Demonstration ab 11 Uhr

Klimastreiktag in Bad Tölz: Auch Geschäftsleute und Ärzte machen mit

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Die Tölzer Klimaschutzaktivisten können heute mit reichlich Rückendeckung rechnen.
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Heute ist globaler Klimastreiktag. Zum Zentrum der der Aktivisten im Landkreis wird Bad Tölz. Einen gewagten Plan können die Demonstranten aber nicht umsetzen.

Bad Tölz – Heute ist globaler Klimastreiktag. Zum Zentrum der der Aktivisten im Landkreis wird dabei Bad Tölz. Mehrere Organisationen rufen zum Mitdemonstrieren auf, einige Geschäfte werden geschlossen bleiben.

Naheliegend ist diese Entscheidung beim Unverpackt-Laden „Ois ohne“, der erst um 14 Uhr öffnet. Werbung für den Klimastreik hat aber auch der Unternehmerverein „Wir für Tölz“ gemacht. „Die Vorstandschaft steht dem Klimastreik mehr als aufgeschlossen gegenüber“, erklärt Sprecherin Verena Weihbrecht. Daher habe der Verein Infos sowie Vordrucke für Aushänge an der Ladentür per E-Mail an sämtliche Mitglieder verschickt.

Am Klimastreiktag bleiben in Bad Tölz einige Geschäfte geschlossen - teils aber nur kurz

Weihbrecht – als Karriere-Coach selbst Unternehmerin – lässt für die Demo von 10 bis 13 Uhr ihre Geschäfte ruhen. Peter von der Wippel sperrt seine Geschäfte Intersport Peter und „Stadt, Land, Fluss“ an der Marktstraße heute um 11 Uhr zu – allerdings nur für 15 Minuten. „Auch wenn man über die einzelnen Forderungen streiten kann: Ich finde es beeindruckend, welchen Handlungsdruck bis in höchste Ebenen diese Bewegung erzeugt hat“, sagt der Geschäftsmann. Daher will er symbolisch seine Unterstützung zeigen.

Mit einigen Mitarbeitern möchte laut Weihbrecht das Tölzer Softwarehaus Jursconsulting an der „Fridays for Future“-Demo teilnehmen. Dabei sein werden auch die Ärzte Alexandra und Thomas Maurer sowie Ulrich Danninger, die in Tölz eine Gemeinschaftspraxis betreiben. „Wir haben unsere Termine so gelegt, dass wir dazu rechtzeitig rauskommen“, erklärt Danninger. Die Akutsprechstunde am Morgen sei nicht betroffen. Die drei Ärzte schränken seit Monaten immer wieder freitags die Praxiszeiten ein, um für Klimaschutz auf die Straße zu gehen. „Das ist schließlich auch ein gesundheitsrelevantes Thema“, sagt Danninger. „Das haben wir im Sommer erlebt.“ Speziell Senioren seien „von der Hitze erschlagen“ gewesen, Kreislaufprobleme, Sturzgefahr und das Risiko für Infekte hätten zugenommen. Pollen seien zunehmend mit Schadstoffen belastet – mit Auswirkungen auf Atemwegserkrankungen und Allergien.

Bürgermeister Josef Janker nimmt nicht an Klima-Demo in Bad Tölz teil 

„Natürlich halte ich alle meine Mitarbeiter gerne an, zur Demo zu gehen“, erklärt der Tölzer Stadtwerke-Chef Walter Huber. Das sei dank Gleitzeit für Bürobeschäftigte auch problemlos möglich. Die Aufforderung, dass die Stadtwerke als „starkes Zeichen“ komplett streiken sollten, lehnt er aber ab. „Dann wäre während des Streiks Bad Tölz stromlos, ohne Trinkwasser und das Erdgas würde ausgehen.“ Das wäre dann „ein Bärendienst“ für die Klimaschutzbewegung, meint Huber.

Wenn heute Mitarbeiter der Stadt Tölz demonstrieren wollen, „dann stehen wir dem nicht im Weg – im Gegenteil“, erklärt Rathaus-Sprecherin Birte Otterbach. Sie müssten dafür freilich vorher ausstempeln. Bürgermeister Josef Janker selbst werde allerdings nicht teilnehmen.

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„Das Glück, dass ich am Freitag Home-Office mache“, hat der Tölzer Projektingenieur Peter Altendorf. „Ich lege mir meine Termine so, dass ich eine verlängerte Mittagspause habe.“ Der 40-Jährige gehört zur Gruppe „Parents for Future“. Von seinen Mitstreitern weiß Altendorf, dass sie als Freiberufler oder Teilzeitkräfte ebenfalls flexibel genug sind, um mitzudemonstrieren.

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Im Vorfeld haben die „Parents for Future“ eifrig die Werbetrommel für die Teilnahme am Klimastreik gerührt. Dafür klapperten sie Läden in der Marktstraße ab oder verteilten Flyer in Briefkästen. Altendorf freut sich: „Die Resonanz war ermutigend.“

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Appelle zur Teilnahme versandte auch der Bund Naturschutz an alle Mitglieder. Die Kreisgruppe und diverse Ortsgruppen werden vertreten sein. „Die Dringlichkeit des Themas muss allen klar sein, von der gesamten Gesellschaft muss ein Zeichen ausgehen“, sagt der Kreisvorsitzende Friedl Krönauer. Auch er hat das Glück,. dass er Zeit zum Demonstrieren hat. „Ich habe gerade Urlaub.“

Die Demonstration

von „Fridays for Future“ beginnt heute wie immer um 11 Uhr am Rathaus. Die Route führt laut Aktivist Nick Altenburger dieses Mal durch weitere Teile der Stadt als sonst. Der Plan, auch ein Stück auf der B 472 zu laufen, sei aber nicht genehmigt worden. Zum Abschluss gibt es eine Kundgebung mit Musiker Sepp „Bodo“ Kloiber aus Lenggries am Marienbrunnen.

Auch in anderen Städten rund um die Welt gehen die Menschen im Klimastreik auf die Straße. In Berlin arbeitet derweil die Große Koalition an einem neuen Klimapaket.

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