„Was haben wir davon?“

Keine 24h-Trophy in Bad Tölz: Wander-Event strauchelt im Ausschuss

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Gemeinschaftserlebnis: Teilnehmer der „24h-Trophy“ in der Alpenwelt Karwendel fallen sich glücklich in die Arme. In Bad Tölz wird es solche Szenen vorläufig nicht geben.
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Wandern rund um die Uhr: Diese Idee der 24h-Trophy stieß bei den Stadträten im Finanzausschuss in Bad Tölz auf wenig Gegenliebe.

Bad Tölz – Wandern rund um die Uhr: Das ist die Herausforderung für die Teilnehmer der „24h-Trophy“, die sich bereits in mehreren oberbayerischen Orten etabliert hat. Der Veranstalter, eine Eventagentur aus Berchtesgaden, hatte nun die Fühler ausgestreckt, um die Veranstaltung 2020 nach Bad Tölz zu bringen. Daraus wird nichts. Der Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats lehnte das Ansinnen in seiner Sitzung am Dienstag ab.

Die stellvertretende Kurdirektorin Susanne Frey-Allgaier hatte dem Gremium das Konzept zuvor erläutert. Bei der „24h-Trophy“ wird eine Route ausgewiesen, die gemeinsam in 24 Stunden zurückgelegt wird. „Die Gruppe geht zum Beispiel am Freitag um 18 Uhr los und kommt am Samstag um dieselbe Zeit wieder an“, sagte Frey-Allgaier. Daneben gebe es familienfreundliche Touren von zwölf oder sechs Stunden.

In Berchtesgaden beteiligen sich bis zu 1200 Wanderer an der 24h-Trophy

Die Teilnehmer marschieren dabei nicht ununterbrochen, sondern legen immer wieder Pausen ein – diese würden dann zum Beispiel als gemeinsame Brotzeit, als Fotostopp oder mit einem kleinen Auftritt der Stadtkapelle gestaltet, wobei sich die örtliche Gastronomie oder andere Unternehmen gut beteiligen könnten. Für die Wanderer gehe es „nicht um einen Wettbewerb, sondern um ein Gemeinschaftserlebnis“, so Frey-Allgaier.

In Berchtesgaden sei die Veranstaltung bereits seit einigen Jahren etabliert. Bis zu 1200 Menschen machen dort mit. Mittlerweile werde die „24h-Trophy“ zum Bespiel auch im Tegernseer Tal angeboten, wo sich laut Frey-Allgaier 300 bis 350 Wanderfreunde beteiligten.

Finanzausschuss von Bad Tölz lehnt 24h-Trophy ab

Der Veranstalter habe nun angeboten, das Event nach Bad Tölz zu bringen. Dafür müsste die Stadt der Agentur 18.500 Euro bezahlen. „Eine Stange Geld“, wie Frey-Allgaier einräumte. „Dafür übernimmt die Agentur das komplette Marketing.“ Von Seiten der Tourist-Info sei nur „ein kleines Rahmenprogramm“ am Start- und Zielpunkt – mutmaßlich in der Marktstraße – beizusteuern.

Aus dem regulären Budget der Tourist-Info sei das Ganze aber nicht zu stemmen. Deshalb fragte Frey-Allgaier beim Stadtrats-Ausschuss nach, ob die zusätzliche Ausgabe genehmigt würde. Vorsichtshalber habe man das Wochenende von 11. bis 13. September 2020 für die Veranstaltung geblockt.

24-Stunden-Trophy in Bad Tölz: „Sehe nicht ein, dass wir dafür Geld zahlen“

Doch im Ausschuss fand das Event wenig Anklang. „Ich sehe bei der ganzen Sache nur einen Gewinner, und das ist die Agentur“, gab Stadtrat Franz Meyer (Grüne) die Richtung der Debatte vor. Wenn, dann müsse so eine Veranstaltung durch die Beiträge der Teilnehmer finanziert werden, nicht durch die Stadt. „Ich sehe nicht ein, warum wir dafür Geld zahlen sollen.“

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Auch Karsten Bauer (CSU) fragte kritisch nach: „Was hat Tölz davon? Übernachten die Teilnehmer alle in Tölz? Oder freuen sich da nur die Nachbargemeinden?“ Frey-Allgaier verwies auf eine „Wertschöpfungsanalyse“, die die Agentur vorgelegt habe. Zudem sei die „24h-Trophy“ in der „Wander- und Tourismuswelt mittlerweile eine Marke“. Hier knüpfte Bürgermeister Josef Janker an: „Das wird überregional wahrgenommen und passt zu uns: Wandern, Entschleunigung Gesundheit“, sagte er und konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Das ist etwas anderes als ein Harleytreffen.“ Die Stadt hatte beim von Peter Frech organierten Harmey-Treffen nicht genehmigt, dass eine Ausfahrt über die Isarbrücke führt.

Auf das nahm auch Peter Wiedemann (FWG) Bezug – aber mit einer anderen Schlussfolgerung: Für die Wander-Trophy Geld auszugeben, „wäre ein Affront, gegen den örtlichen Veranstalter, der viel für die Stadt tut und alles auf eigenes Risiko“.

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Josef und Ludwig Janker, die als einzige für die „24h-Trophy waren, wurden am Ende von acht Stadträten überstimmt.

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