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Kommunalwahl in Daten: Wo nur eine Stimme fehlte und wo ein Bürgermeister ohne Gegenkandidat scheiterte

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Bayern hat gewählt – und wir blicken noch einmal detailliert auf die Kommunalwahl 2026. Schauen Sie mit uns in alle 2056 bayerischen Gemeinden und 71 Landkreise.

Rund zehn Millionen Wahlberechtigte in Bayern haben am Sonntag über Bürgermeister, Landräte, Gemeinderäte und Kreistage entschieden. Das Ergebnis: Vieles bleibt wie immer – und doch hat sich einiges verschoben. Das zeigt der Blick auf unsere exklusive bayernweite Wahlkarte. Mit sämtlichen Daten zu allen 2056 Gemeinden, von der kleinsten Kommune am Chiemsee bis zur Millionenmetropole München.

Wir liefern Ihnen Wahldaten zu allen 2056 bayerischen Gemeinden. Eine kuriose Situation gab es am Chiemsee.

Die CSU regiert Bayern – aber längst nicht überall

1645 Gemeinden haben ihren Bürgermeister direkt im ersten Wahlgang gewählt – und in den allermeisten davon hieß der Sieger CSU. Die Partei bleibt die mit Abstand stärkste kommunale Kraft im Freistaat. Doch das Bild ist nicht mehr ganz so klar wie früher: In 78 Gemeinden zog die CSU nicht einmal mehr in die Stichwahl ein. So wird es etwa in München oder Bamberg Stichwahlduelle ohne Christsoziale geben – hier treffen sich in zwei Wochen Grüne und SPD zur Entscheidung. Auch lokale Wählergruppen und Freie Wähler verdrängten die CSU mitunter aus der Stichwahl. In Freising etwa entscheidet sich die Stichwahl zwischen Kandidaten der lokalen Freisinger Mitte und den Grünen, in Mühldorf am Inn messen sich die Vertreter von SPD und Freien Wählern.

Keine einzige Landrats-Stichwahl ohne CSU

Bei den Landratswahlen hingegen ist die CSU unangefochten: In jedem einzelnen Landkreis, in dem eine Stichwahl stattfindet, ist die CSU vertreten – teils als reine CSU-Kandidatur, teils in Verbindung mit Junger Union oder lokalen Kooperationslisten. Bei den bereits im ersten Wahlgang entschiedenen Landratswahlen besiegten die Freien Wähler siebenmal die CSU. Zudem konnte die SPD den Landkreis Schweinfurt bereits im ersten Wahldurchgang halten.

Kein Gegenkandidat und trotzdem ohne Sieg

Kuriose Situation am Chiemsee: In Bayerns kleinster Gemeinde muss Amtsinhaber Armin Krämmer (Freie Wählergemeinschaft Chiemsee) in die Stichwahl – und das ohne Gegenkandidaten in der ersten Runde. Der gelernte Elektriker war zwar der einzige Bewerber um das Bürgermeisteramt, er erzielte aber nur 47,7 Prozent. 52,3 Prozent der 144 Wahlberechtigten schrieben andere Namen auf den Wahlzettel. Ein Fünftel und damit die meisten entschieden sich für Michael Lanzinger. Er hat nun bis Dienstagabend Zeit, zu entscheiden, ob er die Teilnahme an der Stichwahl annimmt. Tut er das nicht, kommt es zur Neuwahl. Die Gemeinde Chiemsee umfasst die Herren- und Fraueninsel sowie die nicht bewohnte Krautinsel.

Manche gewinnen mit 50 Prozent – andere mit 100

Nirgendwo war die Bürgermeisterwahl knapper als im unterfränkischen Himmelstadt. Hier siegte Amtsinhaber Herbert Hemmelmann mit 478 zu 477 Stimmen – es entschied also nur eine Stimme. Gleich dreimal machten zwei Stimmen den Unterschied. In Steinhöring (Landkreis Ebersberg) gewann CSU-Kandidat Christian Schächer mit 1.165 zu 1.163 Stimmen bei nur zwei Kandidaten. Ebenfalls zwei Stimmen Unterschied gab es in Eichenbühl im Landkreis Miltenberg sowie in Uettingen bei Würzburg.

Auf der anderen Seite des Spektrums stehen Gemeinden wie Eppenschlag, Niederwinkling oder Mariaposching: Dort gab es nur einen einzigen Kandidaten – und der gewann mit 100 Prozent. Dass man auch mit Konkurrenz in derartige Sphären vorstoßen kann, zeigt das Beispiel Rott am Inn. Hier gewann der von mehreren Parteien unterstützte Amtsinhaber Daniel Wendrock mit 94,3 Prozent gegen einen AfD-Herausforderer.

Das beste Landratsergebnis: fast 90 Prozent in Niederbayern

Sebastian Gruber (CSU) gewann die Landratswahl im Landkreis Freyung-Grafenau bereits im ersten Wahlgang – mit 89,1 Prozent der Stimmen. Ein Erdrutschsieg, der an Glanzzeiten der CSU erinnert. In der Liste der eindeutigsten Landratswahl-Ergebnisse folgen Oliver Bär (CSU) im Landkreis Hof mit 75,0 Prozent und Mario Götz (CSU) in Bad Kissingen mit 74,5 Prozent. Auch 2026 gilt: Auf dem Land ist die CSU bei Landratswahlen kaum zu schlagen.

Wahlbeteiligung von über 99 Prozent: Hier gab jeder seine Stimme ab

In den großen bayerischen Städten lag die Wahlbeteiligung meist zwischen 50 und 65 Prozent. In kleineren Gemeinden ist sie deutlich höher. Den Spitzenwert belegt hier der 1000-Einwohner-Ort Großeibstadt im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld mit bemerkenswerten 99,2 Prozent. Hier ging quasi jeder zur Wahl. Und dass die Stimme jeder und jedes Einzelnen Gewicht hat, zeigt das Endergebnis: Zwei Einzelbewerber stellten sich in Großeibstadt zur Wahl, am Ende gewann der amtierende unabhängige Bürgermeister Gerd Jäger knapp mit 53,3 Prozent.  

Die AfD will in die Fläche, schafft das bislang aber nicht

Die AfD hatte sich einiges ausgerechnet für die Kommunalwahl in Bayern. Sie trat mit deutlich mehr Kandidaten an als noch 2020, hatte ein teils starkes Bundestagswahlergebnis in einzelnen bayerischen Regionen als Mutmacher und schielte dementsprechend an einigen Orten sogar auf Posten. Doch: Die AfD konnte in keiner Personenwahl (Bürgermeister & Landräte) die meisten Stimmen erreichen und schaffte es auch in keine Stichwahl. Das beste AfD-Bürgermeisterergebnis kommt aus dem Landkreis Eichstätt. In Wellheim reichten 33,4 Prozent allerdings nicht, um die CSU zu bezwingen. Einzelne blaue Erfolge gibt es bei den Gremienwahlen. Im oberfränkischen Frensdorf etwa reichten 16,9 Prozent für die meisten Stimmen im Gemeinderat. Zudem schaffte es die Rechtsaußen-Partei in mehreren Kreistage auf Platz zwei.

Datengrundlage: Kommunalwahl Bayern 2026, Ergebnisse Bürgermeisterwahlen und Landratswahlen (Stand Wahlabend, Teilergebnisse). Quelle: Kommunen, Recherchen des IPPEN.MEDIA Datenjournalismus-Teams. Stand: 11. März 2026.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Uwe Lein/Ippen.Media

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