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Blaue Welle bleibt aus – hier war die AfD bei der Kommunalwahl in Bayern am stärksten

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Die AfD hatte bei der Kommunalwahl in Bayern viel vor, erreichte aber keine einzige Bürgermeister- oder Landrats-Stichwahl. In einem Ort wird sie dennoch stärkste Kraft.

Die AfD hatte sich einiges ausgerechnet für die Kommunalwahl in Bayern. Sie trat mit deutlich mehr Kandidaten an als noch 2020, hatte starke Bundestagswahlergebnisse in einzelnen bayerischen Regionen als Mutmacher – und schielte dementsprechend mancherorts sogar auf mögliche Posten. Nach Auszählung der Stimmen ist allerdings klar: Bei der Kommunalwahl 2026 haben die vom bayerischen Verfassungsschutz beobachteten Rechtspopulisten dieses Ziel klar verpasst. Das zeigt unser detaillierter Blick auf die Wahlkarte.

Klosteridylle im oberfränkischen Frensdorf. Hier wurde die AfD bei der Kommunalwahl stärkste Kraft im Gemeinderat.

Stephan Protschka, der Chef der Bayern-AfD, wollte erster westdeutscher AfD-Landrat werden, in Dingolfing-Landau zumindest in die Stichwahl gegen die CSU kommen. Schließlich hatte er dort bei der Bundestagswahl fast 30 Prozent für die AfD geholt und bei den Erststimmen vor Freie-Wähler-Aushängeschild Hubert Aiwanger gelegen. Bei der Landratswahl konnte Protschka diese Sphären nicht ansatzweise erreichen. 18,3 Prozent bei einem am Ende ungefährdeten CSU-Sieg. Der amtierende Landrat Werner Bumeder machte mit 65,2 Prozent schon im ersten Wahlgang alles klar. „Ich geb‘s zu, ich hätte mir ein bisschen was Besseres erhofft“, bilanzierte Protschka nach dem Ergebnis. Für ihn heißt es damit weiter: Berlin statt Niederbayern, Protschka sitzt seit 2017 im Deutschen Bundestag.

AfD-Ergebnis bei der Kommunalwahl in Bayern: Kein Bürgermeister, kein Landrat

Ebenfalls weiter im Parlament bleiben wird Gerd Mannes. Der AfD-Landtagsabgeordnete hat im Kreis Günzburg das beste Landratsergebnis für die AfD erzielt. Seine 24,2 Prozent reichten aber nicht, um dem CSU-Amtsinhaber Hans Reichhardt gefährlich zu werden. Denn auch der setzte sich mit 57 Prozent bereits im ersten Wahlgang durch. Die AfD lag in mehreren weiteren Kreisen zwischen 15 und 20 Prozent, schaffte es aber nicht in eine Stichwahl.

Bei den Bürgermeisterwahlen hat es für die AfD ebenfalls nicht gereicht. In keiner bayerischen Gemeinde holte sie die meisten Stimmen, in keiner schaffte sie es in die Stichwahl. Ihr bestes Ergebnis erzielte die AfD in Wellheim im Landkreis Eichstätt. Dort kam der AfD-Kandidat auf 33,4 Prozent. Die CSU konnte allerdings zwei Drittel der Wähler überzeugen und sicherte sich mit 66,6 Prozent den Sieg. In sieben weiteren Gemeinden erzielte die AfD mehr als 20 Prozent. Alle Daten zu allen 2056 Gemeinden finden Sie in unserer detaillierten Bayern-Wahlkarte.

Ebenfalls mehr ausgerechnet haben dürfte sich die AfD bei den Gremienwahlen. Bei den Gemeinderatswahlen erzielten die Rechtspopulisten zwar deutlich bessere Ergebnisse als 2020 (als sie nur in etwas mehr als 100 Gemeinden überhaupt angetreten waren), kamen aber nirgendwo über ein Viertel der Stimmen hinaus (Stand Montag, 19 Uhr/noch nicht alle Gemeinden ausgezählt). Ihr bestes Ergebnis erzielte die AfD in Waldkraiburg, wo 22 Prozent aber nicht für die meisten Sitze im Stadtrat reichten. Sieben Sitze hat die AfD fortan in der Stadt im Landkreis Mühldorf; die CSU, die bei den Stadtratswahlen mit 34,6 Prozent die meisten Stimmen holte, erhält zehn.

AfD holt meiste Sitze in fränkischem Gemeinderat

Prozentual weniger Stimmen und doch die meisten holte die AfD im oberfränkischen Frensdorf. Dort reichten 16,9 Prozent für die meisten Stimmen im Gemeinderat. Ähnliche Werte erzielte die Partei in Ingolstadt. Die 16 Prozent (zweite Kraft hinter CSU mit 30,3) markieren das beste Ergebnis in einer bayerischen Großstadt. 19,1 Prozent wurden es in der kreisfreien Stadt Schweinfurt.

Bei den Kreistagswahlen konnte die AfD nirgendwo die meisten Stimmen für sich verbuchen. In mindestens 18 Kreisen (Stand: Dienstag, 14.30 Uhr, noch nicht alle Kreistage final ausgezählt) sicherte sie sich allerdings den zweiten Platz – und das bis auf Mittelfranken in allen Regierungsbezirken. Das beste Ergebnis verzeichnete sie im schwäbischen Günzburg (18,6 Prozent), gefolgt vom niederbayerischen Deggendorf (18,4) und Schwandorf in der Oberpfalz (18,3). In diesen Orten konnte die AfD ihr Kreistagsergebnis im Vergleich zur Kommunalwahl 2020 mehr als verdoppeln. (Datengrundlage: Kommunalwahl Bayern 2026, Ergebnisse Bürgermeisterwahlen und Landratswahlen. Quelle: Kommunen, Recherchen des IPPEN.MEDIA Datenjournalismus-Teams.)

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