Kultur

Klassik meets Blasmusik im Tölzer Kurhaus: Stehende Ovationen

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Buchstäblich ausgezeichnet: Die Jugendstadtkapelle überzeugte mit Präzision.

Das gemeinsame Konzert des Tölzer Jugendsinfonieorchesters und der Jugendstadtkapelle im Kurhaus lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: großartig.

Bad Tölz Ein Konzert mit über 100 Kindern und Jugendlichen begeisterte jetzt die Besucher im Tölzer Kurhaus. Die Musikschule und die jüngst beim Landesentscheid siegreiche Jugendstadtkapelle zeigten ihr Können bei einem gemeinsamen Konzert. Klassik meets Blasmusik: „Einfach großartig“, schwärmte ein Besucher.

Das junge Sinfonieorchester der Musikschule war erst nach den preisgekrönten Kollegen dran. Mit der großen Zahl an Aufführenden, 70 Beteiligten, und mit einem wunderbaren sinfonischen Klang zeigten sie sich durchaus als ebenbürtig. In Edvard Griegs beiden „Norwegischen Tänzen“ folgte weiches Legato auf den schwierigen, polternden Zweivierteltakt, der mit Triolen unterlegt war.

Kräftiges Volumen, runder Klang: das Tölzer Jugendsinfonieorchester.

Schostakowitschs berühmter „Walzer Nr. 2“ führten die Streicher mit wunderbar kräftigem Volumen auf, wofür auch die über ein Dutzend Celli sorgten. Aber regelrecht mitreißend gelang der sinfonische Klang mit der Filmkomposition „Fluch der Karibik“ von Klaus Badelt und Hans Zimmer. Bereits die irisch gestalteten ersten Klänge erklangen mit großer Präzision. Dank der schon erfahrenen Schlagzeuger der Stadtkapelle nahm das Orchester tempomäßig Fahrt auf, Dirigent Sepp Kronwitter schonte die Jugend dabei nicht, sie folgte aber mühelos.

Die mächtige, spannende Musik war körperlich zu spüren. Nach zum Teil stehendem Ovationen gab es nochmals eine Zugabe. „Es ist erstaunlich, was bei so geringer Probenzeit herauskommt“, lobte Kronwitter. „Jede Orchesterwerkstatt hat auch eine andere Besetzung.“ Der erfahrene Dirigent der Tölzer Stadtkapelle gab zu, richtig aufgeregt zu sein, weil er an diesem Abend zwei Ensembles zu dirigieren hatten.

Volles Haus: Im vollbesetzten Kurhaus gab es zum Teil stehende Ovationen.

Verstärkt wurde das junge Sinfonieorchester durch einige Bläser und Schlagzeuger der Jugendstadtkapelle. Diese hatten den ersten Teil des Abends bestritten. Für das Wettbewerbs-Pflichtstück von 2017, „Journey into Diablo Canyon“ von David Shaffer, waren nur sechs Wochen Zeit gewesen, um das Stück so einzustudieren, dass es vor einer hochklassigen Jury bestand. Die Komposition im Stil von Westernfilmmusik forderte heraus mit Tempo, rasch aufeinander folgenden Einsätzen der unterschiedlichen Instrumente und höchster Präzision. Gleiches beherrschte das Ensemble mit dem Wunschstück „Concerto d‘amore“ von Jacob de Haan, mit dem sie vor Kurzem den ersten Platz beim Landesentscheid des Blasmusikverbands in der Mittelstufe gewonnen hatten (wir berichteten). Es ging von majestätischen Klängen zu Pop über und endete im Swing. Nach dem aufregenden Stück zeigten die Nachwuchsmusiker noch eine ganz andere Seite mit der warmherzig intonierten „Zweier-Polka“ von Peter Schad.

Der grundlegende Trumpf der Tölzer „Stadt mit der besonderen Note“ ist, dass keine Konkurrenz zwischen den Institutionen herrscht. Musikschulleiter Harald Roßberger, der sich mit Kronwitter bei der Leitung des Sinfonieorchesters abwechselt, lobte denn auch das „fruchtbare Miteinander“ von Musikschule, den Gymnasien, Grundschulen, Kirchen und Tourist-Info. Er dankte den beteiligten Lehrkräften für ihr zusätzliches Engagement: Bettina Schumacher und Anna Wetzel (Violine), Swetlana Boldt (Klavier) und Emil Bekir (Cello).

Sepp Kronwitter, Absolvent des Richard-Strauß-Konservatoriums, fasste den Abend zusammen: „So viele Jugendliche auf so einem musikalischen Niveau zu hören, dafür muss man weit gehen.“ Und Hias Hammerl, Bezirksvorsitzender des Musikbunds Ober- und Niederbayern lobte die zwei großartigen Ensembles: „Die sind wirklich pfundig beinand.“ (Birgit Botzenhart)

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