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Kalte Räume, kaltes Wasser: Bei einer Großfamilie in der Jachenau ist es derzeit ungemütlich. Sie sind nicht die einzigen, die mit dem Energieversorger Bayernwerk hadern. Und der nennt für Abschaltungen einen Grund.
Jachenau – In einem Dreigenerationenhaushalt in der Jachenau lebt Burgl Pschorr (64) mit ihrer Großfamilie. Dazu gehören auch acht Monate alte Zwillinge. Aber seit November ist es zeitweise in ihrem Haus recht ungemütlich. Zuletzt ging sowohl zwei Stunden vormittags als auch eine Stunde am Abend die Heizung nicht mehr.
„Im Kinderzimmer war es eiskalt. Da konnten wir die Zwillinge nicht mehr zum Schlafen hinlegen.“ Aber nicht nur die Kinderzimmer sind von der Kälte betroffen. Familie Pschorr heizt in vielen Räumen des Hauses mit Strom. Andere Zimmer werden mit einem Holzofen warm gehalten. Ein Konzept, das die Familie so seit über 25 Jahren hat. „Wir haben bei Eon seit Langem diesen recht preiswerten Tarif“, sagt Burgl Pschorr. „Das hat bisher immer gut funktioniert. Es wurde lediglich einmal abends für eine Stunde der Heizstrom abgeschaltet.“ Dies habe die Familie kaum bemerkt.
Unterbrechung des Stroms: Konzern sieht sich im Recht
Das Bayernwerk ist der Netzbetreiber, auf welchen die Schwesterfirma Eon zur Energieversorgung zurückgreift. Anfang November hat der Großkonzern die Zeiten, in denen kein Heizstrom fließt, verdreifacht. „Wir haben ein altes Haus, das speichert die Wärme nicht so lange. Drei Stunden am Tag sind einfach zu viel. Vor allem vormittags“, klagt Pschorr.
Sie hat sich die Kälteperioden genau notiert: „Das war erst von 7.37 bis 8.37 Uhr, von 9.37 bis 10.37 Uhr und von 21.58 bis 22.58 Uhr.“ Anfangs wusste die Hausfrau nicht, wieso ihre Heizung so oft nicht mehr geht, und fragte beim Bayernwerk und Eon nach.
„Ich wurde nur hin und her geschickt, am Telefon teils wahnsinnig unfreundlich abgewürgt und habe nie eine vernünftige Auskunft, geschweige denn Hilfe bekommen“, beschwert sich die Hausfrau. Das Einzige, was Burgl Pschorr nach zahlreichen Telefonaten in Erfahrung brachte, war „dass sich an der Situation nichts ändert“, sagt die 64-Jährige.
„Es ist richtig, dass wir seit November sowohl die Gesamtdauer als auch den Rhythmus diesbezüglich geändert haben“, erklärt Bayernwerk-Sprecher Christian Martens auf Anfrage des Tölzer Kurier. „Statt einer Stunde wurde drei Stunden die Heizstromzufuhr abgedreht und zusätzlich auch an den Wochenenden.“ Weiter betont er, die Steuerung des Heizstroms bleibe bei Familie Pschorrs Tarif vertraglich dem Bayernwerk überlassen.
Der Grund für diese eisige Maßnahme ist laut dem Konzern die Netzstabilität. „Das ist eine präventive Vorgehensweise, um Netzüberschuss zu vermeiden.“
Die Jachenauer Familie ist kein Einzelfall
Doch diese Maßnahme kam nicht bei allen Verbrauchern gut an. Auch Elisabeth Kirchberger aus dem Nachbarlandkreis Miesbach hat die Umstellung bemerkt: „Mir ist aufgefallen, dass ich immer öfter keinen Heizstrom habe. Besonders ärgerlich war das abends, wenn ich duschen wollte und nur eiskaltes Wasser kam“, klagt die 24-Jährige aus Weyarn.
Pschorr und Kirchberger sind keine Einzelfälle. Offenbar gab es mehrere Beschwerden, auf die das Bayernwerk nun reagiert hat. „Wir haben die Zeiten wieder etwas geändert und reduziert – zum Beispiel vormittags von 60 auf 30 Minuten“, sagt Martens. Das sei aber keineswegs ein Dauerkonzept. Martens betont weiter, dass „sowohl Gesamtdauer als auch Rhythmus jederzeit wieder geändert werden können“. Er könne daher nicht versprechen, dass „es die nächsten Wochen so bleibt.“
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Für Burgl Pschorr ein schwacher Trost. „Ich habe das Gefühl, dass das eine Masche ist, damit ich meinen günstigen Tarif hergebe. Bei einem der Telefonate mit den Kundencentern wurde mir sogar gesagt, ich solle einen teureren Tarif abschließen, wenn mich das stört.“ Die Hausfrau ist empört: „Ich finde das unmöglich. Seit über 25 Jahren sind wir zahlende Kunden, und jetzt so eine Abzocke.“
Wirtschaftliche Interessen stehen laut dem Großkonzern bei der Umstellung nicht im Vordergrund. „In den kalten Monaten ist der Verbrauch einfach größer. Wir versuchen deshalb jetzt, mit dieser Steuerungsmaßnahme eine optimale Netzstärke zu gewährleisten.“
Doch freilich trifft ein solches Vorgehen den Endverbraucher gerade in den Wintermonaten am härtesten. Deswegen hat Burgl Pschorr wohl oder übel nur die Wahl, entweder zu frieren – oder tiefer in die Tasche zu greifen. Martens stellt jedenfalls klar: „Da Familie Pschorr kein Einzelfall ist, können wir auch nicht bei jedem individuell etwas an der Situation ändern.“
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