„So jongliert jeder Kindergarten“

KiTa-Dilemma in Geretsried: Das sagen die Träger

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Malstunde im Kindergarten: Weil das Personal fehlt, können manche Träger nicht alle Plätze belegen. In Geretsried standen deshalb Ende Mai 137 Kinder auf der Warteliste.
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Weil es zu wenig Personal gibt, können nicht alle Betreuungsplätze belegt werden. Die KiTas müssen jonglieren.

Geretsried Die Situation ist unbefriedigend: Die Stadt Geretsried hat zwar für ausreichend Kinderbetreuungsplätze gesorgt. Aber nicht alle Eltern bekommen einen Betreuungsplatz, weil es den Trägern an Personal fehlt. Ende Mai standen 137 Kinder auf der Warteliste. Im Interview mit unserer Zeitung sprach Bürgermeister Michael Müller von einem Dilemma, weil die Stadt nur wenig tun könne. Auch für die Träger ist die Situation nicht leicht, wie eine Umfrage bei einigen Anbietern zeigt.

Die Caritas betreibt fünf Kindertagesstätten (Kitas) in Geretsried. Insgesamt stellt sie in Krippe, Kindergarten und Hort etwa 400 Betreuungsplätze zur Verfügung. Aktuell sind laut Fachdienstleiterin Claudia Bart alle Plätze besetzt – auch, was das Personal anbelangt. Aber im Laufe des Kita-Jahres „kommt es immer wieder durch Schwangerschaften und damit verbundenen Beschäftigungsverboten zu Engpässen“, sagt Bart.

Die Betreuung der Kinder werde aber durch „internes Personalmanagement“ sichergestellt. In Ausnahmefällen könne es vorkommen, dass die Buchungszeiten in Absprache mit den Eltern zeitlich begrenzt gekürzt werden müssen. Für das neue Betreuungsjahr, das im September beginnt, sucht die Caritas zwei pädagogische Fachkräfte und eine pädagogische Ergänzungskraft.

Kinderland ist voll besetzt

Das Kinderland mit Einrichtungen in Weyarn, Bad Tölz, Holzkirchen, Gmund, Pullach, Wolfratshausen und Geretsried gehört ebenfalls zu den größeren Trägern. Vor drei Jahren wurde eine Kita mit Krippe und Kindergarten am Künnekeweg eröffnet. Dort werden zirka 107 Kinder betreut. „Alle Gruppen sind voll, und wir haben auch ausreichend Personal“, sagt Geschäftsführerin Petra Götzenberger auf Nachfrage. Natürlich komme es auch beim Kinderland vor, dass mal eine Stelle unbesetzt ist. „So eine Situation ist sehr schnell da, und man hat keinen Puffer“, sagt Götzenberger. „Aber wir schaffen es, diese Stelle zeitnah wieder zu besetzen.“

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Auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist in Geretsried ansässig. Der Wohlfahrtsverband betreibt am Robert-Schumann-Weg zwei Krippen-, drei Kindergarten- und drei Hortgruppen mit aktuell etwa 120 Mädchen und Buben. „Wir sind nicht komplett voll“, berichtet Erzieherin Melanie Beedell.

Als einen Grund nennt die 28-Jährige die natürliche Fluktuation, beispielsweise durch den Wegzug von Familien. Betreut werden die Kinder von zirka 20 Erziehern, Kinderpflegern und drei Praktikanten. Aktuell sei man personell gut aufgestellt. Unbesetzt sei nur der Posten der stellvertretenden Leitung, so Beedell.

Die Kita der Diakonie in Stein zählt eher zu den kleinen Einrichtungen in Geretsried. 50 Plätze würden theoretisch zur Verfügung stehen. Belegt seien momentan 39, berichtet Einrichtungsleiterin Jutta Michel. Wie viele Kinder tatsächlich aufgenommen werden können, hänge von den Buchungszeiten der Eltern ab. Und davon, ob auch Kinder mit Migrationshintergrund oder Integrationskinder zu betreuen sind. Zuletzt natürlich auch von der Personalstärke. „Aber da stehen wir im Moment gut da“, sagt die 50-Jährige. Im Mai konnte sie eine Mitarbeiterin einstellen – und zwei neue Kinder aufnehmen. „So jongliert jeder Kindergarten“, meint Michel.

Stadt und Champini suchen eine Lösung

Generell sei es nicht einfach, qualifiziertes Personal zu finden. „Die Chemie, das Umfeld und die Rahmenbedingungen müssen stimmen“, sagt Jutta Michel, die ihren Beruf seit 1989 ausübt. Ihr ist es wichtig, dass ihre Mitarbeiter den Kindern Grundwerte vermitteln. Oftmals würden Kitas eine Aushilfe suchen. „Aber das ist ganz schwer, wir können ja nur ausgebildete Kräfte nehmen“, sagt die Einrichtungsleiterin. Michel hatte das Glück, eine bereits pensionierte Erzieherin reaktivieren zu können. Und: „Im September kommt noch eine Kraft. Dann passt es wieder.“

15 Sport- und Bewegungskindertagesstätten betreibt Champini in Bayern – zwei davon in Geretsried. Auch bei Champini macht sich der allgemeine Personalmangel bemerkbar. „Je südlicher wir kommen, desto schlimmer wird es“, so die Erfahrung von Champini-Geschäftsführer Georg Rac. In Geretsried sei die Personallücke so „massiv“, dass nicht alle der insgesamt acht Krippen- und vier Kindergartengruppen besetzt seien.

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In der größten Stadt im Landkreis hänge dieses Problem auch mit der Infrastruktur zusammen. „Bezahlbarer Wohnraum, die öffentliche Anbindung, das sind alles so Faktoren“, meint Rac. Und: 98 Prozent der zumeist weiblichen Mitarbeiter seien in einem Alter, in dem sie selbst an Kinder denken und für eine gewisse Zeit ausfallen würden. Abgesehen davon seien die Öffnungszeiten der Einrichtung ein Problem. „Wir haben bis 18 Uhr geöffnet“, berichtet Rac. Für berufstätige Eltern ein Vorteil, für den Träger nicht unbedingt. „Das heißt, das wir zwei Schichten und damit auch mehr Mitarbeiter brauchen.“

Bürgermeister Müller hatte im Interview mit unserer Zeitung angekündigt, dass er das Gespräch mit den Trägern suchen will, um die Betreuungssituation zu verbessern. Das bestätigt Champini-Geschäftsführer Rac. Gemeinsam wolle man nun eine Lösung erarbeiten.

nej

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