Kinderhaus Wildenwart

Mann als Leiter der Zukunfts-Kita: „Eltern nicht die Erziehung abnehmen“ – Social Media als Gefahr

+
Johannes Kern ist der Leiter des neuen Kinderhaus Wildenwart zwischen Frasdorf und Prien.
  • schließen

Noch ist das Kinderhaus in Wildenwart leer, statt Spielsachen liegt Werkzeug im Garten. Johannes Kern hat aber bereits seit Anfang Juli sprichwörtlich die Ärmel hochgekrempelt. Beim Baustellenbesuch spricht der Einrichtungsleiter über seine Motivation, Geschlechterrollen und den Umgang mit der für ihn aktuell größten Herausforderung in der Kinderbetreuung.

Frasdorf/Prien – In seiner neuen Arbeitsheimat kennt sich Johannes Kern bereits bestens aus, navigiert beim Treffen im neuen Kinderhaus Wildenwart sicher durch die Krippen-, Betreuungs- und Hort-Räume. „Es ist ein großartiges Haus, ich freue mich sehr, dass es bald mit Kinderleben gefüllt wird“, sagt der 27-Jährige dem OVB. Es ist bereits seine zweite Leitungsstelle, zuvor war zwei Jahre lang Einrichtungsleiter einer Kindergarten- und Krippengruppe in Schonstett.

Schon früh war Kern klar, dass er gerne einen sozialen Beruf ausüben möchte: „Der Wunsch, mit Menschen in engem Kontakt zu stehen und Teil eines Teams zu sein, war für mich von Anfang an entscheidend – ein Beruf, in dem man gemeinsam gestaltet, nicht allein arbeitet.“ Beim Schulpraktikum in eine Kindertagesstätte war ihm dann klar, „es ist das, was ich machen möchte“. Dabei hat ihn vor allem die direkte, ehrliche und begeisterungsfähige Art von Kindern sofort gewonnen.

Aufgewachsen ist Kern in Aschau im Chiemgau, lebt jetzt in Prien. Nach der längeren Strecke nach Schonstett freut er sich jetzt auch über einen kürzeren Arbeitsweg rauf nach Wildenwart. Bei der Arbeit mit Kindern ist ihm die Beobachtung das „Allerwichtigste, weil ich sehen kann, welche Bedürfnisse und Interessen es gibt. Und da ist das Schönste, darauf einzugehen und den Kindern wirklich was bieten zu können, dass sie glücklich sind“. Wenn die Kinder glücklich seien, seien es auch die Eltern. Kern: „Wir möchten den Eltern einfach anbieten, dass ihr Kind hier gut aufgehoben ist und sich gut entwickeln kann“.

Digitale Medien als große Herausforderung auch in der Kinderbetreuung

Eine der größten Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung und Betreuung ist für den Priener „der zunehmende Einfluss von Social Media und anderer digitalen Medien auf das Familienleben – insbesondere im Hinblick auf Fragen der Erziehung. Viele Eltern werden über Plattformen mit idealisierten oder stark vereinfachten Vorstellungen von ‚richtiger‘ Erziehung konfrontiert“. Diese werden von den Eltern dann oft unreflektiert übernommen, sagt Kern, „ohne sie auf die eigene Familiensituation oder die Bedürfnisse des Kindes abzustimmen.“

Dabei sieht der Wildenwartleiter die Aufgabe der Kita, familienunterstützend zu arbeiten und nicht belehrend oder ersetzend. „Wir möchten Eltern nicht die Erziehung abnehmen, sondern sie dabei stärken, ihren ganz individuellen Weg im Umgang mit ihrem Kind zu finden“, erklärt Kern und ergänzt: „In einem vertrauensvollen Dialog helfen wir dabei, Unsicherheiten zu begegnen, Orientierung zu bieten und die eigene Erziehungskompetenz weiterzuentwickeln – jenseits von Trends oder vermeintlichen Erziehungsmustern, wie sie online oft dargestellt werden.“

Erste Eindrücke vom neuen Kinderhaus Wildenwart zwischen Frasdorf und Prien

Patrick Nägele
Fotostrecke: Das Kinderhaus Wildenwart der Johanniter – erste Eindrücke vom Gemeinschaftsprojekt zwischen Frasdorf und Prien © Eindrücke vom neuen Kinderhaus Wildenwart zwischen Frasdorf und Prien
Patrick Nägele
Fotostrecke: Das Kinderhaus Wildenwart der Johanniter – erste Eindrücke vom Gemeinschaftsprojekt zwischen Frasdorf und Prien © Eindrücke vom neuen Kinderhaus Wildenwart zwischen Frasdorf und Prien
Patrick Nägele
Fotostrecke: Das Kinderhaus Wildenwart der Johanniter – erste Eindrücke vom Gemeinschaftsprojekt zwischen Frasdorf und Prien © Eindrücke vom neuen Kinderhaus Wildenwart zwischen Frasdorf und Prien
Patrick Nägele
Fotostrecke: Das Kinderhaus Wildenwart der Johanniter – erste Eindrücke vom Gemeinschaftsprojekt zwischen Frasdorf und Prien © Eindrücke vom neuen Kinderhaus Wildenwart zwischen Frasdorf und Prien
Patrick Nägele
Fotostrecke: Das Kinderhaus Wildenwart der Johanniter – erste Eindrücke vom Gemeinschaftsprojekt zwischen Frasdorf und Prien © Eindrücke vom neuen Kinderhaus Wildenwart zwischen Frasdorf und Prien
Patrick Nägele
Fotostrecke: Das Kinderhaus Wildenwart der Johanniter – erste Eindrücke vom Gemeinschaftsprojekt zwischen Frasdorf und Prien © Eindrücke vom neuen Kinderhaus Wildenwart zwischen Frasdorf und Prien
Patrick Nägele
Fotostrecke: Das Kinderhaus Wildenwart der Johanniter – erste Eindrücke vom Gemeinschaftsprojekt zwischen Frasdorf und Prien © Eindrücke vom neuen Kinderhaus Wildenwart zwischen Frasdorf und Prien
Patrick Nägele
Fotostrecke: Das Kinderhaus Wildenwart der Johanniter – erste Eindrücke vom Gemeinschaftsprojekt zwischen Frasdorf und Prien © Eindrücke vom neuen Kinderhaus Wildenwart zwischen Frasdorf und Prien
Patrick Nägele
Fotostrecke: Das Kinderhaus Wildenwart der Johanniter – erste Eindrücke vom Gemeinschaftsprojekt zwischen Frasdorf und Prien © Eindrücke vom neuen Kinderhaus Wildenwart zwischen Frasdorf und Prien
Patrick Nägele
Fotostrecke: Das Kinderhaus Wildenwart der Johanniter – erste Eindrücke vom Gemeinschaftsprojekt zwischen Frasdorf und Prien © Eindrücke vom neuen Kinderhaus Wildenwart zwischen Frasdorf und Prien
Patrick Nägele
Fotostrecke: Das Kinderhaus Wildenwart der Johanniter – erste Eindrücke vom Gemeinschaftsprojekt zwischen Frasdorf und Prien © Eindrücke vom neuen Kinderhaus Wildenwart zwischen Frasdorf und Prien
Patrick Nägele
Fotostrecke: Das Kinderhaus Wildenwart der Johanniter – erste Eindrücke vom Gemeinschaftsprojekt zwischen Frasdorf und Prien © Eindrücke vom neuen Kinderhaus Wildenwart zwischen Frasdorf und Prien
Patrick Nägele
Fotostrecke: Das Kinderhaus Wildenwart der Johanniter – erste Eindrücke vom Gemeinschaftsprojekt zwischen Frasdorf und Prien © Eindrücke vom neuen Kinderhaus Wildenwart zwischen Frasdorf und Prien
Patrick Nägele
Fotostrecke: Das Kinderhaus Wildenwart der Johanniter – erste Eindrücke vom Gemeinschaftsprojekt zwischen Frasdorf und Prien © Eindrücke vom neuen Kinderhaus Wildenwart zwischen Frasdorf und Prien
Patrick Nägele
Fotostrecke: Das Kinderhaus Wildenwart der Johanniter – erste Eindrücke vom Gemeinschaftsprojekt zwischen Frasdorf und Prien © Eindrücke vom neuen Kinderhaus Wildenwart zwischen Frasdorf und Prien

Dass er als Mann in der Kinderbetreuung arbeitet, bringt ihm fast ausschließlich positives Feedback. „Viele Menschen zeigen großes Interesse und finden es sehr bereichernd, dass auch Männer in der frühkindlichen Bildung tätig sind. Es wäre wünschenswert, wenn das Thema irgendwann ganz selbstverständlich wird“, findet Kern, denn: „Die Vorstellung ‚typisch männlicher‘ oder ‚typisch weiblicher‘ Berufe sollte es hoffentlich bald nicht mehr geben. Erfreulicherweise geht die Entwicklung genau in diese Richtung.“

Von klassischen Geschlechterrollen zur Bandbreite an Rollenmodellen

Die klassischen Geschlechterrollen begegnen ihm in der pädagogischen Arbeit immer wieder, „sei es im Spielverhalten, in der Rollenzuweisung durch die Gesellschaft oder in der Medienwelt. Unsere Aufgabe als Pädagoginnen und Pädagogen ist es, Kindern einen offenen, wertschätzenden Umgang mit Vielfalt zu vermitteln“.

Johannes Kern freut sich darauf, wenn das Kinderhaus Wildenwart bald mit Kinderleben gefüllt ist.

Dabei möchte er Kindern ermöglichen, dass sie sich unabhängig von Geschlechterklischees frei entfalten können. „In einem Team mit unterschiedlichen Persönlichkeiten erleben Kinder eine Bandbreite an Rollenmodellen, was wiederum ihre soziale Entwicklung stärkt und ihren Blick auf die Welt erweitert“, so der Kita-Leiter.

Kinder freuen sich laut Kern dabei über jede Bezugsperson, „die ihnen mit Aufmerksamkeit, Respekt und Einfühlungsvermögen begegnet – unabhängig vom Geschlecht“. Dabei spüre er immer wieder, wie wichtig auch Männer im Alltag von Kindern seien: „Viele Kinder erleben Männer vor allem im privaten Umfeld oder in Vereinen – weniger jedoch in Kitas oder Grundschulen. Umso mehr freuen sich viele Kinder, wenn sie auch dort auf männliche Bezugspersonen treffen.“

Gemeinden zufrieden mit Kern

Das sei auch wichtig, da manche Kinder je nach Bezugsperson auch unterschiedliche Facetten ihres Verhaltens zeigen. „Das verdeutlicht, wie bedeutsam vielfältige Beziehungsangebote für eine ganzheitliche Entwicklung sind“, sagt Kern. Er wird nicht der einzige Mann in Wildenwart sein: „Bei uns im Team arbeiten mehrere männliche Fachkräfte.“

Die beiden Bürgermeister aus Frasdorf und Prien sind mit Kern bisher äußerst zufrieden. „Wie ich ihn erlebt habe, ist er sehr engagiert und macht einen sehr kompetenten Eindruck“, sagt Daniel Mair dem OVB. Da die Räumlichkeiten in Wildenwart für Elterngespräche noch nicht fertig sind, bekommt der Frasdorfer Rathauschef den Kontakt von Kern mit Eltern häufiger mit: „Er kommt mir sehr kompetent und zielstrebig vor“. Und auch Priens Bürgermeister Andreas Friedrich ist kurz und knapp zufrieden: „Herr Kern macht einen sehr guten und engagierten Eindruck.“

Am 8. September ziehen die Kinder in Wildenwart ein, für Kern liegt bis dahin noch einiges an. Das Team steht zwar, eine Hauswirtschaftskraft wird aber noch gesucht und die Räume müssen fertig eingerichtet werden. Einen Lieblingsplatz im neuen Haus hat er schon: die große Terrasse mit Blick auf den Garten und die Kampenwand. Bleibt die Frage, wie viel Zeit er letztlich mit den Kindern auch im direkten Kontakt bleibt? „Ich wünsche mir, dass es möglichst viel ist.“

Kommentare