohnt gewesen, sagt er, „aber nach einer Woche haben sich alle daran gewöhnt“. Überhaupt, die Reaktionen der Menschen, die er beliefere, sei durchweg positiv. „Wir bekommen in unserem Job ja oft ein „Dankeschön“ zu hören, aber in den Zeiten seit Beginn der Krise hat sich das schon gehäuft“. Und von Zeit zu Zeit bekäme er nun sogar auch mal Schokolade geschenkt.
An den Beginn der Pandemie kann sich der Paketzusteller noch gut erinnern: „Ich habe mich sehr erschrocken“. Plötzlich habe vor der Tür gestanden, was vorher noch so weit weg in China gewesen sei. Auch unter den Kollegen, vor allem bei den älteren, habe es anfangs durchaus Sorgen gegeben. Mittlerweile sei aber doch die alte Routine eingekehrt: „Mit der Erfahrung Virus sind die Kollegen gut umgegangen.“ Und klar, auch beim Sortieren der Post und Beladen der Fahrzeuge achte jeder darauf, den nötigen Abstand zu den Mitarbeitern einzuhalten.
Angst, sich mit dem Corona-Virus anzustecken, hat Jens Rösler derweil nicht. „Da ist eher das ungute Gefühl, dass ich andere Menschen anstecken könnte.“ Denn wer wisse schon genau, wie leicht sich die Viren am Ende wirklich verbreiten.
Deutlich mehr Pakete seit Beginn der Krise
Die letztlich größte Veränderung in den vergangenen Wochen sei das Paketaufkommen, stellt Rösler in der Rückschau fest. „Wir liefern eigentlich seit Beginn der Krise deutlich mehr Pakete aus. Das ist von der Menge her gefühlt wie Ostern und Weihnachten zugleich.“ Das sei bis zum heutigen Tag so und dürfe gerne auch so bleiben. Allerdings nur, wenn dafür auch mehr Kollegen zur Verfügung stünden, denn die Belastung sei ungleich höher. Aber dann hätten beide Seiten etwas davon.
Doch nicht nur beruflich hat das Corona-Virus das Leben des 48-Jährigen durcheinandergewirbelt. Auch im Privatleben brachte es Veränderungen mit sich: Da die Kindergärten plötzlich geschlossen hatten, musste er seinen Dienstplan umstellen und fährt seitdem am Nachmittag seine Pakete und Briefe aus. „Ich habe mich vormittags um unsere beiden Kinder gekümmert und meine Frau nachmittags.“ Nach drei Wochen kam aber auch hier Entlastung: „Meine Frau arbeitet auch im systemrelevanten Bereich, und so konnten wir unsere Kinder in die Notbetreuung geben, als die endlich zur Verfügung stand.“
Wenn Jens Rösler nach einem langen Tag das letzte Paket ausgeliefert hat, versucht er abzuschalten. Dann kümmert er sich um seine Kinder, arbeitet im Garten oder fährt mit dem Rad, da der körperliche Ausgleich zu seinem Job doch wichtig sei. „Aber unterbewusst geht der Kopf natürlich weiter“, gesteht er. Und dann gibt es da noch die eine große Leidenschaft: Musik. Jens Rösler sammelt Schallplatten. Knapp 500 Stück davon nennt er mittlerweile sein Eigen. Vornehmlich Rockmusik, wie er sagt. Da kann der Kopf dann auch tatsächlich endlich abschalten.