VonSebastian Grauvoglschließen
Mit einer „aktiven Mittagspause“ hat sich das Krankenhaus Agatharied am bundesweiten Klinik-Aktionstag „Alarmstufe Rot“ beteiligt. Die Forderungen an die Politik sind unmissverständlich.
Landkreis – „Eigentlich mögen wir es nicht, zu jammern“, schickte Krankenhaus-Vorstand Benjamin Bartholdt seinen Ausführungen voraus. Die Belegschaft seines Hauses liebe ihre Berufung, sei gerne rund um die Uhr für die Patienten da. Wenn die Klinikmitarbeiter in Agatharied für etwas in der Öffentlichkeit stehen wollten, dann für ihre Leistungen in Medizin und Pflege, die sie auch in den herausfordernden Zeiten der Pandemie nie vernachlässigt hätten. Doch die schwierige wirtschaftliche Situation, die das Kreiskrankenhaus mit allen anderen Kliniken in Deutschland teile, habe ihm keine andere Wahl gelassen, als ebenfalls die „Alarmstufe Rot“ auszurufen.
Mit einer „aktiven Mittagspause“ beteiligte sich das Krankenhaus Agatharied am bundesweiten Aktionstag. Wie berichtet, waren die Mitarbeiter dazu aufgerufen, sich im Foyer zu versammeln und damit ein Zeichen an die Entscheider in der Bundespolitik zu senden. Und so hielten Ärzte, Krankenpfleger und alle anderen der zahlreich erschienenen Kollegen Schilder mit der Aufschrift „Jetzt handeln“ hoch, um auf die drei großen Problemfelder im System aufmerksam zu machen: Personalmangel, Unterfinanzierung und fehlende Planungssicherheit. Es sei keineswegs so, dass sich das Krankenhaus Agatharied in sein Schicksal ergeben hätte, betonte Bartholdt: „Jede Herausforderung, die wir selbst lösen können, nehmen wir gerne an.“ So habe zum Beispiel das umfangreiche Projektprogramm unter anderem zum Ziel, das Haus effizienter und kostengünstiger zu organisieren. „Das zeigt, dass wir hart an uns arbeiten“, stellte der Klinikvorstand klar.
Drei systemische Herausforderungen
Die drei genannten Herausforderungen könne man aber, wie alle anderen Krankenhäuser in Deutschland auch, nicht allein aus eigener Kraft lösen. Doch auch die bisherigen Vorschläge der Politik würden dafür nicht ausreichen. Eine Reduktion der Klinikstandorte werde nicht helfen, mehr Personal für die systemrelevante Infrastruktur zu gewinnen. Umso wichtiger sei es, mehr für die qualifizierte Zuwanderung von Fachkräften und Auszubildenden zu tun: geringere Hürden, weniger Bürokratie und mehr Wohnraum.
In Sachen Finanzen bemängelte der Klinikchef, dass die Inflation den Krankenhäusern schwer zu schaffen mache. „Unsere Preise wurden bislang nicht angepasst“, sagte Bartholdt. „Das können wir nicht lange durchhalten.“ Die Folgen würden unmittelbar die Bürger zu spüren bekommen, gerade auf dem Land: längere Wartezeiten auf Termine, weitere Anreisen und allgemein eine schlechtere Versorgung würden drohen. Was es brauche, sei ein sofortiger Inflationsausgleich und eine an die tatsächlichen Bedarfe angepasste Investitionsfinanzierung, forderte Bartholdt.
Kliniken brauchen Klarheit über Reformpläne
Um überhaupt zu wissen, welche Investitionen notwendig sind, brauche man aber Klarheit über die geplante Krankenhausreform. „Wir wissen aktuell nicht, was uns die Zukunft bringt“, warnte der Krankenhaus-Vorstand. Wie solle man aber in Ruhe arbeiten, „wenn wir nicht wissen, wie unsere Häuser morgen aussehen?“ Man sei bereit, eine grundlegende Reform, deren Notwendigkeit man anerkenne, zu unterstützen. Für die Umsetzung so einer weitreichenden Strukturveränderung brauche es aber zeitliche und finanzielle Ressourcen, „um eine gute und erreichbare Versorgung unserer Patienten nicht zu gefährden.“
Lesen Sie auch: Krankenhaus Agatharied eröffnet Komfortstation - Gesundwerden wie im Hotel
Die Unterstützung aus der lokalen Politik sei dem Kreiskrankenhaus sicher, betonte Landrat Olaf von Löwis: „Ich bin es leid, dass wir noch immer über dasselbe Thema sprechen müssen“, sagte Löwis. Es liege schon lange auf der Hand, dass die Krankenhäuser einen Inflationsausgleich benötigen würden.
Der gesamte Verwaltungsrat stehe gemeinsam mit der Klinikleitung voll und ganz hinter dem Erhalt des Krankenhauses Agatharied, versicherte Löwis. „Dafür werde ich mich weiterhin mit ganzer Kraft einsetzen und nicht locker lassen.“
sg
